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Flüchtlingslager Idomeni: Behörden gehen per Lautsprecher gegen Gerüchte vor

Lautsprecher gegen Flüsterpost und Facebook - im griechischen Flüchtlingslager Idomeni gehen die Behörden gegen Fehlinformationen vor. Diese können gefährlich werden.

Flüchtlinge stehen Schlange für eine Mahlzeit in Idomeni Zur Großansicht
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Flüchtlinge stehen Schlange für eine Mahlzeit in Idomeni

Die griechischen Behörden wollen künftig gefährliche Gerüchte im Lager Idomeni verhindern - durch Auskünfte per Lautsprecher. In der mit mehr als 11.000 Menschen bewohnten improvisierten Anlage nahe Mazedoniens hatten sich wiederholt Fehlinformationen über eine Öffnung der nahegelegenen Grenze verbreitet und als echtes Sicherheitsrisiko entpuppt.

Erst am Ostersonntag waren viele Hundert Flüchtlinge zu Fuß zur 15 Kilometer entfernten Grenze geeilt - mit Kindern und Taschen bepackt. Mazedonien gilt als wichtiger Transitstaat auf der Balkanroute. Doch das griechische Nachbarland hatte vor einigen Wochen die Grenzen dicht gemacht.

Nun hatte sich das Gerücht verbreitete - unter anderem via Facebook - die Grenze könne wieder überwunden werden. Flüchtlinge sagten, sie hätten gehört, dass internationale Journalisten und Mitarbeiter des Roten Kreuzes ihnen helfen würden, die Grenze zu durchbrechen. Deutschland werde Tausende Schutzsuchende aufnehmen, lautete die Fehlinformation weiter. Als sich die Realität anders darstellte und die griechische Polizei die Menschen stoppte, kam es zu Tumulten.

Mit einer lautstarken Informationspolitik wollen die griechischen Behörden nun gegensteuern, um solche Vorkommnisse künftig zu verhindern: "Wir verstärken die Anstrengungen, um die Flüchtlinge und Migranten in ihrer Sprache und ohne Mittler anzusprechen", sagte der Koordinator der griechischen Regierung für Einwanderungspolitik, Giorgos Kyritsis, am Montag.

Erste Geburt im Flüchtlingslager Idomeni

Vor zwei Wochen gelang es einer Gruppe von einigen Hundert Menschen aus dem Lager, einen Grenzfluss zu durchqueren und nach Mazedonien vorzudringen, von wo aus sie aber unter Einsatz von Gewalt wieder nach Idomeni zurückgebracht wurden.

Die griechische Regierung unternahm bereits zahlreiche Versuche, die Flüchtlinge aus Idomeni davon zu überzeugen, dass sie in andere Aufnahmezentren gehen. Athen hält vor Ort sogar Busse bereit, mit denen die Flüchtlinge und Migranten gratis in organisierte Aufnahmelager reisen können. Die meisten hoffen jedoch weiterhin auf eine Öffnung der Grenze, die Griechenlands Nachbar Mazedonien vor einigen Wochen dichtgemacht hatte. Am Montag lag die Zahl der Flüchtlinge in Idomeni weiter bei 11.400.

Darunter war auch ein Neugeborenes, das am Samstag in einem Zelt geboren wurde. Das berichtete das staatliche griechische Fernsehen "ERT3". "Die Geburt hat nicht länger als eine halbe Stunde gedauert", sagte eine Verwandte der Mutter, die aus der überwiegend von Kurden bewohnten syrischen Grenzstadt Kobane stammen soll. Mitglieder der humanitären Organisation "Ärzte der Welt" behandelten das Neugeborene und die Mutter, hieß es im Bericht weiter. Es sei das erste Kind, das im Camp von Idomeni in einem der Zelte geboren wurde. In den vergangenen Wochen hatte es mindestens vier weitere Geburten gegeben, die Kinder wurden aber im nahegelegenen Krankenhaus der Stadt Kilkis geboren, hieß es.

Video: Neugeborenes im Flüchtlingslager Idomeni

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mhu/dpa/afp

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