IISS-Dossier zum Irak Saddam Hussein kann die Atombombe bauen

Irakische Wissenschaftler können möglicherweise innerhalb kurzer Zeit eine Atombombe bauen. Nach Einschätzung des Internationalen Instituts für Strategische Studien (IISS) müsste nur das notwendige Material aus dem Ausland geliefert werden, berichtet die BBC.


Saddam Hussein hat möglicherweise Restbestände alter Raketen gehortet
AP

Saddam Hussein hat möglicherweise Restbestände alter Raketen gehortet

Nach Erkenntnissen der IISS sind Wissenschaftler im Irak in der Lage, innerhalb von wenigen Monaten chemische und biologische Waffen herzustellen. Das Londoner Institut vermutet, dass der Irak Waffenbestände und eine geringe Anzahl von Langstreckenraketen des Typs "al-Hussein" versteckt hält. Offenbar werden deshalb die Waffeninspekteuren der Uno nicht ins Land gelassen.

Ob die verfügbaren Informationen allerdings auf dem neuesten Stand sind, kann die IISS nicht bestätigen. Denn der ausgewertete Waffenbericht stamme von den Inspekteuren, die 1998 nach massiven Behinderungen das Land verlassen hatten - und bis heute nicht mehr einreisen durften. Das Institut räumte mögliche "Lücken" ein.

Autor der Studie ist John Chipman. Er zeigte sich bei der Vorstellung des Dossiers davon überzeugt, dass Saddam den Bau einer Atombombe anstrebe. Der Irak sei bereits dabei, Maschinen zu entwickeln, mit denen waffenfähiges nukleares Material hergestellt werden könne. Ohne ausländische Hilfe werde Saddam Hussein sein Ziel aber nicht erreichen.

Der Amerikaner Scott Ritter, ehemaliger Uno-Waffeninspekteur, beurteilt die Lage völlig anders. Nach seiner Einschätzung ist der Irak keineswegs fähig, Massenvernichtungswaffen herzustellen. Das "Handelsblatt" zitiert Ritter, der sich zur Zeit auf Einladung Husseins in Bagdad aufhält, mit den Worten: "Die Wahrheit ist, dass der Irak keine Bedrohung für seine Nachbarn darstellt und nicht auf eine Art und Weise handelt, die irgendjemanden außerhalb seiner Grenzen gefährdet."

Laut "Times" sprach Ritter vor Journalisten und Abgeordneten in Bagdad davon, der amerikanische Präsident George W. Bush sei drauf und dran, "einen historischen Fehler" zu machen, wenn er damit drohe, Hussein stürzen zu wollen.

Atomenergiebehörde sieht keine Beweise

Die Internationale Atomenergie-Behörde (IAEA) hat unterdessen bekräftigt, dass sie keine Beweise für ein neues irakisches Atomwaffenprogramm habe. "Natürlich ist es Besorgnis erregend, wenn wir sehen, dass an ehemaligen Anlagen gebaut wird, wo Irak sein Atomwaffenprogramm gemacht hat", sagte IAEA-Sprecherin Melissa Flemming dem Nachrichten-Radio MDR info.

Auf Luft- oder Satellitenbildern sei aber nicht zu erkennen, was unter den Dächern passiere. "Wir haben momentan keine Beweise dafür, dass Irak jetzt ein neues Atomwaffenprogramm hat", so Flemming. Eine eindeutige Bewertung lasse sich erst dann vornehmen, wenn die Waffeninspekteure wieder ins Land dürften. Das Mandat des UN-Sicherheitsrats gebe den Kontrolleuren genug Vollmachten, um schnell herauszufinden, was im Irak vor sich gehe.



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