Im Vorfeld des Irak-Krieges US-Offizielle werfen BND Versagen vor

Fünf Jahre nach dem US-Einmarsch im Irak entbrennt eine neue Debatte über das Versagen der Geheimdienste. Ehemalige US-Offizielle behaupten, der BND habe mit seinen Informationen über angebliche rollende Biowaffenlabore eine der zentralen Rechtfertigungen für den Waffengang geliefert.


Berlin - "Saddam Hussein weitere Monate oder Jahre im Besitz von Massenvernichtungswaffen zu lassen, ist keine Option - nicht in einer Welt nach dem 11. September": Die Kriegsrede, die der damalige US-Außenminister Colin Powell vor den Vereinten Nationen im Februar 2003 hielt, ist inzwischen berüchtigt. In Sachen Biowaffen berief er sich maßgeblich auf Erkenntnisse des Bundesnachrichtendienstes (BND). "Ihr Deutschen tragt zumindest eine Mitschuld", sagt Powells damaliger Stabschef Larry Wilkerson heute.

Die Informationen waren falsch, und sie stammten von einer einzigen Quelle mit dem Codenamen "Curveball", einem heute 41-jährigen irakischen Ingenieur, der - beginnend im Jahr 2000 - dem BND in mehr als 50 Sitzungen detailreich über das angebliche mobile Biowaffen-Programm berichtet hatte. Der BND habe die Informationen zu "Curveball" "nicht zufällig geliefert, da wurde jedes Wort auf die Waage gelegt", sagt Wilkerson, er könne "den Deutschen in dieser Misere keinen Freibrief ausstellen".

Auch der ehemalige US-Chef-Waffeninspektor im Irak, David Kay, kritisiert den BND für seinen Umgang mit "Curveball" deutlich: Der deutsche Geheimdienst sei "offensichtlich selbst nicht willens oder in der Lage" gewesen, die "Quelle richtig einzuschätzen", und habe durch seine Weigerung, "Curveball" durch die CIA befragen zu lassen, auch verhindert, dass andere das für ihn übernehmen. "Das war unehrlich, unprofessionell und verantwortungslos", sagt Kay.

Anders als etwa die amerikanische CIA, die "Curveball" bereits 2004 als "Betrüger" einstufte, hat der BND nie offiziell eingeräumt, einem Lügner aufgesessen zu sein. Der Dienst schützt seinen Informanten noch immer und will "aus grundsätzlichen Erwägungen" auch keine Fragen zur Sache beantworten. Die Bundesregierung verweist auf einen Brief des damaligen BND-Präsidenten August Hanning vom 20. Dezember 2002 an CIA-Chef George Tenet. Die "Curveball"-Erkenntnisse, schrieb Hanning darin, "wurden im Kern als plausibel und glaubhaft beurteilt, können jedoch nicht bestätigt werden". Der damalige deutsche Uno-Botschafter Gunter Pleuger sagt: "Für mich war das vollkommen eindeutig eine Warnung, und ich bin davon ausgegangen, dass die 'Curveball'-Informationen danach nicht mehr von den Amerikanern verwendet werden würden."

Dem SPIEGEL ist es jetzt erstmals gelungen, "Curveball" in Süddeutschland ausfindig zu machen, wo er mit seiner Familie derzeit auf seinen deutschen Pass wartet. Im September 2007 haben die deutschen Behörden seiner Einbürgerung bereits grundsätzlich zugestimmt. Er bestreitet gegenüber dem SPIEGEL, den BND angelogen zu haben: "Ich habe nie gesagt, dass der Irak Massenvernichtungswaffen hat."

Die vollständige Geschichte lesen Sie im SPIEGEL, der wegen der Osterfeiertage in dieser Woche schon von Samstag an erhältlich ist.



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