Muslimbrüder gegen Armee: Hunderte Tote in Ägypten - Regierung verhängt Ausgangssperre

AP

Die Lage in Ägypten ist eskaliert. Allein in Kairo werden Hunderte Todesopfer erwartet, die Zahl der Verletzten liegt bei mehr als 500. Ein britischer Kameramann erlag in Kairo seinen Schussverletzungen. Die Übergangsregierung hat den Ausnahmezustand und eine Ausgangssperre ausgerufen.

Kairo - Ägypten versinkt immer tiefer in Gewalt und Chaos. Beinahe minütlich laufen neue Angaben über die Zahl der Toten und Verletzten nach den brutalen Ausschreitungen in Kairo und anderen Städten des Landes ein. Die Uno geht laut einer aktuellen Schätzung von Hunderten Toten aus. Generalsekretär Ban Ki Moon verurteilte die Gewalt in einer kurzen Stellungnahme scharf.

Für das komplette Land gilt seit 16 Uhr für einen Monat der Ausnahmezustand. Damit erhalten die Sicherheitskräfte mehr Freiheiten bei ihrem Vorgehen gegen Demonstranten, vor allem mit Blick auf Festnahmen und Untersuchungshaft. Auch die Armee könnte schon bald in größerem Stil in den Konflikt auf den Straßen des Landes eingreifen.

Die Regierung verhängte außerdem für Kairo und zehn weitere Provinzen eine Ausgangssperre. Diese werde bis auf weiteres von 19 Uhr bis sechs Uhr morgens dauern, teilte ein Sprecher mit. Sie gilt demnach für Kairo, Gizeh, Alexandria, Beni Sueif, Menja, Assiut, Sohag, Beheira, Nord-Sinai, Süd-Sinai und Suez (Verfolgen Sie die aktuellen Ereignisse im Liveticker).

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Ausnahmezustand in Ägypten: Sturm auf die Muslimbrüder
Die US-Regierung verurteilte die Gewalt gegen die Demonstranten aufs Schärfste. "Wir haben das ägyptische Militär und die Sicherheitskräfte mehrfach dazu aufgefordert, sich zurückzuhalten und die Rechte seiner Bürger zu achten", sagte ein Sprecher des Weißen Hauses. Durch das harte Eingreifen werde die "Stabilität in der Region gefährdet".

Konkrete Opferzahlen sind wegen der unübersichtlichen Situation derzeit nicht zu bekommen. Das Gesundheitsministerium sprach am späten Nachmittag von landesweit 149 Toten. Ein Reporter der Nachrichtenagentur AFP zählte jedoch alleine auf dem Rabaa-al-Adawija-Platz im Stadtteil Nasr City 124 Leichen. Dort hatte die Armee am Morgen ein Protestcamp der Anhänger des gestürzten Präsidenten Mohammed Mursi geräumt.

Unter den Toten befindet sich auch ein Kameramann des britischen TV-Senders Sky News. Der 61-jährige Mick Deane wurde nach Angaben seines Arbeitgebers in Kairo beschossen und erlag wenig später seinen Verletzungen. Auch eine Mitarbeiterin der Zeitung "Gulf News" wurde am Mittwochmorgen in Kairo getötet. Wie das Blatt mitteilte, befand sie sich jedoch auf einem privaten Besuch in der ägyptischen Hauptstadt.

Brutale Räumungsaktion am Morgen

Seit dem Morgen geht das Militär mit großer Härte gegen die Anhänger der Muslimbrüder vor. Sicherheitskräfte stürmten die beiden Lager der Islamisten in Kairo. Die Militärpolizei schießt nach Berichten von Journalisten vor Ort mit scharfer Munition auf die Protestierenden. Bewaffnete Kräfte feuerten auch von Häuserdächern aus in die Menge. Außerdem setzten die Sicherheitskräfte Tränengas ein und rückten mit Bulldozern und gepanzerten Fahrzeugen auf die Zeltstädte vor.

Das Protestcamp auf dem Nahda-Platz nahe der Universität Kairo wurde nach wenigen Stunden geräumt, die Kämpfe rund um den Rabaa-al-Adawija-Platz halten hingegen auch nach Stunden weiter an. Noch immer harren in dem Viertel Tausende Anhänger der Muslimbruderschaft aus. Sie wehren sich mit Knüppeln, Steinen und Macheten gegen die Angreifer. Außerdem schießen sie Feuerwerkskörper auf die anrückenden Truppen.

Mehrere Funktionäre der Muslimbrüder sollen festgenommen worden sein, unter ihnen Mohammed al-Beltagi, der Generalsekretär der Partei für Freiheit und Gerechtigkeit, dem politischen Arm der Bruderschaft. Seine 17 Jahre alte Tochter soll unter den Toten sein.

Das öffentliche Leben ist zum Erliegen gekommen

Doch die Gewalt beschränkt sich nicht auf die Hauptstadt. Auch in anderen Orten liefern sich Sicherheitskräfte Zusammenstöße mit Mursi-Anhängern. Die Muslimbrüder riefen ihre Unterstützer zu Protesten im ganzen Land auf. In Alexandria fielen Schüsse, ebenso in den Kanalstädten Suez und Port Said. In der Provinz Fajum im Südwesten Kairos sind bei Zusammenstößen nach offiziellen Angaben 35 Menschen getötet worden.

Laut Augenzeugen ist das öffentliche Leben fast überall in Ägypten zum Erliegen gekommen. Der Zugverkehr von und nach Kairo wurde unterbrochen, wichtige Straßen sind abgeriegelt. Auch die Straße zwischen Stadtzentrum und Flughafen wurde zwischenzeitlich gesperrt. Die Armee will so verhindern, dass die Muslimbrüder weitere Unterstützer nach Kairo bringen kann.

In mehreren Städten griffen Mursi-Anhänger Verwaltungsgebäude und Polizeiwachen an. Nach Angaben christlicher Gruppen wurden in Oberägypten mindestens sieben Kirchen in Brand gesetzt. Koptische Organisationen machten Anhänger der Muslimbrüder dafür verantwortlich. Auch Läden von Christen seien angegriffen worden, ohne dass die Sicherheitskräfte einschritten.

Scharfe Kritik der Europäischen Union

Am Mittag wandte sich Übergangs-Premierminister Hasim al-Beblawi an die Ägypter. Er lobte das Innenministerium für das Verhalten der Sicherheitskräfte. Die Polizei habe Zurückhaltung gezeigt. Beblawi warnte vor einer weiteren Eskalation der Lage und drohte zugleich, dass seine Regierung rücksichtslos gegen Provokateure vorgehen werde.

Die Europäische Union reagierte bestürzt auf die Eskalation in Ägypten. "Wir weisen nochmals darauf hin, dass Gewalt nicht zu einer Lösung führen wird und rufen die ägyptischen Behörden auf, mit der größtmöglichen Zurückhaltung vorzugehen", erklärte die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton am Mittwoch in Brüssel. Sie hatte Ende Juli versucht, zwischen den Konfliktparteien in Kairo zu vermitteln - ohne Erfolg.

Auch Außenminister Guido Westerwelle forderte ein sofortiges Ende des Blutvergießens. Die Übergangsregierung müsse friedliche Proteste zulassen, sagte der Politiker in Berlin. "Wir fordern alle Seiten auf, umgehend zu einem politischen Prozess zurückzukehren, der alle politischen Kräfte einschließt."

fab/jok/syd/AFP/Reuters/AP

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1. Wenn man der Argumentation der Nato aus dem
hdudeck 14.08.2013
Kriegen gegen Serbien, Libyen und anderen folgen wuerde, muesste die Nato / UN jetzt in Aegypten eingreifen. Oder ging es etwa in diesen Kriegen nicht darum, die Bevoelkerung gegen die Machthaber zu schuetzen? Besonders, wenn eine demokratisch gewaehlte Regierung gestuerzt wurde? Aber warscheinlich habe ich das falsch verstanden und meschenrechte werden je nach Situation/Land anders ausgelegt.
2. zweite syrische Erfolgsgeschichte
eu-sklave 14.08.2013
Zitat von sysopDie Lage in Ägypten ist eskaliert. Allein in Kairo werden Hunderte Todesopfer erwartet, die Zahl der Verletzten liegt bei mehr als 500. Ein britischer Kameramann erlag in Kairo seinen Schussverletzungen. Die Übergangsregierung hat den Ausnahmezustand ausgerufen. Immer mehr Opfer in Ägypten - britischer Kameramann getötet - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/immer-mehr-opfer-in-aegypten-britischer-kameramann-getoetet-a-916592.html)
Das sieht aus wie eine zweite syrische Erfolgsgeschichte aus! Jetzt müssen nur noch die Moslembrüder vom Westen mit Waffen beliefert werden, um den illegalen Militärputsch zu beseitigen und die Demokratie wieder einzuführen. :-(
3. neue Terroristen
martin-gott@gmx.de 14.08.2013
Zitat von sysopDie Lage in Ägypten ist eskaliert. Allein in Kairo werden Hunderte Todesopfer erwartet, die Zahl der Verletzten liegt bei mehr als 500. Ein britischer Kameramann erlag in Kairo seinen Schussverletzungen. Die Übergangsregierung hat den Ausnahmezustand ausgerufen. Immer mehr Opfer in Ägypten - britischer Kameramann getötet - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/immer-mehr-opfer-in-aegypten-britischer-kameramann-getoetet-a-916592.html)
das dürfte den islamistischen terroristischen Organisationen Auftrieb geben und die Anzahl potentieller Selbstmordattentäter in die Höhe schnellen lassen dazu zaehle ich nicht die Moslembrüder. Die protestieren vollkommen zu Recht dagegen das die Armee den Präsidenten weg geputscht hat. Dafür werden sie jetzt in Massen ermordet. Und die sogenannten Liberalen die mir persönlich auch symphatischer sind aber die Wahlen verloren unterstützen die Armee obwohl diese nicht die Lösung des Problems ist sondern mit ihrer Korruption ein Teil von Ägytens Problem ist.
4. Von Assad lernen
Aron2201Sperber 14.08.2013
Ägyptens Armee hat wohl von Assad gelernt, dass man keine Wahlen veranstalten muss, um als legitimer Führer zu gelten: Was hat Ägypten von Assad gelernt? | Aron Sperber (http://aron2201sperber.wordpress.com/2013/07/07/lernt-agypten-von-assad/) Ob Obama genauso treu zu den ägyptischen Militärs halten wird wie Putin zu Assad ist jedoch zu bezweifeln.
5. Starke Bilder
Europa! 14.08.2013
Zitat von sysopDie Lage in Ägypten ist eskaliert. Allein in Kairo werden Hunderte Todesopfer erwartet, die Zahl der Verletzten liegt bei mehr als 500. Ein britischer Kameramann erlag in Kairo seinen Schussverletzungen. Die Übergangsregierung hat den Ausnahmezustand ausgerufen. Immer mehr Opfer in Ägypten - britischer Kameramann getötet - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/immer-mehr-opfer-in-aegypten-britischer-kameramann-getoetet-a-916592.html)
Man sieht, dass hier mutige Journalisten gearbeitet haben. Trotzdem: Niemand sollte für ein Foto sterben müssen. Da verzichte ich lieber mal auf die Sensation.
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Ab sofort können freie Plätze auf Flügen von Air Berlin und Condor von Scharm el-Scheich, Hurghada und Marsa Alam nach Deutschland gebucht werden.
Air Berlin: www.airberlin.com oder per Telefon unter +49-1805-737 800
Condor: www.condor.com oder per Telefon unter +49-180-5767757