Peking - Sie haben richtig viel Geld: Wang Jianlin, Leiter des chinesischen Immobilien- und Bauunternehmens Dalian Wanda Group, der als einem der Reichsten des Landes gezählt wird. Liang Wengen, Gründer und Hauptaktionär des Maschinenherstellers Sany Group Limited mit einem geschätzten Vermögen von rund 7,3 Milliarden US-Dollar. Oder Zhou Haijiang, dessen Vermögen auf 1,3 Milliarden US-Dollar taxiert wird. Abgesehen von ihrem Reichtum haben die drei noch eine weitere Gemeinsamkeit: Sie hatten einen Sitz in der Großen Halle des Volkes, als zuletzt die neue Führungsriege von Chinas Kommunistischer Partei bestimmt wurde.
Wang, Liang und Zhou stehen laut einem Bericht des "Wall Street Journal" stellvertretend für einen grundsätzlichen Wandel in der Partei: Einst bestimmten einfache Arbeiter und loyale Militärvertreter das Bild der KP, für sie war der Weg in Schlüsselpositionen der Partei meist frei. Das passte zum Image der sozialistischen Volksrepublik. Inzwischen drängen immer mehr Reiche und Superreiche an die Schaltstellen der Partei. 160 der 1024 reichsten Chinesen sitzen dem Bericht zufolge in wichtigen Gremien der Kommunistischen Partei. Die Zeitung beruft sich dabei auf Daten des Shanghaier Hurun-Reports.
Demnach sind im Nationalen Volkskongress, dem chinesischen Parlament, möglicherweise sogar mehr Superreiche versammelt als in jeder anderen Volksvertretung der Welt. Dem Hurun-Report zufolge gehören 75 der insgesamt 3000 Volkskongressmitglieder zu den 1024 reichsten Chinesen. Das durchschnittliche Vermögen dieser 75 Abgeordneten: eine Milliarde US-Dollar.
Die wachsende Schere zwischen Arm und Reich hatte in der jüngeren Vergangenheit immer wieder für Unmut gesorgt. Viele einfache Chinesen klagen über steigende Preise. Dazu kommt der Ärger über Berichte zur Korruption unter Kadern der KP. Erst vor wenigen Wochen hatte die "New York Times" berichtet, dass die Familie des chinesischen Premiers Wen Jiabao in den vergangenen Jahren ein Vermögen von 2,7 Milliarden US-Dollar angehäuft haben soll. Die Behörden in China sperrten damals kurz nach Erscheinen des Artikels den Zugang zu der Website.
Dem "Wall Street Journal" zufolge ist schwer auszumachen, inwieweit die politische Karriere einzelner Politiker ihre Geschäfte als Unternehmer voranbringt. Es gebe aber vielfältige Gründe, warum sich chinesische Unternehmen um gute Beziehungen zur Politik kümmerten. So würden sich viele Firmen Geld bei staatlichen Banken leihen und etwa mit Vertretern von Provinzregierungen über die Höhe ihrer Steuern verhandeln.
Unter Mao Zedong, KP-Vorsitzender von 1943 bis 1976, hätten Kapitalisten noch als Staatsfeinde gegolten, schreibt das "Wall Street Journal", manche Geschäftsleute seien damals verfolgt worden. Diese Haltung habe sich bereits mit Maos Nachfolger Deng Xiaoping verändert. Deng stand für eine Reform- und Öffnungspolitik, er prägte zudem den Satz: "Reich werden ist ehrenhaft."
hen
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