Parlament in Nordkorea Kim lässt wählen

Nordkoreas Bürger wählen im März ein neues Parlament. Die Mitglieder der "Obersten Volksversammlung" nicken zwar nur die Beschlüsse des Diktators Kim Jong Un ab. Die Kandidatenliste könnte aber Aufschlüsse über politische Säuberungen liefern.

Parlamentssitzung in Nordkorea: 2009 lag die offizielle Wahlbeteiligung bei 99,98 Prozent.
DPA/ KCNA

Parlamentssitzung in Nordkorea: 2009 lag die offizielle Wahlbeteiligung bei 99,98 Prozent.


Pjöngjang - Nordkoreas Diktator Kim Jong Un hat erstmals seit seiner Machtübernahme vor zwei Jahren Wahlen angesetzt. Am 9. März sollen seine Bürger ein neues Parlament wählen. Eine wirkliche Entscheidungsfreiheit haben sie dabei nicht: In jedem Wahlkreis tritt nur ein Kandidat der "Demokratischen Front für die Vereinigung des Vaterlandes" an. Die Namen, die auf dieser Einheitsliste stehen, werden vom Regime ausgesucht.

Die künftige Zusammensetzung der "Obersten Volksversammlung" könnte dennoch einen interessanten Einblick in die veränderten Machtverhältnisse in Pjöngjang liefern. Bislang hielt Kims Onkel Chang Song Thaek den Posten des Vizechefs der Nationalen Verteidigungskommission inne, die vom Parlament gewählt wurde. Changs Ehefrau Kim Kyung Hee besetzte ebenfalls einflussreiche Positionen. Für beide wird Kim bei der Wahl im März Nachfolger aufstellen müssen: Der Diktator ließ Chang Mitte Dezember wegen Hochverrats hinrichten, südkoreanische Geheimdienste gehen davon aus, dass auch Kims Tante inzwischen tot ist.

Besonders in Seoul warten Beobachter nun gespannt auf die Kandidatenliste, die Aufschluss darüber geben dürfte, ob weitere Kader bei Kim in Ungnade gefallen sind. Zwischen beiden Staaten kommt es immer wieder zu Spannungen. Die USA gaben am Dienstag bekannt, dass sie ihre Truppenpräsenz in Südkoreaverstärken wollen. Im Zuge einer Neugewichtung der Aufstellung in Ostasien würden zum 1. Februar 800 weitere Soldaten und 40 Kampfpanzer vom Typ "Abrams" in das Partnerland verlegt, sagte ein Sprecher des US-Verteidigungsministeriums. Die USA haben bereits rund 28.000 Soldaten dort stationiert.

Die Volksversammlung wird alle vier Jahre gewählt und ist nominell das höchste Machtorgan des Staates. Das Scheinparlament tritt aber normalerweise nur zweimal jährlich für jeweils wenige Tage zusammen, um den Haushaltsplan für das laufende Jahr zu verabschieden und sich mit politischen Leitlinien zu befassen. Auf den Sitzungen werden weitgehend vorher gefasste Beschlüsse der herrschenden Arbeiterpartei ratifiziert. Die bislang letzte Parlamentswahl in Nordkorea fand 2009 statt. Damals lag die Wahlbeteiligung bei offiziell 99,98 Prozent.

Open Doors beklagt Christenverfolgung in Nordkorea

Besonders verheerend ist die Lage für Christen in Nordkorea. Nach Angaben des christlichen Hilfswerks Open Doors unterdrückt Kims Regime Christen weltweit am stärksten. Das geht aus dem am Mittwoch in Kelkheim bei Frankfurt veröffentlichten Weltverfolgungsindex 2014 hervor.

Danach führt das kommunistische Land zum zwölften Mal in Folge die Liste der 50 Staaten an, in denen Christen wegen ihres Glaubens verfolgt werden. Dort wird den Angaben zufolge bereits der Besitz einer Bibel mit Todesstrafe oder Arbeitslager für die ganze Familie geahndet.

Auf den Plätzen zwei bis neun folgen Staaten, in denen vor allem islamistische Extremisten die Religionsfreiheit mit Gewalt unterbinden, darunter Somalia (Platz 2), Syrien (3), Irak (4) und Afghanistan (5).

syd/dpa/AFP/AP



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insgesamt 20 Beiträge
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mehrhirnbitte 08.01.2014
1. Mein täglich Kim gib mir heute,
und vergib uns unsere Schuld... Womit haben wir verdient, von so einem Mist genervt zu werden? Wo sind die News über die 200'000 Sklaven und Sklavenkinder des Regimes? Ach so, die interessieren ja keinen.
meinungsherrscher 08.01.2014
2.
Deutschlands Bürger wählten im September ein neues Parlament. Die Mitglieder des "Bundestages" nicken zwar nur die Beschlüsse der Wirtschaftsbosse ab. Die Kandidatenliste könnte aber Aufschlüsse über die nächsten Aufsichtsratsmitglieder in Großkonzernen geben.
demokrat_de 08.01.2014
3. Christenverfolgung....
Was dort passiert, ist wirklich unfaßbar... Warum gibt es von unserer Regierung keine Reaktion darauf? Fledermäuse unter einer Brücke sind mehr Diskussion Wert, als der Fakt, daß Menschen wegen ihres Glaubens verfolgt, gefoltert und getötet werden... Scheinwelt!
bewarzer-fan 08.01.2014
4. Ami-Basher, aufgepasst!
In der Region stehen 28.800 amerikanische Soldaten! Das sind zwar ca. 1000 weniger als weiland in bundesdeutschen Kleinstädten wie z.B. Hanau (das an der Kinzig), aber irgendwie lässt sich bestimmt daraus eine Tirade stricken :-)
claudilein 08.01.2014
5. Seltsame Logik
Was sollte denn dieser Hinweis zu der Lage der Christen in Nordkorea am Ende des Artikels? Das hat weder etwas mit dem Artikel zu tun, noch unterscheidet sich die Verfolgung von Christen dort von der Verfolgung anderer Religionsgruppen, so dass es unbedingt nötig wäre, sie in einem Artikel über die Parlamentswahl gesondert zu erwähnen.
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