Belagerung in Sarajevo: Hunderte Menschen aus bosnischem Parlament befreit

Protest in Sarajevo: Auch Deutsche waren im Parlament eingeschlossen Zur Großansicht
AP/dpa

Protest in Sarajevo: Auch Deutsche waren im Parlament eingeschlossen

Sie nahmen an einer Tagung in Sarajevo teil und kamen nicht mehr aus dem Gebäude. Mehrere hundert Menschen sind stundenlang im bosnischen Parlament festgehalten worden. Demonstranten hatten vor dem Bau für ein neues Sozialversicherungsgesetz protestiert.

Sarajevo/Hamburg - Für rund 800 Menschen war es eine lange Nacht im bosnischen Parlament. Sie wurden über Stunden in dem Gebäude in Sarajevo festgehalten, das Demonstranten umstellt hatten. Auch etwa 300 Ausländer, die an einer Tagung des Europäischen Fonds für Südosteuropa teilgenommen hatten, saßen fest. Unter ihnen waren mehrere Dutzend deutsche Delegierte.

Eine der Festgehaltenen sagte SPIEGEL ONLINE, die Tagungsteilnehmer seien seit dem frühen Donnerstagabend vom Sicherheitsdienst "mit sanfter Gewalt und Gewaltandrohung" am Verlassen des Parlaments gehindert worden. "Angeblich geschieht dies zu unserem eigenen Schutz, da vor dem Gebäude eine Demonstration ist und die Demonstranten angeblich gewaltbereit sind", so der Augenzeuge. Dahinter vermutete er jedoch einen Vorwand, die Protestierenden seien friedlich. "Inzwischen werden wir nicht mehr beschützt, sondern hier festgehalten."

Streit zwischen Serben, Bosniaken und Kroaten

Unzufriedene Bürger hatten am Donnerstag vor dem Parlament demonstriert, um die Politiker zu einer Lösung im Streit um einheitliche Sozialversicherungsnummern zu bewegen. Weil ein bisher geltendes Gesetz im Februar ausgelaufen war, haben Neugeborene, die seither zur Welt gekommen sind, weder eine Sozialversicherungsnummer, noch Reisedokumente bekommen. Besonders die Vertreter der serbischen Minderheit im Parlament verlangen eigene Nummern, aus denen ihre ethnische Zugehörigkeit hervorgeht. Bosniaken und Kroaten lehnen diese Forderung ab.

Am frühen Freitagmorgen konnte der internationale Bosnien-Beauftragte, Valentin Inzko, eine Vereinbarung zwischen Belagerern und Blockierten aushandeln. Danach konnten die Festgesetzten durch einen Kordon der Spezialpolizei das Parlament verlassen. Der politische Streit um die Sozialversicherungsnummern in Bosnien-Herzegowina geht weiter.

syd/dpa

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