Syrien: Assad-Truppen und Rebellen kämpfen um Vororte von Damaskus

Das syrische Regime versucht die Umgebung der Hauptstadt Damaskus wieder unter Kontrolle zu bekommen. Laut Oppositionellen hat die Armee eine Offensive gegen den Vorort Daraja begonnen. Dort hatten Regierungstruppen im August ein Massaker angerichtet.

Rebell in Nordsyrien: Die Kämpfe im Land gehen unvermindert weiter Zur Großansicht
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Rebell in Nordsyrien: Die Kämpfe im Land gehen unvermindert weiter

Berlin/Damaskus - In Syrien verschärfen sich die Kämpfe im Umland der Hauptstadt Damaskus. Nach Angaben von Oppositionellen haben Regierungstruppen eine Offensive gegen Rebellen im Vorort Daraja eingeleitet. Damit wollten Militär und Milizen des Regimes offenbar den nahe gelegenen Militärflughafen Mezze sichern, der direkt an Daraja angrenzt.

Laut Aktivisten vor Ort ist Daraja seit mehr als einem Monat vom Strom- und Telefonnetz abgeschnitten. Rebellen der Freien Syrischen Armee (FSA) hätten jedoch wiederholte Offensiven der Regierungstruppen zurückgedrängt. Im August hatten Truppen des Regimes in Daraja ein Massaker verübt, bei dem nach Angaben von Oppositionellen Hunderte Zivilisten getötet wurden.

Auch aus dem Stadtteil Jarmuk im Süden von Damaskus wurden am Samstag Kämpfe gemeldet. Bis zum Ausbruch der Kämpfe in Syrien war Jarmuk das größte palästinensische Flüchtlingslager des Landes, seither haben in dem Viertel jedoch auch viele Syrer Zuflucht gesucht. Seit Wochen liefern sich seitdem dort Rebellen Gefechte mit Regierungstruppen sowie palästinensischen Milizionären, die auf Seiten des syrischen Diktators Baschar al-Assad stehen.

Hochburg der Islamisten

Die Regierung versucht seit Wochen, die Region um Damaskus wieder vollständig unter ihre Kontrolle zu bringen. Der Südwesten der Hauptstadt ist dabei besonders umkämpft. Bei ihren Angriffen soll die Armee erneut Kampfjets eingesetzt haben. Auch im Norden Syriens, etwa der Umgebung der Millionenstadt Aleppo sowie in Homs und Idlib gingen die Kämpfe unvermindert weiter.

Die Nato rechnet inzwischen mit einem baldigen Sturz des Assad-Regimes, doch was danach kommt weiß niemand: Der Hauptstadtvorort Daraja hat sich seit dem Massaker im August zu einer Hochburg der islamistischen Nusra-Front entwickelt. Diese Bewegung mit engen Verbindungen zu al-Qaida im Irak hat seit Ende vergangenen Jahres hunderte Anschläge begangen, bei denen auch viele Zivilisten ums Leben kamen. Die USA haben die Nusra-Front deshalb kürzlich zu einer Terrororganisation erklärt.

Bei vielen sunnitischen Syrern stieß diese Entscheidung auf Unverständnis. Auf Demonstrationen am Freitag bekundeten Tausende ihre Solidarität mit den militanten Islamisten. Die gut ausgebildeten und disziplinierten Kämpfer gelten bei ihnen als Schutztruppe gegen Angriffe der Regierungsarmee. FSA-Kommandeur Riad al-Asaad lobte die Truppe, in deren Reihen inzwischen zahllose Kämpfer aus dem Ausland aktiv sind, als "mutigstes und bestes Bataillon" im Widerstand gegen das Regime.

syd/AFP/dpa/Reuters

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insgesamt 126 Beiträge
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1. optional
Comander 15.12.2012
mögen die Rebellen dieses mal siegreich aus der Schlacht gehen...
2.
cheshire_cat 15.12.2012
Irgendwie drängt sich mir der Verdacht auf, dass nach dem Sturz - sollte er denn kommen - eine Intervention folgen könnte. Sind ja böse Terroristen am Werk gewesen. Irgendwas stinkt hier ganz gewaltig.
3. assad
martin-z. 15.12.2012
Zitat von sysopDas syrische Regime versucht die Umgebung der Hauptstadt Damaskus wieder unter ihre Kontrolle zu bekommen. Nach Angaben von Oppositionellen startete die Armee eine Offensive gegen den Vorort Daraja. Dort hatten Regierungstruppen im August ein Massaker an Hunderten Zivilisten verübt. In Syrien starten Regierungstruppen einen Angriff auf Daraja - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/in-syrien-starten-regierungstruppen-einen-angriff-auf-daraja-a-873130.html)
hat damaskus fast vollständig wieder unter kontrolle. nachdem der flughafen vor 2 wochen fast völlig geschlossen war, bessert sich nun die sicherheit geradezu stündlich. es gehen nun jeden tag wieder 7 flüge vom internationalen flughafen raus. nach moskau, teheran, kairo, algier, karthum usw.. die staatlichen strukturen sind wieder gefestigt. der umsturzplan des westen ist gescheitert.
4. ...
ein anderer 15.12.2012
Zitat von sysopDas syrische Regime versucht die Umgebung der Hauptstadt Damaskus wieder unter ihre Kontrolle zu bekommen. Nach Angaben von Oppositionellen startete die Armee eine Offensive gegen den Vorort Daraja. Dort hatten Regierungstruppen im August ein Massaker an Hunderten Zivilisten verübt. In Syrien starten Regierungstruppen einen Angriff auf Daraja - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/in-syrien-starten-regierungstruppen-einen-angriff-auf-daraja-a-873130.html)
40'000 Tote gab es bisher in diesem bewaffneten Konflikt. Wieviele Jahre hätte man mit friedlichen Mitteln am Sturz Assads arbeiten können bis diese Opferzahl erreicht worden wäre?
5. Eine illegitime Regierung gehört kritisiert
pjcomment 15.12.2012
Ich muss mich schon etwas über die regelmässigen Kommentare wundern, die nach solchen Artikeln stets die Regierung verteidigen, weil die angeblich terroristische Opposition so viel schlimmer sei. Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun. Eine illegitime Regierung - und dass das hier der Fall ist, ist wohl unbestritten (oder wurde Herr Assad demokratisch gewählt?!) gehört zunächst einmal kritisiert. Und zwar international und lauthals. Sollte danach erneut eine illegitime Regierung an der Macht sein (jene in Kairo ist übrigens auf dem Weg dahin sich illegitim zu machen), dann gehört sie ihrerseits international und lauthals kritisiert. Denn einfach wegschauen dürfen wir nie!
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