Indien-Besuch Singhs Loblied auf Merkel

Großer Staatsmann, Welt-Staatsmann, Freund der Inder: Bei ihrem Besuch in Indien wird Kanzlerin Merkel mit Lob überhäuft, vor allem von Premierminister Singh. Merkel revanchierte sich artig - und pries Nationalheld Gandhi als Vorbild.


Neu-Delhi - Zuhause gibt es den bösen Beck, den aufdringlichen Westerwelle und den nervigen Lafontaine: Wie ein Labsal muss Kanzlerin Angela Merkel dagegen ihr bisheriger Aufenthalt im fernen Indien erscheinen. Gelobt und gepriesen wird Merkel hier, während man sie in Deutschland zuletzt als "Haubentaucherin" bezeichnete.

Für den indischen Premierminister Manmohan Singh ist die Sache klar: Merkel sei eine Führungsfigur der globalisierten Welt. Singh sagte beim feierlichen Empfang Merkels in der indischen Hauptstadt Neu-Delhi: "In dieser einen Welt, die am Horizont steht, ist die wechselseitige Abhängigkeit der Nationen, glaube ich, eine Tatsache." Davon sollten alle Staaten profitieren. "Wir erwarten von Kanzlerin Merkel, eine führende Rolle in der Welt in dieser Angelegenheit zu spielen." Singh betonte: "In Kanzlerin Merkel haben wir einen großen Staatsmann, einen Welt-Staatsmann und einen großen Freund unseres Landes."

Die so Empfangene revanchierte sich nicht weniger euphorisch: An der Gedenkstätte des Anführers der indischen Unabhängigkeitsbewegung, Mahatma Gandhi, legte Merkel einen Kranz nieder - und fand große Worte für Indiens Nationalhelden: "Mit tief empfundener Hochachtung für einen mutigen Staatsmann, einen großen Sohn der indischen Nation und das Vorbild für den gewaltfreien Widerstand", schrieb sie in das Gästebuch an der Gedenkstätte.

Beziehungen zu Indien sollen ausgebaut werden

Merkel will die Beziehungen zu Indien in Politik, Wirtschaft und Forschung ausbauen. "Heute werde ich einen Beitrag hoffentlich dazu leisten, dass unsere strategische Partnerschaft zwischen Indien und Deutschland weiter entwickelt werden kann", sagte sie bei ihrem ersten Besuch in Indien. Merkel wurde von Singh im Präsidentenpalast in Neu-Delhi mit militärischen Ehren empfangen.

Danach weihten Merkel und Singh einen "Wissenschaftszug" ein, der mit einer Ausstellung in mehreren Waggons über Forschung und wissenschaftliche Leistungen aus Deutschland und Indien informiert. Und Singh fand abermals bewundernde Worte für Merkel: "Sie ist nicht nur eine Weltpolitikerin von internationalem Ruf, sondern selber auch eine fähige Wissenschaftlerin." Der Zug soll in den nächsten sieben Monaten durch 56 indische Städte rollen und junge Menschen für eine Ausbildung in der Wissenschaft nicht nur in Indien, sondern auch in Deutschland begeistern.

Singh bekräftigte die Bedeutung der engen Partnerschaft mit Deutschland. "Die Errungenschaften Deutschlands in den Bereichen Wissenschaft, Technologie sowie Forschung und Entwicklung haben es zu einer wirtschaftlichen Weltmacht gemacht", sagte er. Deutsches Organisationstalent, deutsche Präzision und Innovation würden dabei helfen, dass die Bundesrepublik ihre ökonomische Spitzenposition beibehalten werde. Die Kanzlerin betonte: "Indien ist unser Partner in der wissenschaftlichen Entwicklung."

Mit Blick auf die wachsende Weltbevölkerung sagte Merkel: "Wir sind zutiefst überzeugt, dass wir die Wissenschaften brauchen, um zu erreichen, dass all diese Menschen ohne Armut leben können, in Wohlstand leben können, ohne die Erde dabei zu zerstören." Die Bundesregierung habe eine High-Tech-Strategie mit dem Ziel gestartet, in 17 wichtigen Bereichen in der Wissenschaftsentwicklung vorn mit dabei zu sein. "Wir möchten sehr gerne unsere Kompetenz mit Indien teilen und gemeinsam auch forschen."

Merkel verlangt ein faires Klimaschutzabkommen

Zudem rief die Kanzlerin zu einem fairen Klimaschutzabkommen zwischen Industrie-, Entwicklungs- und aufstrebenden Ländern auf. "Wir sollten gemeinsam beweisen, dass wir willens sind, ein faires Abkommen für die Zeit nach 2012 zu schließen", sagte sie beim deutsch-indischen Wirtschaftsforum. 2012 läuft das Kyoto-Klimaschutzabkommen aus.

Merkel sagte, die Frage, wie man zu einem neuen multilateralen Abkommen komme, sei von größter Wichtigkeit. Langfristig sei eine gerechte Entwicklung auf der Welt nur möglich, wenn jedem Menschen das gleiche Recht auf Emissionen zugestanden werde.

Auf ihrer viertägigen Indien-Reise wird die Kanzlerin von einer 140-köpfigen Delegation begleitet, der außer zahlreichen Top-Managern auch Vertreter von Wissenschaftsverbänden und Entwicklungshilfeorganisationen angehören.

flo/dpa



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