Besuch in Indien Von der Leyen will Cyber-Kriegerin werden

In der Heimat kämpft Ursula von der Leyen mit der maroden Ausrüstung ihrer Truppe. Weit weg auf Dienstreise peilt die Ministerin eine neue Mission an: Den Hightech-Krieg gegen Computer-Viren.

Ursula von der Leyen: Für die Inder ist eine Frau an der Spitze der Armee eine Sensation
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Ursula von der Leyen: Für die Inder ist eine Frau an der Spitze der Armee eine Sensation

Von , Neu-Delhi


Wenn Ursula von der Leyen Englisch spricht, dehnt sie die Wörter oft sehr in die Länge. Der Cyber-Krieg, sagt die Verteidigungsministerin, sei "indeed very important". Die Vokale zieht sie bis zum Anschlag, das klingt bedeutsam. Dann liefert sie Zahlen wie aus dem Maschinengewehr: Um Faktor fünf seien die feindlichen Attacken auf indische Computer-Netzwerke gestiegen, schon 2013 habe man den Schaden auf vier Milliarden Dollar geschätzt, Tendenz steigend.

Von der Leyens Fazit ist prägnant: Der Cyber-Krieg sei nicht weniger als die "größte Herausforderung für die internationale Sicherheit der nächsten Dekaden". Also gelte es viel besser und schneller zusammenzuarbeiten. Dann kommen wieder Worte mit langgezogenen Vokalen: Es gelte, die "various opportunities", die Möglichkeiten zur Cyber-Kooperation, zwischen Neu-Delhi und Berlin auszuloten.

Die Szenerie während von der Leyens warnender Rede hat etwas Majestätisches. Es ist Mittag in Neu-Delhi, die Ministerin sitzt auf einem Podium im historischen "Imperial"-Hotel, riesige Glaslüster leuchten den weißen Prunkbau aus. Rund 200 Zuhörer lauschen dem Vortrag. Für die Deutschen ist von der Leyen noch immer die "Neue im Wehrressort", sagt ein Diplomat. Für die Inder ist eine Frau an der Spitze der Armee eine Sensation, Krieg ist hier reine Männersache.

In Indien propagiert von der Leyen einen ultramodernen Krieg

Was die Ministerin in Indien vorführt, ist eine Art Neuorientierung, vielleicht eine Flucht nach vorne. In der Heimat wird sie von Negativmeldungen über marodes Material verfolgt. In Indien aber propagiert sie einen neuen, einen ultramodernen Krieg, den die Bundeswehr kämpfen soll. Der Cyber-War soll ihre neue Mission werden.

Wäre es nach von der Leyen gegangen, hätte sie auf ihrem Drei-Tage-Trip ausschließlich über die virtuelle Welt gesprochen. Kaum war sie am Mittwoch bei Premierminister Narendra Modi, verkündete sie schon News: Sie beide sähen den Krieg mit Viren als massive Bedrohung, er habe sogar von Cyber-Terrorismus gesprochen. Deshalb habe man vereinbart, "sehr viel enger zusammenzuarbeiten", um den neuen Krieg zu gewinnen.

Bei Ankündigungen sollte es bei ihrem allerersten Besuch in Indien nicht bleiben. Die Ministerin lud gleich eine indische Experten-Delegation nach Deutschland ein, die an einem Workshop für das neue Weißbuch, eine Art Bibel der deutschen Sicherheitspolitik, mitarbeiten soll. Geht es nach von der Leyen, wird die Cyber-Gefahr in dem neuen Papier breiten Raum einnehmen. Gleichzeitig will sie die Bundeswehr mit indischer Expertise besser für Computer-Angriffe rüsten, ein Austauschprogramm ist angedacht.

Suche nach Experten für Cyber-Krieg in allen Abteilungen

Spätestens in Indien beweist von der Leyen, dass das Thema Internet ihr neues Steckenpferd wird. Seit Monaten plant ihr Haus eine Art Kompetenzteam für den elektronischen Krieg. Dazu sucht Grundbert Scherf, der mit von der Leyens Staatssekretärin Katrin Suder von McKinsey ins Wehrressort wechselte, Experten aus allen Abteilungen zusammen. Am liebsten aber würde von der Leyen das neue Team vom trägen Militärapparat fernhalten, es soll ihr ganz eigenes Thema sein.

Für die Ministerin bietet sich eine Chance: International findet derzeit kein Gipfeltreffen mehr ohne das Thema "elektronischer Krieg" auf der Tagesordnung statt. Wer da mitreden kann, ja gar Insider-Kenntnisse hat, steht gut da. Eine moderne Anti-Cyber-Abteilung bei der Bundeswehr würde also auch auf von der Leyen abfärben, da ist mehr drin als bei der Panzer-Modernisierung oder der Kasernen-Renovierung.

Formal hingegen gibt es noch Stolpersteine: Zum einen ist die Bundeswehr gar nicht zuständig, die Federführung liegt im Innenressort. Zudem fehlt für eine Netz-Truppe die Kompetenz. Zwar experimentiert das Kommando Strategische Aufklärung (KSA) zum Thema Cyber-Krieg, dort allerdings beschäftigen sich wenige Nerds eher theoretisch mit der komplizierten Materie.

Selbst wenn es gelänge, die am Markt gefragte Expertise für die Bundeswehr zu gewinnen, hätte eine Cyber-Truppe ein weiteres Problem: Für eine echte Abwehr, die nur durch aktive Attacken auf feindliche Rechner funktionieren kann, gibt es bisher kein Mandat. Derzeit ist von der Leyens Apparat einzig befugt, Attacken auf das eigene Netz aufzuklären und abzuschmettern, mehr als ein solcher Spionage- und Sabotageschutz ist nicht zulässig.

Auf von der Leyen warten folglich noch ein paar Aufgaben auf dem Weg zur neuen Mission als Cyber-Kriegerin.

insgesamt 31 Beiträge
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ornitologe 27.05.2015
1. UvdL
kann einem schon Angst machen. Die Inder, die gerade noch vor Putin auf dem Roten Platz paradiert sind, sollen jetzt irgendetwas zur Cyber-Sicherheit der BRD beitragen. An Undurchsichtigkeit wird UvdL nur noch von der Kanzlerin übertroffen...
Leser161 27.05.2015
2. In 25 Jahren
Verteidigungsministerperson XY musste leider einräumen das die zur eingesetzten Kampftrojaner völlig marode sind und ab und zu schonmal die Geräte von Privatpersonen demolieren. Da könne aber keiner was für da das ja Programme seien. Ausserdem braucht er jetzt ganz viele neue Cyberviren. Für viel Geld. Glücklicherweise kennt er da wen.
Björn Borg 27.05.2015
3. Das Handeln dieser Bundesregierung ist beschämend
Nehmt der Frau doch endlich das Jungenspielzeug weg und gebt ihr das rosa Einhorn zurück! Die Bundesregierung ist durchsetzt mit unfähigen Blendern wie Frau von der Leyen und Herr De Maiziere , die politisches Handeln vortäuschen, um ihre eigene Relevanz zu behaupten.
coyote38 27.05.2015
4. Methode von der Leyen
Man setze sich auf irgendein beliebiges Thema drauf, was sich medial ausschlachten lässt. Dann überspiele man die Tatsache, dass man von der Materie nicht den Schimmer einer Ahnung hat mit aufgesetzter hektischer Betriebsamkeit und markigen Worten. Anschließend richte man pseudomäßig irgendein paar zuständige Stellen mit vollklingenden Namen aber ohne Kompetenzen, ohne Entscheidungsgewalt und ohne finanzielle Mittel ein. Dann reite man öffentlich bis zum Erbrechen auf dem Thema herum, um den Eindruck zu erwecken, man bringe die Dinge voran. Und bevor man sich die Frage nach substanziellen Ergebnissen stellen lassen muss, finde man ein neues beliebiges Thema, auf das man sich draufsetzen kann und das sich medial ausschlachten lässt.
silverhair 27.05.2015
5. Die Zeiten ändern sich
Zitat von ornitologekann einem schon Angst machen. Die Inder, die gerade noch vor Putin auf dem Roten Platz paradiert sind, sollen jetzt irgendetwas zur Cyber-Sicherheit der BRD beitragen. An Undurchsichtigkeit wird UvdL nur noch von der Kanzlerin übertroffen...
Was hat paradieren mit all dem zu tun? Das ist Show, genau wie die Reden der dt. Kanzlerin vor dem Bundestag die sie wie die engl.. Queen vom Blatt abliest was jemand anderer geschrieben hat! Und Historisch hat eben Indien genau wie China kein wirklich freundliches Interesse an Europa, dafür haben sich die Kolonialstaaten zu oft einzeln oder gemeinsam bemüht diese Länder auszurauben, mit Krieg zu überziehen oder deren Bevölkerung umzubringen! Und jedes dieser Länder hat Volkswirtschaften die Europa UND USA gemeinsam in den Schatten stellen , alleine von der Masse ihrer Menschen her, und damit des möglichen Produktiven oder Organisatiorischen Umfanges! Technologie ,die basiert auf Naturgesetzen, prinziell kein Problem diese letztlich schnell und effektive auf den gleichen oder einen höheren Stand zu ziehn, wenn man genügend Hände und Köpfe hat! Putin macht da das richtige, er orientiert sich an der Zukunft der Welt, Europa an längst sterbenden Strukturen die nur auf Raub basierten.. Also kriegen alle ihre Show, nur Russland,Indien;China sind sich schlichtweg da einfach näher, und haben sich weniger vorzuwerfen als man Europa vorwerfen kann!
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