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Indien: Tote bei Terroranschlag auf "Deutsche Bäckerei"

Bombenanschlag auf das beliebte Touristencafé "German Bakery" im ehemaligen Poona: Bei dem Attentat in der westindischen Stadt Pune wurden mindestens neun Menschen getötet und mehr als 30 verletzt. Unter den Verletzten ist auch ein Deutscher.

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Beliebtes Touristencafé: "Die 'German Bakery' gibt es nicht mehr"

Neu-Delhi - Bei einem Anschlag auf das Szene-Café "German Bakery" (Deutsche Bäckerei) in der südindischen Aussteiger-Hochburg Pune sind nach jüngsten Angaben neun Menschen ums Leben gekommen. Unter den etwa 60 Verletzten ist auch ein Deutscher. Das gab Innen- Staatssekretär Gopal K. Pillai am Sonntag bekannt. Neben dem Bundesbürger seien am Vortag mehrere andere Ausländer verletzt worden, darunter vier Iraner, zwei Nepalesen und ein Taiwanese.

Die indischen Behörden gehen von einem Bombenanschlag aus, sagte Innenminister Pillai. Zu der Tat bekannte sich zunächst niemand. Eine Sprecherin des Auswärtigen Amts in Berlin sagte, das Generalkonsulat in Mumbai und die Botschaft in Neu-Delhi stünden in Kontakt mit den Behörden und bemühten sich um Aufklärung.

Der Sprengsatz war laut Innenminister Pillai offenbar in einem Paket versteckt, das in der Gaststätte "German Bakery" abgelegt worden war. Ein Kellner sei auf das Paket aufmerksam geworden und habe anscheinend versucht, es zu öffnen. Dabei sei es zur Explosion gekommen. Augenzeugen zufolge riss der Sprengsatz ein riesiges Loch in die Außenwand des Gebäudes.

"Wir haben viele Leute in Krankenwagen gebracht", sagte ein Ausländer einem lokalen Fernsehsender. "Die German Bakery gibt es nicht mehr."

Die Wucht der Explosion ließ Fenster zersplittern und hinterließ einen riesigen Krater im Innern des Gebäudes. Außer der Gaststätte wurden auch mehrere umliegende Geschäfte schwer beschädigt. Die indische Nachrichtenagentur PTI berichtete, der Tatort sei von Blutlachen und abgetrennten Gliedmaßen übersät.

Deutsche Bäckerei liegt neben einem beliebten Ashram

Pune liegt rund hundert Kilometer südöstlich von Mumbai im Bundesstaat Maharashtra. Die "German Bakery" gibt es seit 22 Jahren in der Millionenstadt. Sie befindet sich unmittelbar neben dem Ashram Osho, dem früheren Hauptquartier des Sektenführers Bhagwan Shree Rajneesh. Das Ashram wird von vielen Ausländern besucht.

Seit den 1970er Jahren war die Bhagwan-Sekte in Pune Anlaufpunkt für Aussteiger aus dem Westen, speziell aus der deutschen Hippie-Szene. In unmittelbarer Nähe befindet sich auch ein jüdisches Gebetshaus.

Im Ashram Osho hatte sich in den vergangenen Jahren nach Angaben des indischen Innenministeriums mehrfach auch der US-Amerikaner David Headley, ein mutmaßliches Mitglied der islamistischen Terrorgruppe LET aufgehalten. Die in Pakistan verwurzelte LET ( Lashkar-i-Toiba) wird von Indien für die Anschläge vom November 2008 in Mumbai verantwortlich gemacht.

Der Anschlag ereignete sich nur einen Tag nachdem Indien und Pakistan die Wiederaufnahme ihrer Friedensgespräche am 25. Februar beschlossen hatten. Die indische Regierung hatte den mühsamen Prozess nach den Anschlägen in Mumbai im November 2008 abgebrochen. Damals hatten sich Extremisten drei Tage lang in dem ehemaligen Bombay verschanzt und 166 Menschen getötet. Die indische Regierung vermutete, dass die Spur der Attentäter nach Pakistan führte.

In den vergangenen Monaten hatten die indischen Behörden im ganzen Land ihre Sicherheitsvorkehrungen abermals verschärft, weil es neue Anschlagsdrohungen gegeben haben soll. Die Bevölkerung von Pune wurde davor gewarnt, sich herrenlosen Gepäckstücken oder anderen verdächtigen Gegenständen zu nähern.

lgr/dpa/AP/Reuters/AFP

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