Reaktion auf Vergewaltigungsfall: Indien veröffentlicht persönliche Daten von Sexualstraftätern

In Indien sollen die Namen und Adressen von Sexualstraftätern künftig auf Webseiten der Polizei einzusehen sein. Auch Porträtfotos sollen veröffentlicht werden. Damit reagieren die Behörden auf die Wut in der Bevölkerung nach der brutalen Vergewaltigung einer Studentin durch Betrunkene.

Nach Vergewaltigung: Die Wut der Inder Fotos
REUTERS

Neu-Delhi - Ihr Zustand ist nach Angaben von Ärzten weiter "extrem kritisch": Die von mehreren Männern brutal vergewaltigte Inderin, die derzeit im Mount Elisabeth Krankenhaus in Singapur betreut wird, schwebt weiter in Lebensgefahr. "Die Patientin kämpft derzeit gegen alle Widrigkeiten an, sie kämpft um ihr Überleben", sagte Kelvin Loh, Chef des Krankenhauses, am Freitag. Es gebe Anzeichen schweren Organversagens.

Die indische Regierung will nach Bekanntwerden des Falls und anschließenden Demonstrationen offenbar rasch Handlungsfähigkeit beweisen - und greift zu einer umstrittenen Methode: Künftig sollen Namen, Adressen und Porträtfotos von verurteilten Sexualstraftätern auf Internetseiten der Polizei veröffentlicht werden. R. P. N. Singh, Vertreter des Innenministeriums, kündigte am Freitag diesen Schritt an. Man werde in der Stadt Neu-Delhi mit dieser Datenbank beginnen.

Kritiker fürchten, dass verurteilte Sexualstraftäter durch diese Maßnahme künftig gefährdet sein und Opfer von Angriffen werden könnten. Tatsächlich bestehe ein solches Risiko, sagte Ranjana Kumari, Direktor am Centre for Social Research in Neu-Delhi, laut einem Bericht des britischen "Guardian". Derzeit müssten ausschließlich Vergewaltigungsopfer soziale Ausgrenzung befürchten, sagte Kumari. So hätten sie etwa keine Chance mehr darauf, zu heiraten. Die Veröffentlichung von Daten der Straftäter würde dafür sorgen, dass diese keinen Job finden würden und vom sozialen Leben abgeschnitten seien. "Das ist ein starkes Abschreckungsmittel", sagte Kumari. Noch an diesem Freitag wollen Regierungs- und Behördenvertreter darüber beraten, wie die Datenbank umgesetzt werden soll.

Die junge Frau war vor anderthalb Wochen von einer Gruppe Männer in einem fahrenden Bus vergewaltigt und mit einer Eisenstange geschlagen worden. Sie liegt seit ihrem Transport nach Singapur auf der Intensivstation. Ein Ärzteteam hatte eine schwere Hirnverletzung sowie Infektionen ihrer Lungen und innerer Organe festgestellt. In Indien wurde sie nach Angaben von Ärzten in Singapur bereits dreimal im Unterleib operiert. Sie soll zudem einen Herzstillstand gehabt haben.

Nach der Vergewaltigung in Neu-Delhi waren sechs Männer festgenommen worden. In der indischen Hauptstadt gab es nach Bekanntwerden des Vorfalls immer wieder Demonstrationen für mehr Sicherheit. Ein Polizist kam dabei ums Leben. Am Freitag blieb es zunächst ruhig. Sollte sich der Zustand der jungen Frau weiter verschlechtern, werden jedoch weitere Proteste befürchtet.

Premierminister Manmohan Singh und die Chefin der regierenden Kongresspartei, Sonia Gandhi, wünschten dem Opfer schnelle Genesung. "Wir hoffen, dass sie schnell zu uns zurückkommt", sagte Gandhi am Freitag. Wegen des schlimmen Vorfalls habe ihre Partei ihren Gründungstag nicht wie gewohnt gefeiert.

Die Regierung versprach, die Täter so schnell wie möglich zur Rechenschaft zu ziehen. Erwartet wird, dass der Prozess schon nächste Woche beginnen wird. Das begrüßen viele Demonstranten zwar, doch machten sie auf all jene Fälle aufmerksam, die oft jahrelang verschleppt werden. 100.000 Vergewaltigungsfälle sollen im ganzen Land unerledigt sein. "Rasche und zuverlässige Strafen für jedes Verbrechen gegen Frauen", stand auf ihren Plakaten. Sie wollen, dass Vergewaltiger binnen längstens 100 Tagen ihre Strafe erhalten. Viele forderten auch die Todesstrafe für Sexualverbrechen.

hen/dpa

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Fläche: 3.166.414 km²

Bevölkerung: 1213,370 Mio.

Hauptstadt: Neu-Delhi

Staatsoberhaupt:
Pranab Mukherjee

Regierungschef: Manmohan Singh

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