Wahlsieger Modi Was Indiens starker Mann jetzt anpacken muss

Was für ein Triumph: Der einstige Teeverkäufer Narendra Modi hat mit seinen Hindu-Nationalisten die absolute Mehrheit geholt. Die Erwartungen an Indiens neuen Premier sind riesig - fünf konkrete Vorhaben hat er angekündigt.

Von Ulrike Putz, Neu-Delhi

REUTERS

Große Gesten beherrscht Narendra Modi: Als sich am Freitagmittag sein triumphaler Sieg bei den Wahlen in Indien abzeichnet, stellt er sich nicht auf eine Bühne, um sich von den Massen feiern zu lassen. Stattdessen fährt der künftige Ministerpräsident zu dem bescheidenen Haus in Gandhinagar, in dem seine Mutter lebt. Die alte Frau sitzt auf der Veranda und ihr 63 Jahre alte Sohn kniet nieder, küsst ihr die Füße und erbittet ihren Segen. Millionen indischer Zuschauer sehen das live im Fernsehen: Narendra Modi, der Mann, der lebt, was er predigt - hinduistische Werte, Demut, Bescheidenheit.

Auch im Wahlkampf schon hat Modis Bharatiya Janata Partei (BJP) auf Personenkult gesetzt und dies mit Erfolg: Die Hindu-Nationalisten hatten nach der Auszählung von 543 Wahlkreisen bereits 282 Parlamentssitze, für eine absolute Mehrheit reichen 272 Mandate.

Indische Medien sprechen in Anlehnung an Modis Spitznamen "NaMo" von einem "TsuNaMo", der über Indien hinweggefegt sei. Die Kongresspartei erhält nur 46 Sitze, eine vernichtende Niederlage. Parteisprecher sprechen von einer "Katastrophe" und beklagen das "Versagen" der Gandhi-Familie, die den Kongress seit Jahrzehnten dominiert und die den Indern einst eine Ersatz-Königsfamilie war. Die Wähler haben offenbar genug von der Vetternwirtschaft und den Korruptionsskandalen der Gandhis.

Erstmals seit 1984 wird Indien wieder eine Regierung haben, die im Parlament nicht auf die Stimmen von Verbündeten angewiesen ist. Nun muss der künftige Regierungschef umsetzen, was er im Wahlkampf versprochen hat, und das ist ziemlich viel:

  • Millionen neuer Jobs,
  • bessere Infrastruktur,
  • ein Ende der Korruption,
  • effizientere Bürokratie,
  • ausländisches Investorengeld.

"Modi kann nun nicht darauf verweisen, dass ein Koalitionspartner ihn ausbremst", sagt Mohan Guruswamy vom Zentrum für Politische Alternativen in Neu-Delhi SPIEGEL ONLINE.

Modi braucht Verbündete

Es ist fraglich, ob Modi das angekündigte Wirtschaftswunder schaffen wird. Indiens Wirtschaft kämpft gegen eine hohe Inflation und wächst so langsam wie seit den Achtzigerjahren nicht mehr. Ausländische Anleger jedoch scheinen auf den Modi-Effekt zu vertrauen: In Erwartung seines Sieges haben Investoren bereits im vergangenen halben Jahr 16 Milliarden Dollar in indische Aktien und Anleihen angelegt.

Wichtiger sei jedoch, sagt Guruswamy, ob Modi den sozialen Frieden im Land werde wahren können. "Entscheidend wird sein, ob er die von dem guten Ergebnis angestachelten Hindu-Hardliner in den eigenen Reihen zügelt." Im Wahlkampf haben Vertreter der BJP immer wieder gegen die muslimische Minderheit gehetzt. Modi, der als junger Teeverkäufer einer hindu-nationalistische Organisation anfing, hat dazu meist geschwiegen.

Hohe Erwartungen an Modi haben auch die in- und ausländischen Investoren. Sie hatten Modis Wahlkampf finanziert, in dem er 300.000 Kilometer per Privatjet und Hubschrauber zurückgelegte, um zu 437 Wahlkampfauftritten zu gelangen. "Modi schuldet vielen Leuten viele Gefallen", sagt Vidhu Verma, Professorin für Politikwissenschaften an der Jawaharlal Nehru Universität in Neu-Delhi zu SPIEGEL ONLINE. Und viele Analysten sind skeptisch, ob der als persönlich integer eingeschätzte Modi überhaupt ohne Korruption regieren könne: "Saubere Arbeit ist in Indien unmöglich", sagt Guruswamy.

Wofür Modi außenpolitisch steht, ist unklar. Die ersten Auftritte des künftigen Premiers auf der internationalen Bühne dürften nicht einfach werden: In Washington zum Beispiel galt Modi lange als Persona non grata. 2005 verweigertem ihm die USA wegen seiner Rolle bei antiislamischen Ausschreitungen im damals von ihm regierten Staat Gujarat ein Einreisevisum. Das indisch-amerikanische Verhältnis ist seitdem belastet, was Modi in die Nähe Russlands rücken könnte. "Modi wird außenpolitisch eine harte Linie fahren wollen. Dafür braucht er Verbündete", sagt Guruswamy.



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josthenner 16.05.2014
1. Wirtschaftswunder?
Modi hat kein Wirtschaftwunder versprochen. Doch es koennte ihm gelingen, dass Indien in Kuerze wieder an die hohen Wachstumsraten vor vier Jahren anknuepft. Er selbst ist integer und auf Effizienz getrimmt. Die duemmlichen Bemerkungen zu seinen Fluegen im Wahlkampf sind mal wieder so typisch deutsch. Glaubt Ihre Schreiberin tatsaechlich, dass die BJP sich das finanzieren lassen muss? Nach den bereits vorhandenen Stellungnahmen zu diesem Thema ist das wirklich boesartig. Ebenso wie der staendig wiederholte Unsinn mit dem US-Visum. Die Amerikaner warden Modi die Fuesse kuessen, wenn er sie unterstuetzt.
weserbaer 16.05.2014
2. Korruption
Korruption ist keine Himmelsmacht und sie fällt auch nicht vom Himmel herab. Menschenwerk aber verführt nur gar zu oft zu Gefühlen wie Anhänglichkeit oder falsch verstandener "Treue". Das gilt nicht nur für Religionen und Ideologieen nein auch für jene überkonfessionelle interideologische Erfindung namen s Korruption. Da gilt es mit Fingerspitzengefühl und viel Geduld die Stellen zu finden, wo angesetzt werden muss, ohne das Ganze zu gefährden. Wenn man bedenkt wie schwer sich deutsche z.B. Poltiker von ihrer heißgeliebten Korruption losreissen, kann man sich sicher vorstellen, wie schwer es einem immer noch dem Orient verhafteten Land fallen muss. Der Korruptionär hat das Sagen und will es auch behalten. Das aber ändert kein noch so demokratischer Premier so ohne weiteres. Er muss nur selbst aufpassen, nicht auch in dem Sumpf der Korruption abzusaufen. Schnelle Lösungen sind nicht in Sicht. Was die effiziente Bürokratie betrifft, ist hier das Werk der Briten so zu korrigieren, dass auch Indien selbst damit klarkommt, ohne sich nach Altväter Art britisch zu verzetteln.
artusdanielhoerfeld 16.05.2014
3. Soz
"Das indisch-amerikanische Verhältnis ist seitdem belastet, was Modi in die Nähe Russlands rücken könnte." Dann ist das Dreigestirn des neuen eurasischen Machtblocks ja vereint: http://de.wikipedia.org/wiki/Shanghaier_Organisation_für_Zusammenarbeit
founder 16.05.2014
4. Indien wird verkauft
Eine uralte Situation, so alt wie die Menschheit Ackerbau betreibbt. Armer Bauer muss bei reichen Großgrundbesitzer einen Kredit aufnehmen. Armer Bauer kann den Kredit nicht zurück zahlen. Doch das passiert jetzt in einen völlig neuen Maßstab. Das Handelsbilanzdefizit von Indien ist größer als der Wert der Ölimporte. Jeder importierte Liter Öl ist mit Schulden machen bezahlt. Wie soll man da je wieder raus kommen? Er wird scheitern, wie all die Regierungen der anderen Länder, wo das Handelsbilanzdefizit größer als der Wert der Ölimporte ist. USA, Portugal, Griechenland, Türkei, Indien, Kenya, Ethopien und viele andere Länder.
butalive76 16.05.2014
5. Schlächter und Vergewaltigungsrelativierer
Modi, der Gruppenvergewaltigungen mit tödlichem Ausgang, dermaßen relativiert ("Jungs, die Fehler machen" darf keinenfalls Präsident werden. Außerdem ist er für Massaker in seinem Bundesstaat (mit-)verantwortlich.
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