Kaschmir-Konflikt Indien wirft Pakistan Tötung von Soldaten vor

Neue Spannungen an der indisch-pakistanischen Grenze: Indien hat sein Nachbarland für den Tod zweier Soldaten im Grenzgebiet verantwortlich gemacht. Neu-Delhi spricht von einer "schweren Provokation" - Pakistan erhebt seinerseits Anschuldigungen.

Indische Truppen an der Grenze zu Pakistan (Archivbild): Zwei Soldaten getötet
AP

Indische Truppen an der Grenze zu Pakistan (Archivbild): Zwei Soldaten getötet


Neu-Delhi/Islamabad - Indien hat den Nachbarn Pakistan für den Tod von zwei Soldaten in der umstrittenen Himalaja-Region Kaschmir verantwortlich gemacht. Ein Sprecher der indischen Armee warf den Truppen des Nachbarn am Dienstag eine "schwere Provokation" vor. Bei dem Vorfall habe es sich um eine "bedeutende Eskalation bei den Verletzungen des Waffenstillstandes und bei den Infiltrationsversuchen mit Unterstützung der pakistanischen Armee" gehandelt.

Diese erklärte umgehend, man weise den Vorwurf eines unprovozierten Angriffs zurück. Früheren indischen Angaben zufolge befanden sich die Soldaten auf Patrouille nahe Mendhar auf indisch kontrolliertem Gebiet, als sie beschossen wurden. Der indische General S.L. Narasimhan sagte dem TV-Sender Times Now, die Leiche eines der getöteten Soldaten sei verstümmelt aufgefunden worden. Einzelheiten sind bislang nicht bekannt.

Am Wochenende waren nach Monaten der Annäherung wieder Schüsse in Kaschmir gefallen. Pakistan warf Indien vor, einen Stützpunkt angegriffen und einen Soldaten getötet zu haben. Indien bestreitet dies und erklärte, das pakistanische Militär habe mehr als fünf Stunden lang indische Stellungen beschossen. Nach Angaben der indischen Armee gab es im vergangenen Jahr in Kaschmir 75 Vorfälle an der sogenannten "Line of Control", der Demarkationslinie zwischen dem pakistanischen und dem indischen Teil von Kaschmir. Dabei seien acht indische Soldaten getötet worden.

Die mehrheitlich von Muslimen bewohnte Himalaja-Region Kaschmir wird sowohl von Pakistan als auch von Indien vollständig beansprucht. Seit ihrer Unabhängigkeit von Großbritannien1947 führten die beiden Nachbarstaaten bereits drei Kriege um das Gebiet. Nach den Anschlägen von Mumbai im November 2008 mit 166 Todesopfern wurden die Friedensgespräche zwischen Islamabad und Neu-Delhi auf Eis gelegt, erst im Februar vergangenen Jahres wurden sie wieder aufgenommen.

2003 beendete ein Waffenstillstand die Gefechte in der Region. Der jahrelange Kaschmir-Konflikt ist besonders gefährlich, weil beide Länder über Atomwaffen verfügen.

fab/dapd/Reuters



© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.