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Indiens Maoisten Terror im Namen der Entrechteten

Maoisten in Indien: "Es wird ein langer blutiger Kampf"
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REUTERS

2. Teil: Kampf um heilige Hügel und Rohstoffvorkommen

Die indische Schriftstellerin und Aktivistin Arundhati Roy sieht diese Aussage als Beleg dafür, dass es der Regierung nur um die Ausbeutung von Bodenschätzen geht - und nicht um die Verbesserung der Lebensbedingungen der Einheimischen. Die Rebellen würden als Terroristen dämonisiert, um einen Krieg gegen sie zu rechtfertigen.

Als Beispiel nennt Roy den Stamm der Dongria Kondh, Ureinwohner Indiens im Unionsstaat Orissa. Die sollen Roy zufolge ihrer Heimat beraubt werden, weil der indisch-britische Rohstoffkonzern Vedanta in den bewaldeten Bergen Bauxit abbauen will. In dieser Region wird ein Vorkommen dieses Aluminiumerzes im Wert von Milliarden Dollar vermutet. Doch die Niyamgiri-Hügel sind den hinduistischen Dongria Kondh heilig. "Wenn Stämme also zu den Waffen greifen, tun sie das, weil die Regierung ihnen nichts anderes zuteil werden lässt als Gewalt und Missachtung", sagt Roy. "Und nun will sie ihnen auch noch das Letzte nehmen, was sie haben: ihr Land."

Ein Sprecher von Vedanta in London verweist dagegen darauf, dass es sich bei der Region um "eine der ärmsten Gegenden Indiens" handele. "Es fehlt dort nahezu gänzlich eine wirtschaftliche Infrastruktur, es gibt keine Bildungs- und Arbeitsmöglichkeiten. Außerdem ist die Sterblichkeitsrate bei Kindern extrem hoch", sagt er SPIEGEL ONLINE. Das Engagement vom Vedanta sowie der Regierung von Orissa werde der Region "Wohlstand und Entwicklung" bringen.

Hass auf die Regierung: "Die reaktionären, blutsaugenden Vampire fortjagen"

Auch andere indische und internationale Konzerne wollen in den von Ureinwohnern bevölkerten Gebieten Rohstoffe abbauen und versprechen den Menschen bessere Lebensbedingungen - allerdings müssen die Einheimischen zum Teil umgesiedelt werden. In den vergangenen 50 Jahren haben mehr als zehn Millionen Ureinwohner ihre Heimat verloren, in ihren Dörfern entstanden Staudämme, Bergwerke und Industriekomplexe.

In dem Gebiet von Westbengalen über Jharkhand, Orissa, Chhattisgarh, Andhra Pradesh bis Maharashtra, wegen der starken Maoisten-Aktivität auch "Roter Gürtel" genannt, sind die Armen deshalb inzwischen überzeugt, dass sie nur noch mit Gewalt ihre Interessen durchsetzen und ihre Heimat verteidigen können.

Seit Jahren nehmen sich hier bei Grundbesitzern verschuldete Bauern das Leben, weil sie ihre Familien nicht mehr ernähren können, junge Männer kehren verzweifelt aus den Städten zurück, wo sie vergeblich nach einem besseren Leben gesucht haben. Viele dieser Menschen sehen in den Naxaliten die Rächer der Armen. Sie lassen sich auch nicht von Berichten in indischen Zeitungen abschrecken, wonach die Maoisten in Wirklichkeit nur ein totalitäres Regime anstreben und in jenen Dörfern, die sie bereits beherrschen, angebliche Verräter in Schauprozessen verurteilen und öffentlich hinrichten.

Der Hass der Naxaliten auf die Regierung ist so groß, dass deren Anführer Mupalla Laxman Rao, der in einem Dschungelversteck lebt, Premierminister Singh und Innenminister Chidambaram in einem Interview mit dem Wochenmagazin "Open" kürzlich seinerseits als "Terroristen" bezeichnete. "Die Menschen werden unter unserer Führung wie ein Tornado über das Land fegen und die reaktionären, blutsaugenden Vampire, die derzeit unser Land regieren, fortjagen." Den "Haien in der Regierung" gehe es nur darum, die "Menschen auszubeuten und die Ureinwohner aus ihren Stammesgebieten zu vertreiben".

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insgesamt 96 Beiträge
Compact007 15.04.2009
in Indien passiert viel, hat viel Potential, eine sehr große Wirtschaftsmacht zu werden. Die jungen Leute sind nicht meist nicht mehr so verbohrt wie die ältere Generation, was das Kastensystem angeht. Sicherlich, eine Hochzeit [...]
in Indien passiert viel, hat viel Potential, eine sehr große Wirtschaftsmacht zu werden. Die jungen Leute sind nicht meist nicht mehr so verbohrt wie die ältere Generation, was das Kastensystem angeht. Sicherlich, eine Hochzeit eines Paares aus grundverschiedenen Kasten wird immer noch nicht gerne gesehen, aber zumindest macht man Geschäfte untereinander und arbeitet zusammen. Die Gefahr sehe ich in der Korruption und daß die Religionen nun angefangen haben, sich untereinander zu bekriegen. War früher undenkbar, da haben die Hindus, Moslems, Christen etc friedlich zusammengelebt.Das wird der Knackpunkt sein, den Indien bewältigen muß. Und natürlich muß dringend mit langfristigem Umweltschutz angefangen werden, sonst kann man den ganzen Quark mit asiatischer Großmacht vergessen (China wird auch noch an seinem Dreck ersticken)
rkinfo 15.04.2009
Nicht vergessen - Indien zählt zu den Ländern mit den meisten hungernden Kinder der Erde (ok, angeblich liegt dies am Biosprit in NRW, vielleicht aber auch anders). Umweltschutz, aber auch gezielt geförderter Biosprit wird in [...]
Zitat von Compact007in Indien passiert viel, hat viel Potential, eine sehr große Wirtschaftsmacht zu werden. Die jungen Leute sind nicht meist nicht mehr so verbohrt wie die ältere Generation, was das Kastensystem angeht. Sicherlich, eine Hochzeit eines Paares aus grundverschiedenen Kasten wird immer noch nicht gerne gesehen, aber zumindest macht man Geschäfte untereinander und arbeitet zusammen. Die Gefahr sehe ich in der Korruption und daß die Religionen nun angefangen haben, sich untereinander zu bekriegen. Und natürlich muß dringend mit langfristigem Umweltschutz angefangen werden, sonst kann man den ganzen Quark mit asiatischer Großmacht vergessen (China wird auch noch an seinem Dreck ersticken)
Nicht vergessen - Indien zählt zu den Ländern mit den meisten hungernden Kinder der Erde (ok, angeblich liegt dies am Biosprit in NRW, vielleicht aber auch anders). Umweltschutz, aber auch gezielt geförderter Biosprit wird in einem Land der Kasten und der Korruption noch auf Jahrzehnte problematisch sein. Aber Indien wird bald in Wassermangelsituationen geraten, was schwere erste innenpolitische Destabilisierungen bringen wird. Und der nächste Ölpreisschock wird Indien ebenfalls brutal treffen. ABER, früher war die Lage schlimmer für das Land.
mavoe 15.04.2009
80% der Inder sind Hindus. Diese Weltsicht kann man irgendwie vergleichen mit der unserer "alten Griechen". 30% der indischen Bevölkerung sind "Nebensache", Armut ohne Ende, und Subsistenzwirtschaft halten die [...]
80% der Inder sind Hindus. Diese Weltsicht kann man irgendwie vergleichen mit der unserer "alten Griechen". 30% der indischen Bevölkerung sind "Nebensache", Armut ohne Ende, und Subsistenzwirtschaft halten die vielleicht noch am Leben, oder auch nicht, oder Bettlertum. Sikhs oder Muslime oder Parsen sind da, nach meinem Eindruck, "besser" dran. Ich bitte Sie, um Shivas willen jetzt hier keine Grundsatzdiskussion über Indien zu eröffnen. Was Gandhi versucht hat kann kein Mensch auf der Welt nochmal versuchen, aussichtslos! Indien muss man kulturmäßig versuchen zu verstehen, aber nicht politisch. Ich war mal 1 Jahr in Indien...
Michael Giertz 15.04.2009
80% der Inder gehören zu den Armen, die mit ungefähr 2 Dollar am Tag auskommen müssen, d.h. dort vereint sich das volkswirtschaftliche Vermögen zum großen Teil auf wenige zehntausend Köpfe in der Oberschicht, gefolgt von einer [...]
Zitat von sysopIndien wählt von Mitte April bis Mitte Mai eine neue Regierung - wohin steuert die südasiatische Wirtschaftsmacht?
80% der Inder gehören zu den Armen, die mit ungefähr 2 Dollar am Tag auskommen müssen, d.h. dort vereint sich das volkswirtschaftliche Vermögen zum großen Teil auf wenige zehntausend Köpfe in der Oberschicht, gefolgt von einer nicht gerade breiten Mittelschicht. Es ist, selbst wenn der Wille in der Regierung da wäre, die Armut zu bekämpfen, schlichtweg unmöglich, den Armen dieselbe Lebensqualität zu gewähren, wie etwa der unteren Mittelschicht: dazu fehlt es an allem: Infratstruktur, Nahrung, Wohnraum. Im Prinzip ist Indien einfach zu stark bevölkert. Hinzu kommt auch das Kastenwesen, welches dazu auffordert, regelrecht verpflichtet, dass die Leute denjenigen Berufen nachgehen, die der Kaste entsprechen. Die Armut ist eben auch Ergebnis des Kastenwesens, nicht nur des mangelnden Willens der Oberen, etwas daran zu ändern. Kurzum: Indien, aber genau wie China, wird noch eine Weile boomen, und zwar bis zur nächsten Krise, etwa wenn Öl knapp wird. Doch beide Länder haben das Problem der Überbevölkerung und der schlichten Unmöglichkeit, dass der Wohlstand niemals alle Bevölkerungsschichten erreichen kann, einfach weil die Wirtschaftsstärke beider Länder allein auf dem unerschöpflichen Reservoir billiger Arbeitskräfte basiert.
Softship 15.04.2009
Es ist etwas oberflächlich, Rupieneinkommen in Dollar umzurechnen um die Armut die Leute darzustellen. Ja, das Durschnittsjahreseinkommen in Indien ist rund INR 35000, also $2 / Tag. Aber damit kann man in Indien wohnen, sich [...]
Zitat von Michael Giertz80% der Inder gehören zu den Armen, die mit ungefähr 2 Dollar am Tag auskommen müssen…
Es ist etwas oberflächlich, Rupieneinkommen in Dollar umzurechnen um die Armut die Leute darzustellen. Ja, das Durschnittsjahreseinkommen in Indien ist rund INR 35000, also $2 / Tag. Aber damit kann man in Indien wohnen, sich einkleiden und täglich 3 Mahlzeiten essen, in Europa eben nicht. In Indien ist "Armut" als unter 1/5 von dem angesiedelt. Der Wechselkurs wird künstlich etwas schräg gehalten, damit der Export von Gütern und Arbeitskräften funktioniert. In Indien versteht man teils was anderes unter Lebensqualität als wir es tun. Bitte nehmen Sie nicht an, dass Inder unbedingt so leben wollen wie wir. Besonders in Sachen Wohnraum kriegen die meisten Inder das Schütteln wenn Sei sehen, wie wir wohnen. So stark Überbevölkert ist Indien auch nicht: Im Vergleich Indien 349 Einwohner pro km², England 377 Einwohner pro km². Die Kasten haben auch Vorteile. Für uns ist das etwas fremd, aber es führt dazu, dass die Menschen nicht vereinsamen wie wir es in unserer ach so modernen Gesellschaft tun.
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