Indonesien Diktator Suharto ist tot

Jahrzehntelang regierte er Indonesien mit eiserner Hand und führte das Land in die Moderne. Tausende Missliebige und Andersdenkende wurden während seiner Gewaltherrschaft getötet. Heute ist der einstige Diktator Hadji Mohammed Suharto im Alter von 86 Jahren gestorben.


Jakarta - Seit seinem Abtritt von der Macht im Jahr 1998 lebte der "lächelnde General", wie ihn westliche Medien gerne nannten, zurückgezogen in seiner Residenz in Jakarta. Während seiner jahrzehntelangen Herrschaft prägte er das Land wie kein anderer Politiker. Doch die Zeit des Aufschwungs wurde von den späteren Jahren seiner rücksichtslosen Herrschaft verdunkelt. Suharto wird als brutaler und korrupter Staatschef in Erinnerung bleiben - auch wenn er sich einer Strafverfolgung immer entziehen konnte.

Ex-Diktator Suharto: Er führte Indonesien mit harter Hand
REUTERS

Ex-Diktator Suharto: Er führte Indonesien mit harter Hand

Suharto musste in den vergangenen Jahren mehrfach stationär behandelt werden, unter anderem wegen eines Herzleidens. Kritiker hatten jedoch immer wieder darauf hingewiesen, Suharto sei nicht so krank, wie er behaupte, sondern wolle sich nur dem Korruptionsprozess entziehen. Mit einem ärztlichen Attest hatte er im Jahr 2000 erreicht, dass ein Prozess wegen der Veruntreuung von umgerechnet rund 387 Millionen Euro aus öffentlichen Geldern ausgesetzt wurde.

Im September vergangenen Jahres jedoch wurde ein weiterer Prozess gegen ihn eröffnet. Die Justizbehörden forderten umgerechnet knapp eine Milliarde Euro von ihm zurück, die er als Präsident über dunkle Kanäle beiseite geschafft haben soll. Dieses Geld werden sie nun nicht mehr eintreiben können.

Der 1921 als Sohn einer Bauernfamilie auf Java geborene Suharto begann seine Karriere in der niederländischen Kolonialarmee in Indonesien. Während des Zweiten Weltkriegs kämpfte er gegen die japanische Besatzung, nach der Unabhängigkeit des Landes 1945 stieg er rasch in der Militärhierarchie auf. In den sechziger Jahren wurde er General.

Überzeugter Anti-Kommunist

Ins politische Rampenlicht trat Suharto 1965 durch seine maßgebliche Rolle bei der Niederschlagung eines angeblichen Putschversuchs von Kommunisten. In der Folge wurden mehrere Hunderttausend angebliche oder tatsächliche Mitglieder der Kommunistischen Partei hingerichtet. Als Armee-Oberbefehlshaber und Verteidigungsminister verdrängte er mit immer weiterreichenden Befugnissen den kränkelnden Präsidenten Sukarno schrittweise von der Macht.

Nach seinem offiziellen Amtsantritt als Präsident 1967 setzte Suharto stets alles daran, selbst am Schalthebel der Macht in dem riesigen Archipel mit rund 17.000 Inseln zu bleiben. Die Ränge der mächtigen Streitkräfte des Landes besetzte Suharto mit Gefolgsleuten. Über die Grenzen seiner Golkar-Partei hinaus nahm er auf die Führung der oppositionellen Demokratischen Partei Indonesiens (PDI) Einfluss, die Medien wurden strenger Kontrolle unterstellt.

Sympathien im Westen

Mit seiner antikommunistischen Haltung gewann Suharto außenpolitisch die Sympathien der USA. Der zurückhaltend und freundlich auftretende Präsident verschaffte sich auch in anderen Ländern der westlichen Welt Sympathien, in Deutschland gewann er die Freundschaft von Altbundeskanzler Helmut Kohl (CDU). Bei Menschenrechtlern stand Suharto hingegen in der Kritik. Sie warfen ihm im Zusammenhang mit dem Einmarsch in das nach Unabhängigkeit strebende Osttimor im Jahr 1975 Völkermord vor. In dem auf die Besatzung folgenden 25-jährigen Bürgerkrieg starben Schätzungen zufolge 200.000 Menschen.

Unter Suharto erlebte Indonesien auch einen rasanten Wirtschaftsboom, der dem Präsidenten den Beinamen "Vater des Aufschwungs" einbrachte. Er baute die Erdöl- und Gasproduktion sowie die Textilindustrie des landwirtschaftlich geprägten Landes aus. Das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf stieg von 50 Dollar bei seinem Machtantritt auf etwa tausend Dollar vor Beginn der Asien-Krise 1997. Doch als der Kurs der Landeswährung Rupiah in der Folge ins Bodenlose stürzte, geriet Suharto unter Beschuss. Nach anhaltenden Studentenprotesten musste er am 21. Mai 1998 zurücktreten.

mik/AFP/dpa/Reuters



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