Anschläge auf Kirchen in Indonesien Familie soll für tödliche Explosionen verantwortlich sein

Die Selbstmordanschläge auf christliche Einrichtungen in Indonesien sollen alle von Mitgliedern einer Familie verübt worden sein. Bei den mutmaßlich islamistisch motivierten Taten kamen mindestens elf Menschen um.

Anschlagsort in Surabaya
DPA

Anschlagsort in Surabaya


Die drei Anschläge auf christliche Kirchen in Indonesien sollen von einem Elternpaar und deren teils minderjährigen Kindern verübt worden sein. Der Vater der Familie habe sich vor einem Gotteshaus in der Stadt Surabaya mit einer Autobombe in die Luft gesprengt, sagte der Polizeichef des Landes, Tito Karnavian.

Zwei Söhne im Alter von 16 und 18 verwendeten demnach für einen zweiten Selbstmordanschlag ein Motorrad. "Sie hatten die Bombe auf dem Schoß", sagte Polizeisprecher Frans Barung Mangera. Die Mutter verübte ihren Selbstmordanschlag demnach zusammen mit zwei Töchtern im Alter von neun und zwölf Jahren.

Die Familie habe sich vor den Anschlägen in Syrien aufgehalten, sagte Polizeichef Karnavian - und zwar in Gebieten, die von der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) beherrscht werden. Sie hätte zu einer Gruppe von rund 500 Islamisten gehört, die nach Indonesien zurückgekehrt sei.

Opfer meist Gottesdienstbesucher

Der IS reklamierte die Tat über sein Sprachrohr Amaq für sich. Drei Selbstmordattentäter der Gruppe hätten den Angriff ausgeführt. Erst am Donnerstag war in der Nähe von Jakarta ein Gefängnisaufstand zu Ende gegangen, dabei waren fünf Polizisten gestorben. Bei einem Teil der Häftlinge soll es sich um IS-Anhänger gehandelt haben.

Bei den Explosionen in der zweitgrößten Stadt Indonesiens kamen am Sonntagmorgen nun mindestens elf Menschen ums Leben. Rund 40 weitere Menschen wurden teils schwer verletzt. Unter den Opfern sind viele Gläubige, die Gottesdienste besuchen wollten.

Die Sprengsätze waren auf der Insel Java binnen weniger Minuten gezündet worden. Die erste Detonation ereignete sich gegen 7.30 Uhr Ortszeit in einer katholischen Kirche namens Santa Maria. Im Fernsehen waren Bilder der stark beschädigten Kirche zu sehen. Zeugen berichteten von zahlreichen Opfern. Kurze Zeit später gab es weitere Explosionen in einer Kirche, die der Pfingstbewegung angehört, sowie in einem protestantischem Gotteshaus.

Indonesiens Präsident Joko Widodo sprach von einem "barbarischen Akt". Es gebe Opfer aus der Gesellschaft, aus den Reihen der Polizeibeamten und auch unschuldige Kinder seien getroffen worden.

Die Hafenstadt Surabaya hat mehr als 2,6 Millionen Einwohner. Indonesien hat seit mehr als anderthalb Jahrzehnten immer wieder mit islamistischer Gewalt zu tun. Von den mehr als 260 Millionen Einwohnern sind mehr als 85 Prozent muslimischen Glaubens. Katholische und protestantische Christen machen etwa zehn Prozent der Bevölkerung aus.

apr/AP/dpa/Reuters



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