Indonesien Kämpfe auf den Molukken gehen weiter

Bei den bisher blutigsten Unruhen zwischen Christen und Moslems auf den indonesischen Molukken sind in den letzten Tagen mehrere hundert Menschen getötet worden. Auch eine stärkere Militärpräsenz und eine nächtliche Ausgangssperre in Teilen der Molukken haben weitere Gewalt nicht verhindern können.


Straßenkämpfe am Mittwoch in Ambon: Jugendliche mit selbstgebauten Gewehren
REUTERS

Straßenkämpfe am Mittwoch in Ambon: Jugendliche mit selbstgebauten Gewehren

Jakarta - Sechs Tage nach Ausbruch der Unruhen auf den Molukken-Inseln ist die Lage dort weiterhin äußerst gespannt. Am Samstag kamen nach Angaben eines Krankenhausverwalters 14 Menschen ums Leben, drei Personen wurden noch vermisst. Bei den Kämpfen zwischen Christen und Moslems in der Stadt Masohi auf der Insel Seram wurden auch zahlreiche Häuser und eine Moschee angezündet. Auf der Insel Morotai landeten 500 Soldaten. Bereits am Donnerstag waren zwei Bataillone in der Provinzhauptstadt Ambon an Land gegangen.

In Ambon herrschte gespannte Ruhe. Beide Seiten nutzten dies nach Polizeiangaben dazu, ihre Toten zu bestatten. Vor den Ausschreitungen suchten bis Freitag 12.000 Menschen in Einrichtungen der Polizei und der Armee Zuflucht. Der kommandierende Brigadegeneral Max Tamaela sagte, bei den Unruhen seien innerhalb von fünf Tagen rund 350 Menschen getötet worden. Das Blutbad auf den früheren Gewürzinseln gilt als das schlimmste in der 50-jährigen Geschichte Indonesiens.

Erstmals waren die Kämpfe zwischen Christen und Moslems im Januar des letzten Jahres ausgebrochen. Am vergangenen Sonntag kam es erneut zu Ausschreitungen, nachdem in Ambon ein Christ einen moslemischen Jungen angefahren hatte. Bei den Unruhen gingen neben Hunderten von Wohnhäusern und Läden auch Moscheen und Kirchen in Flammen auf. Die blutigen Krawalle waren von Ambon und der Nachbarinsel Buru ausgegangen und hatten nacheinander weitere Inseln des als Gewürzinseln bekannten Archipels erfasst.

Brennende Häuser am Dienstag in Ambon
AP

Brennende Häuser am Dienstag in Ambon

Bis zu den jüngsten Gewaltausbrüchen waren nach Angaben der Regierung bei Ausschreitungen seit Januar bereits 800 Menschen ums Leben gekommen; inoffizielle Schätzungen gingen jedoch von 1.500 Toten aus. Allein 250 Menschen kamen in den vergangenen Tagen auf der Insel Halmahera um, die der Provinz Nord-Molukken benachbart ist. Weitere hundert wurden in Ambon und Umgebung getötet.

Christliche Politiker und Geistliche hatten bereits im vergangenen Monat UN-Generalsekretär Kofi Annan um die Entsendung einer Interventionstruppe gebeten. Der indonesische Präsident Abdurrahman Wahid schloss ein internationales Eingreifen auf den Molukken aber aus, da der Konflikt eine interne Angelegenheit sei. Er wies auch die Bitte um die Verhängung des Notstandes über die Provinz zurück, wie dies Militärkommandeure gefordert hatten.



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