Todesurteil in Saudi-Arabien Indonesien protestiert gegen Hinrichtung von Hausmädchen

Saudi-Arabien hat eine Gastarbeiterin aus Indonesien hingerichtet, die ihren Chef ermordet haben soll. Jakarta bestellt deshalb Riads Botschafter ein - denn die Regierung wurde nicht informiert.

Adel al-Jubeir (l.), Joko Widodo
REUTERS

Adel al-Jubeir (l.), Joko Widodo


Vor sieben Jahren wurde Tuti Tursilawati von einem Gericht in Saudi-Arabien zum Tode verurteilt. Das Hausmädchen aus Indonesien hatte seinen Arbeitgeber getötet. Sie behauptete, in Notwehr gehandelt zu haben, weil der Mann versucht habe, sie zu vergewaltigen. Das Scharia-Gericht glaubte ihr nicht.

Am Montag ist Tursilawati in der saudi-arabischen Stadt Taif hingerichtet worden. Die Regierung in Indonesien reagiert scharf: Sie wirft dem Regime in Riad vor, das indonesische Außenministerium nicht vorab über die Exekution informiert zu haben. Präsident Joko Widodo protestierte in einem Telefonat mit Saudi-Arabiens Außenminister Adel al-Jubeir gegen die Hinrichtung. Zudem bestellte er den saudi-arabischen Botschafter in Jakarta ein.

Es ist bereits das vierte Mal binnen drei Jahren, dass Saudi-Arabien eine Gastarbeiterin aus Indonesien hinrichtet, ohne im Vorfeld die Regierung in Jakarta zu verständigen. Dabei hatten Widodo und Jubeir erst in der vergangenen Woche vereinbart, dass beide Länder die indonesischen Hausmädchen in Saudi-Arabien künftig gemeinsam besser "beraten, überwachen und einschätzen" wollten. Zudem betonte Indonesiens Außenministerin Retno Marsudi bei dem Treffen, dass es vorgeschrieben sei, die indonesische Botschaft in Saudi-Arabien vorab über geplante Hinrichtungen von Landsleuten zu informieren.

Die Hinrichtung sei erfolgt, obwohl Indonesiens Regierung sowohl juristisch als auch in einem Brief an den saudischen König Salman Einspruch gegen das Todesurteil eingelegt habe, sagte Marsudi. Nach ihren Angaben sitzen derzeit 18 Landsleute in Saudi-Arabien im Todestrakt. Laut Schätzungen arbeiten insgesamt rund eine Million Indonesierinnen als Hausmädchen in dem Königreich.

syd/Reuters



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