Indonesien Tote und Verletzte bei Anschlägen auf Luxushotels

Zerfetzte Fassaden, dichte Rauchwolken: Zeitgleiche Bombenexplosionen in zwei Luxushotels haben die indonesische Hauptstadt Jakarta erschüttert. Mindestens neun Menschen wurden getötet, 50 weitere verletzt. Die Behörden vermuten einen Doppelanschlag. Unter den Opfern sind auch Ausländer.


Jakarta - Bei Bombenexplosionen in zwei Nobelhotels in der indonesischen Hauptstadt Jakarta sind mindestens neun Menschen getötet worden. Mehr als 50 weitere wurden offiziellen Angaben zufolge verletzt, als am Freitag zur Frühstückszeit zwei Sprengsätze im Ritz-Carlton und im nahegelegenen Marriott-Hotel hochgingen. Unter den Verletzten waren nach Polizeiangaben viele Ausländer.

Sechs Menschen kamen im Mariott ums Leben, zwei im Ritz-Carlton, teilte Sicherheitsminister Widodo Adi Sucipto mit. Demnach verstarb ein weiteres Opfer im Krankenhaus. Die Hotels im noblen Geschäftsviertel Kuningan in Jakarta wurden bei den Anschlägen stark beschädigt.

Bei den Sprengsätzen habe es sich um "hochexplosive Bomben" gehandelt, teilte der Minister mit. Nur wenige Stunden nach den Bombenexplosionen wurde ein weiterer Sprengsatz entdeckt. Eine nicht explodierte Bombe sei in einem Raum des Marriott-Hotels gefunden worden, sagte Präsidentenberater Dschali Jusuf. Experten hätten den Blindgänger kontrolliert zerstört.

Wie ein Vertreter des Krisenzentrums im Gesundheitsministerium sagte, waren auch mehrere Ausländer unter den Opfern, darunter ein Neuseeländer. Nach Angaben eines Polizeisprechers wurden 14 Ausländer verletzt. In einer Klinik standen dagegen die Namen von 18 Ausländern auf einer Liste mit Namen der Verwundeten.

Indonesiens Präsident Susilo Bambang Yudhoyono zeigte sich "tief besorgt" über die Vorfälle, wie ein Sprecher mitteilte. Die deutsche Botschaft in Jakarta hat Kontakt zu den örtlichen Behörden aufgenommen und bemüht sich um Aufklärung.

Ein Augenzeuge berichtete, er habe nach der Explosion blutüberströmte Ausländer am Marriott-Hotel gesehen. Wie ein AFP-Reporter vor Ort berichtete, riegelte die Polizei die Hotels ab. Auf der Straße vor dem Marriott waren Blutflecken zu sehen, in einem Restaurant am Ritz-Carlton waren die Fensterscheiben zersprungen. Die Fassade des Marriott schien von außen dagegen nicht stark beschädigt zu sein, über dem Viertel hing eine dichte Rauchwolke.

Ein Wachmann sagte, er habe zwei Detonationen gehört, dann seien Menschen aus dem Gebäude gerannt. Ein weiterer Augenzeuge sagte dem Radiosender El Schalit, mehrere Verletzte seien mit Autos aus dem Ritz-Carlton gebracht worden.

Nur wenige Stunden nach den Bombenexplosionen ereignete sich in Jakarta eine weitere Explosion. Diese sei aber nicht durch eine Bombe, sondern durch eine kaputte Autobatterie ausgelöst worden, sagte ein Polizeisprecher. Dabei sei ein Insasse des zerstörten Kleinlasters ums Leben gekommen. Der Fernsehsender TV One hatte zuvor unter Berufung auf die Polizei berichtet, dass in dem Viertel Muara Angke im Norden der Hauptstadt eine Autobombe hochgegangen sei. Medienberichten zufolge wurden dabei zwei Menschen getötet.

Der englische Fußballmeister Manchester United hat sein für Montag geplantes Gastspiel in Indonesien gegen ein einheimisches Allstar-Team wegen der Anschläge abgesagt. Die Entscheidung fällte der Club am Freitag in Malaysia einen Tag vor einem Auftritt in Kuala Lumpur.

Im August 2003 waren bei einem Bombenattentat auf das Marriott-Hotel in Jakarta zwölf Menschen ums Leben gekommen. Für den Anschlag wurde die radikal-islamische Bewegung Jemaah Islamiah verantwortlich gemacht, der enge Verbindungen zum Terrornetzwerk al-Qaida nachgesagt werden und die auch für die Anschläge auf Discotheken auf Bali mit über 200 Toten 2002 verantwortlich sein soll.

ore/AFP/Reuters/dpa/sid



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