Indonesien-Hilfe: Tsunami-Warnsystem kostet Deutschland 7,3 Millionen mehr

Von Sven Becker

Schwarz-Gelb feiert das Tsunami-Frühwarnzentrum für Indonesien als Erfolg der Entwicklungshilfe. Doch laut SPIEGEL-Informationen wird das Projekt für Deutschland deutlich teurer als geplant, viel Geld geht für nutzlose Warnbojen drauf. Das Forschungsministerium räumt die Panne nun ein.

Kanzlerin Merkel bei Besuch des Tsunami-Warnzentrums (Juli 2012): 7,3 Millionen mehrZur Großansicht
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Kanzlerin Merkel bei Besuch des Tsunami-Warnzentrums (Juli 2012): 7,3 Millionen mehr

Berlin - Zufrieden schritt Angela Merkel die Arbeitsplätze der Ingenieure ab, warf einen Blick auf die Bildschirme und ließ sich ein Modell der indonesischen Küste präsentieren. So zeigen es die Fotos ihrer Indonesien-Reise Mitte Juli. Die Besichtigung des Tsunami-Frühwarnsystems gehörte zu den Höhepunkten von Merkels Ausflug in die Region. Die Einrichtung sei ein "Paradebeispiel für die Kooperation" zwischen Deutschland und Indonesien, erklärte die Kanzlerin.

Niemand würde bestreiten, dass das Tsunami-Frühwarnzentrum einen guten Zweck erfüllt. Nach einem schweren Erdbeben mit anschließendem Tsunami starben im Indischen Ozean im Jahr 2004 mehr als 200.000 Menschen. Deutschland stimmte daraufhin zu, Indonesien beim Aufbau eines Frühwarnsystems zu helfen. Rund 53 Millionen Euro stellte die Bundesregierung für sechs Jahre bereit. Feierlich übergab der Parlamentarische Staatssekretär Thomas Rachel das Hightech-Zentrum im vergangenen Jahr an Indonesien. "Das Projekt Tsunami-Frühwarnsystem endet damit für die deutschen Beteiligten plangemäß zum 31. März 2011", erklärte das zuständige Bundesforschungsministerium (BMBF).

Doch das stimmt so leider nicht.

Wie sich nun herausstellt, wird das Frühwarnzentrum für Deutschland gut sieben Millionen Euro teurer als bislang bekannt. Zudem wurden kostspielige Tsunami-Warnbojen, die für das Frühwarnsystem entwickelt wurden, bereits ausgemustert. Damit wird das Projekt für die Bundesregierung immer mehr zur peinlichen Posse.

Im März 2011 fragte der SPD-Politiker Klaus Hagemann erstmals im Bundestag nach, wie der Stand der Dinge beim Frühwarnsystem sei. Damals erklärte ihm das Forschungsministerium, eine internationale Expertenkommission hätte das System im September 2010 evaluiert und für "durchweg positiv" befunden. Indonesien übernehme jetzt die "alleinige Verantwortung für das Gesamtsystem". Dieser Stand spiegelte sich auch im Bundeshaushalt wider. Letztmalig sollten im Jahr 2011 Kosten in Höhe von zwei Millionen Euro anfallen.

Zusätzliche Kosten in Höhe von rund 7,3 Millionen Euro

Ganz so glatt verlief die Übergabe des Frühwarnsystems jedoch nicht. Nach SPIEGEL-Informationen startete die Bundesregierung bereits am 1. Juni 2011 ein Nachsorgeprojekt namens "Protects". Es sieht unter anderem die Weiterbildung indonesischer Wissenschaftler und Katastrophenschützer vor. Die Bundesregierung bewilligte knapp 7,3 Millionen Euro und setzte eine Laufzeit des Projekts bis zum Jahr 2014 an. Die Öffentlichkeit erfuhr davon zunächst nichts. Im Bundeshaushalt für das Jahr 2012 wurden sogar überhaupt keine Mittel mehr für das Frühwarnzentrum veranschlagt.

Erst auf Nachfragen des SPIEGEL räumte das Bundesforschungsministerium die zusätzlichen Kosten in Höhe von rund 7,3 Millionen Euro ein. Allein 2012 gibt die Bundesregierung - anders als im Bundeshaushalt 2012 eingetragen - 3,143 Millionen Euro für "Protects" aus.

Das Ministerium gibt den Fehler zu und will den Bundestag darüber informieren. Klaus Hagemann fühlt sich von der Bundesregierung dennoch hinters Licht geführt. "Bei dem Projekt weiß offensichtlich die rechte Hand nicht, was die linke tut. Es ist mehr als peinlich, dass ein Vorzeigevorhaben, das sogar die Kanzlerin besucht hat und das immer teurer wird, im BMBF-Etat einfach vergessen worden sein soll."

Auch bei der anspruchsvollen Technik des Frühwarnzentrums verlief nicht alles wie geplant. Im Herbst des vergangenen Jahres stellte ein Team der ARD-Sendung "Weltspiegel" bei Recherchen in Indonesien fest, dass in einem Hafen der Insel Java einzelne Warnbojen verrotteten. Die Geräte sollten eigentlich dazu dienen, die Veränderung des Wasserspiegels nach einem Erdbeben zu registrieren.

Fischer beschädigten empfindliche Warnbojen

Die lokalen Behörden machten Vandalismus für die Probleme verantwortlich. Fischer hätten ihre Schiffe an einigen Bojen festgemacht und dabei Mess- und Übertragungsgeräte beschädigt. Manchmal hätten sich auch Netze in den Bojen verfangen. Rund 2,5 Millionen hat Deutschland nach Angaben des Potsdamer Geoforschungszentrums für die Entwicklung von 10 der 20 Warnbojen ausgegeben.

Mitte August hakte der SPD-Mann Hagemann deswegen erneut bei der Bundesregierung nach. Das Forschungsministerium erklärte in einem Schreiben, dass sich die Tsunami-Bojen mittlerweile als "verzichtbar" herausgestellt hätten. Begründung: Die Bojen könnten die schnelle Warnung nach einem Erdbeben nicht rechtzeitig weitergeben. Das System sei aber voll einsatzfähig, andere Instrumente wie GPS-Messstationen hätten sich als effizienter herausgestellt. Was mit den ausrangierten Bojen passieren soll, ließ das Ministerium offen.

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insgesamt 54 Beiträge
mischpot 11.09.2012
aber dass ist nichts im Vergleich zur HRE, Berliner Airport dem Nürburgring oder die Elbdisharmonie. Die Verschwendung von und Fehlinvestition gehört für die Verantwortlichen unter Strafe gestellt. Es kann nicht sein daß [...]
aber dass ist nichts im Vergleich zur HRE, Berliner Airport dem Nürburgring oder die Elbdisharmonie. Die Verschwendung von und Fehlinvestition gehört für die Verantwortlichen unter Strafe gestellt. Es kann nicht sein daß Politiker mit Steuergeldern machen dürfen was Sie wollen!
tg920 11.09.2012
wieso Deutschland das überhaupt bezahlt? Indonesien hätte das locker selbst zahlen können, die sind nämlich nicht sonderlich arm. Dann hätte man hier sogar noch was verdienen können.....naja....solange man noch Entwicklungshilfe [...]
wieso Deutschland das überhaupt bezahlt? Indonesien hätte das locker selbst zahlen können, die sind nämlich nicht sonderlich arm. Dann hätte man hier sogar noch was verdienen können.....naja....solange man noch Entwicklungshilfe an China zahlt brauch man sich wohl nicht wundern.
Tango911 11.09.2012
"Doch das stimmt so leider nicht. " Wieviel mehr hat denn bitte das Mautsystem gekostet, der hässliche Berliner HBF, S21 oder der Hamburger Philharmonie Klotz?! Luxuseinrichtungen, für die hunderte Millionen zum [...]
"Doch das stimmt so leider nicht. " Wieviel mehr hat denn bitte das Mautsystem gekostet, der hässliche Berliner HBF, S21 oder der Hamburger Philharmonie Klotz?! Luxuseinrichtungen, für die hunderte Millionen zum Fenster herausgeschmissen werden und die kein Mensch braucht! 7,3 Mio mehr für ein System, dass Leben rettet, sind gut angelegtes Geld. Vor allem, wenn während der Entwicklung bessere Messinstrumente entwickelt werden, als geplant. Das nennt man Fortschritt - und der kostet nunmal.
2cv 11.09.2012
Man muss deutlich differenzieren - zum einen, was das Erkennen eines Tsunamis angeht - mittlererweile ist auch hier die Satellitentechnik weiterentwickelt, sodaß relevanter Wellengang auch ohne Bojentechnik erfasst werden kann. [...]
Man muss deutlich differenzieren - zum einen, was das Erkennen eines Tsunamis angeht - mittlererweile ist auch hier die Satellitentechnik weiterentwickelt, sodaß relevanter Wellengang auch ohne Bojentechnik erfasst werden kann. Darüber hinaus geht es darum, Bevölkerung effizient zu warnen, mit einem dem AM/FM Radio ähnlichen Broadcasting System auf Mobilfunkbasis ist das am besten möglich: Cell Broadcast kann so etwas. Die Standards sind definiert, iOS6 wird es enthalten und in Europa kommt "EU-Alert" mit dieser Technologie, ergänzend zu anderen Kommunikationskanälen über Radio, TV, Billboards, auch SMS und Lautsprecherdurchsagen, in diesen Monaten ans Fliegen (siehe NL-Alert in den Niederlanden). Die Frage stellt sich, ob die Mobilfunk-Netzbetreiber der Anrainerstaaten bereit sind, in Cell Broadcast als Technologie zu investieren... So könnten bundesweit alle diejenigen, die über ein (entsprechend konfiguriertes) Handy verfügen, innerhalb von weniger als 1 Minute informiert werden. Deutlich effizienter übrigens als per SMS (man denke nur an Silvester, wenn wieder einmal alle Netze überlastet sind), da ein komplett anderes Übertragungsverfahren zum Einsatz kommt!
goethestrasse 11.09.2012
Mein Vorschlag wäre, die Bojen dem "Bund der Steuerzahler" zu geben, damit dieser Stellen markiert, an denen Steuergelder versenkt wurden ! Aber da werden 20 leider nicht reichen.
Mein Vorschlag wäre, die Bojen dem "Bund der Steuerzahler" zu geben, damit dieser Stellen markiert, an denen Steuergelder versenkt wurden ! Aber da werden 20 leider nicht reichen.
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  • Dienstag, 11.09.2012 – 07:50 Uhr
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Bevölkerung: 239,871 Mio. Einwohner

Fläche: 1.910.931 km²

Hauptstadt: Jakarta

Staats- u. Regierungschef:
Susilo Bambang Yudhoyono

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