Indonesien Verlierer Prabowo will gegen Wahlergebnis klagen

Nach seiner Wahlniederlage wirft der Kandidat Prabowo der Wahlkommission Betrug vor und kündigt an, vor dem Verfassungsgericht zu klagen. Indonesien droht damit eine wochenlange Unsicherheit.

Kandidat Prabowo Subianto: Der Ex-General spricht von Wahlbetrug
REUTERS

Kandidat Prabowo Subianto: Der Ex-General spricht von Wahlbetrug


Jakarta - Nach seiner Niederlage bei der Präsidentenwahl in Indonesien will der frühere General Prabowo Subianto nun doch gegen das Ergebnis vor Gericht ziehen. "Wir sind dabei, unsere Klage vor dem Verfassungsgericht vorzubereiten", sagte ein Sprecher des Wahlkampfteams von Prabowo am Mittwoch.

Der Vorstoß kam überraschend. Prabowo hatte zwar Stunden vor der Verkündung des Ergebnisses bereits von massivem Betrug gesprochen, dann aber seinen Rückzug angekündigt.

Die Wahlkommission hatte den Bürgermeister von Jakarta, Joko Widodo, am Dienstag zum Sieger erklärt. Er kam bei der Wahl am 9. Juli demnach auf gut 53 Prozent der Stimmen. Prabowo bekamt laut dem amtlichen Endergebnis 47 Prozent der Stimmen.

Bei der Wahl traten zwei sehr gegensätzliche Kandidaten an: der Reformer gegen den Etablierten. Viele der Anhänger von Wahlsieger Joko Widodo hoffen darauf, dass er wichtige Reformen einleitet. Der 53-Jährige stammt aus einfachen Verhältnissen und gilt als volksnah. Der frühere General Prabowo gehört hingegen zur militärischen Elite des Landes und war lange mit einer Tochter des 1998 abgetretenen Machthabers Hadji Mohammed Suharto verheiratet.

Prabowo warf der Wahlkommission vor, Hinweise auf "massiven, strukturellen und systematischen Betrug" ignoriert zu haben. Er hatte erneute Abstimmungen in mehr als 5000 Wahllokalen gefordert, in denen es seinen Angaben zufolge Unregelmäßigkeiten gegeben hatte.

Das Ausland teilt Prabowos Zweifel nicht. Am Dienstag gratulierten die USA und Australien Wibodo zu seinem Wahlsieg und würdigten den Verlauf der Abstimmung. Zuletzt war die Lage im Land dennoch angespannt. Mehr als 250.000 Polizisten waren im Einsatz, um Zusammenstöße zwischen Widodos und Prabowos Anhängern zu verhindern. Der Sieger tritt die Nachfolge von Präsident Susilo Bambang Yudhoyono an, der nach zwei Amtszeiten nicht mehr kandidieren durfte.

Mit der Klage vor dem Verfassungsgericht droht dem südostasiatischen Staat nun jedoch wochenlange Unsicherheit. Das Gericht hat bis Ende August Zeit, die Wahl zu prüfen.

leo/dpa/AFP



insgesamt 4 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
paulibahn 23.07.2014
1. bürgermeister?
widodo (nicht wibodo, wie im text geschrieben) ist nicht bügermeister jakartas, sondern gouverneur!
jasuly 23.07.2014
2.
Dass ausgerechnet diese zwielichtige Gestalt Prabowo es wagt, anderen Betrug vorzuwerfen, beweist schon ein beträchtliches Maß an Dreistigkeit. Er musste aufgrund nicht völlig aufgeklärter Vorwürfe die Armee verlassen und dass er überhaupt wieder kandidieren darf, hat er offensichtlich seinen familiären Verbindungen mit Ex-Diktator Suharto zu verdanken. Ich frage mich, wieso über 40 % der Indonesier diesen reaktionären Machtmenschen gewählt haben - gut, dass er letztlich verloren hat.
cato-der-ältere 23.07.2014
3. Achtung Westen und EU!
Prabowo ist der Schwiegersohn des Ex-Dikators und wird als Militär als mitverantwortlich für Morde und Menschenrechtsverletzungen in Ost-Timor betrachtet. Er ist eng verbandelt mit den alten korrupten "Eliten" die das Land schon immer selbstsüchtig ausgebeutet habe. Und er lässt sich sogar von radikalen Muslimgruppen unterstützen, die dafür verantwortlich sind dass Minderheiten (Christen, Buddhisten, Schiiten, usw.) zunehmend diskriminiert werden. Er ist offensichtlich ein skrupelloser Machtmensch der übelsten Sorte dessen Machtübernahme die Indonesier und den Rest der Welt teuer zu stehen käme. Es gibt Augenzeugenberichte dass seine Anhänger, zb. auf Papua Wahlurnen aufbrechen wollten und nur von mutige Wahlhelfern gestoppt werden konnten. Oder dass Wahlzettel für Jokowi durch durchstechen ungültig gemacht wurden. Wenn jemand die Skrupellosigkeit und die finanziellen Mittel hat um landesweit solche Dinge anzuzetteln dann er. Nachdem seine demokratische Niederlage klar wurde versucht er mit typischen Mätzchen, wie sie sonst in Afghanistan oder Zimbabwe vorkommen, sich doch noch zum Sieger zu präsentieren. Ich hoffe dass die EU und Deutschland hier wachsam sind und diese größte muslimische Land nicht allein lassen mit diesem Herrn sondern der rechtmäßigen Gewinner klar unterstützen.
tikiyantohandoyo 23.07.2014
4.
als ein indonesier habe ich auch gewundert wie so viele meine landsleute ihn gewaehlt haben.er war der akteur als unsere 13 studenten im1998 verschwunden . und doch er ist jetzt unser praesidentkandidat!!!,
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.