Nato zu Streit über Atomwaffenabkommen Stoltenberg sieht kein neues Wettrüsten

Nach der Ankündigung der USA, aus dem INF-Abrüstungsvertrag auszusteigen, will Nato-Generalsekretär Stoltenberg die Gemüter beruhigen: Eine neue atomare Aufrüstung in Europa befürchte er nicht.

Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg
DPA

Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg


Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg hat sich erstmals zur geplanten Aufkündigung des INF-Vertrags durch die USA geäußert und versucht, Ängste zu zerstreuen. "Ich rechne nicht damit, dass Bündnispartner in Reaktion auf den neuen russischen Marschflugkörper mehr Nuklearwaffen in Europa stationieren", sagte Stoltenberg in Bezug auf ein mögliches neues Wettrüsten.

US-Präsident Donald Trump hatte am Wochenende angekündigt, den INF-Vertrag wegen mutmaßlicher Vertragsbrüche durch Russland aufzukündigen. Der 1987 zwischen den USA und der Sowjetunion geschlossene Abrüstungsvertrag verbietet beiden Staaten den Bau und Besitz atomar bewaffneter Marschflugkörper und Raketen mit Reichweiten von 500 bis 5500 Kilometern.

Die USA werfen Russland schon seit Längerem vor, mit der Entwicklung eines neuen Marschflugkörpers vertragsbrüchig geworden zu sein. Nato-Generalsekretär Stoltenberg stellte sich hinter die Aussagen von US-Präsident Trump. Anders als die USA würde Russland den Vertrag nach Ansicht der Nato-Verbündeten nicht respektieren.

Fotostrecke

7  Bilder
Die USA und der INF-Vertrag: Auf dem Weg zur nächsten Kündigung

Weiter sagte der Nato-Generalsekretär, dass man "keinen neuen Kalten Krieg" und "kein neues Wettrüsten" wolle. Das Verteidigungsbündnis hatte sich noch im Sommer geeinigt, "uneingeschränkt" für den Vertrag des "wegweisenden Rüstungskontrollvertrages" eintreten zu wollen.

Derweil bekräftigte der US-Sicherheitsberater und Trump-Vertraute John Bolton, dass die USA weiterhin einen Ausstieg aus dem Abkommen beabsichtigten. "Das ist die Entscheidung des Präsidenten, ich denke, dass sie sehr klar und eindeutig ist, deshalb informieren wir unsere Verbündeten", sagte Bolton. Er war Anfang der Woche für Verhandlungen nach Moskau gereist.

Für 2019 sind nach Angaben von Bolton zwei weitere Gipfeltreffen zwischen Trump und dem russischen Präsidenten Putin angedacht. Eine Entscheidung darüber solle bei einem Treffen zwischen Trump und Putin im November in Paris getroffen werden, sagte Bolton.

fek/dpa



© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.