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Initiatorin des Völkermord-Gesetzes: Hacker legen Website von französischer Abgeordneten lahm

Ein Gesetz in Frankreich soll das Leugnen von Völkermord unter Strafe stellen. Es zielt auf das Massaker an Armeniern im Osmanischen Reich, die Türkei fühlt sich provoziert. Hacker haben nun die Website der Abgeordneten geknackt, die den Entwurf vorlegte - und hinterließen eine Botschaft.

Botschaft auf gehackter Website: "Ihr Franzosen seid so erbärmlich und mitleiderregend" Zur Großansicht
AFP/ Valerie Boyer Website

Botschaft auf gehackter Website: "Ihr Franzosen seid so erbärmlich und mitleiderregend"

Paris - Auf die Internetseite der französischen Abgeordneten Valérie Boyer von der Regierungspartei UMP haben Hacker einen Angriff verübt. Die Parlamentarierin hatte den Entwurf für das umstrittene Völkermord-Gesetz vorgelegt, das zwischen Frankreich und der Türkei für erhebliche Spannungen gesorgt hatte.

Auf Boyers Homepage war am Sonntag vorübergehend eine türkische Fahne auf schwarzem Hintergrund zu sehen. In der dazugehörigen Botschaft hieß es in Anspielung auf die Präsidentschaftswahl in Frankreich im nächsten Frühjahr: "Ihr Franzosen seid so erbärmlich und mitleiderregend, dass ihr die Wahrheit verachtet, um Stimmen zu erhalten." Die Internetseite der Abgeordneten aus Marseille wurde daraufhin vom Netz genommen.

In der auf Englisch und Türkisch verfassten Hacker-Nachricht waren auch die in Frankreich lebenden Armenier attackiert worden. "Ihr, die armenische Diaspora, seid solche Feiglinge, dass ihr nicht den Schneid habt, die armenischen Archive zu öffnen und euch der Wahrheit zu stellen." Boyer erhält wegen ihres Vorschlags zu dem Völkermord-Gesetz nach eigenen Angaben auch Todesdrohungen. Auch ihre Familie sei betroffen, sagte sie einem französischen Rundfunksender.

Der von Boyer eingebrachte und am vergangenen Dienstag verabschiedete Gesetzentwurf stellt das Leugnen eines in Frankreich anerkannten Völkermordes unter Strafe. Paris hatte Massaker an den Armeniern im Osmanischen Reich bereits im Januar 2001 zum Genozid erklärt. Die Türkei als Rechtsnachfolgerin lehnt dafür den Begriff Völkermord ab. Nach der Verabschiedung der Vorlage in der französischen Nationalversammlung legte Ankara die politische und militärische Zusammenarbeit mit Paris auf Eis und beorderte den Botschafter zurück in die Heimat.

Hintergrund des Streits sind Vorfälle zwischen April 1915 und Juli 1916. Damals wurden rund zwei Drittel der Armenier, die auf dem Gebiet der heutigen Türkei lebten, deportiert oder umgebracht. Bei den Massakern, organisiert von der Regierung des Osmanischen Reichs, kamen nach unterschiedlichen Schätzungen 200.000 bis 1,5 Millionen Armenier ums Leben. Die meisten Historiker sind sich einig, dass es sich dabei um einen Völkermord gehandelt habe. Die Türkei weist diesen Vorwurf vehement zurück.

ulz/AFP

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