Milliardenkosten für Sotschi De Maizière fordert mehr Bescheidenheit bei Olympia

Bis zu 50 Milliarden Dollar könnten die Winterspiele in Sotschi die Russen kosten. Angesichts dieser gewaltigen Summe drängt der deutsche Innenminister de Maizière auf eine Neuausrichtung der Spiele. Mehr Bescheidenheit sei nötig - und eine Reform der Vergaberegeln.

Flughafen in Sotschi: Palmen im Wintersportort
DPA

Flughafen in Sotschi: Palmen im Wintersportort


Berlin/Moskau - Die Olympischen Spiele im russischen Sotschi könnten alle Rekorde brechen - zumindest was die Kosten angeht. Mit gigantischem Finanzaufwand wird die Schwarzmeerstadt Sotschi ins Zentrum der Wintersportwelt verwandelt. Die Kosten für die Spiele, die als Prestigeobjekt des Präsidenten Wladimir Putin gelten, werden auf bis zu 50 Milliarden Dollar (37 Milliarden Euro) geschätzt.

Bundesinnenminister Thomas de Maizière hat angesichts der Kritik an den Olympischen Winterspielen Veränderungen gefordert. "Man muss Olympia wieder bescheidener machen", sagte de Maizière der "Süddeutschen Zeitung". "Es stimmt natürlich nachdenklich, wenn die Kosten fast höher sind als die Kosten für die fünf vorangegangenen Winterspiele zusammen."

Das Internationale Olympische Komitee (IOC) müsse nun aktiv werden, so der Minister zu der Zeitung. Es sei zu begrüßen, dass sich das IOC frage, ob die Vergabekriterien noch die richtigen seien, sagte der CDU-Minister. De Maizière will die Sportveranstaltung persönlich besuchen - im Gegensatz zu Bundespräsident Joachim Gauck. Dieser boykottiert die Veranstaltung aus Protest gegen Menschenrechtsverletzungen in Russland.

Manchmal erfreulich, manchmal eben nicht

Trotz der mit den Sotschi-Spielen verbundenen Kritik an der Umweltzerstörung, dem Homosexuellen-Gesetz oder den horrenden Kosten verteidigte de Maizière seine Reise: "Alle diese Themen würden nicht dadurch besser oder schlechter werden, führe ich nicht." Solche Spiele könnten doch auch dazu beitragen, ein Licht auf das Land zu werfen, in dem sie stattfinden. "Das ist manchmal erfreulich, manchmal unerfreulich", sagte der Minister.

Im schlimmsten Fall könnten die Spiele fünfmal so viel wie die Vorgängerveranstaltung in Vancouver kosten. Putin selbst sagte jüngst, es seien rund 6,5 Milliarden Dollar (4,8 Milliarden Euro) für Vorbereitungen ausgegeben worden. Die Winterspiele beginnen am 7. Februar.

jok/dpa/Reuters



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insgesamt 44 Beiträge
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interessierter_mitbürger 01.02.2014
1. Wer zahlt?
Zitat von sysopDPABis zu 50 Milliarden Dollar könnten die Winterspiele in Sotschi die Russen kosten. Angesichts dieser gewaltigen Summe drängt der deutsche Innenminister de Maizière auf eine Neuausrichtung der Spiele. Mehr Bescheidenheit sei nötig - und eine Reform der Vergaberegeln. http://www.spiegel.de/politik/ausland/innenminister-de-maiziere-fordert-bescheidenere-olympische-spiele-a-950528.html
Was gehen uns die Kosten an, wenn die Russen zahlen? Wenn ich das richtig mitgekriegt habe, dann gab es nach Sotschi z.B. nichtmal eine Bahnverbindung? In Vancouver war garantiert schon ein Großteil der Infrastruktur vorhanden. Wenn die Winterspiele also der Region auf lange Sicht nutzen, weil eben entsprechend investiert wird und die Infrastruktur erhalten bleibt, eventuell sogar eine Tourismusindustrie aufgebaut wird, die es vielleicht so vorher nicht gab, dann kann man die Kosten doch garnicht vergleichen... Wieviel wird/wurde denn in D für die Förderung von weniger entwickelten Regionen des Landes, Infrastrukturprojekte etc. ausgegeben?
marthaimschnee 01.02.2014
2.
Ist das nicht die logische Konsequenz der weitgehend abgeschlossenen Durchkommerzialisierung des Sports? Ebenso wie die Tatsache, daß Eurosport zum ersten Mal keine Live-Rechte hat, weil die Vergabe der Rechte in Richtung Profitmaximierung durch reichweitenbezogene, nationale Verwertung mit deren Konzept nicht mehr finanzierbar ist.
MichaelundNilma 01.02.2014
3. De Maizière haut auf den falschen Sack
Innenminister de Maizière moniert die hohen Kosten für die Winterspiele in Sotschi. Der deutsche Innenminister de Maizière drängt auf eine Neuausrichtung der Spiele. Mehr Bescheidenheit sei nötig und eine Reform der Vergaberegeln. Er forderte das Internationale Olympische Komitee (IOC) auf, es müsse nun aktiv werden. Offenbar ist dem Minister entgangen, daß die olympischen Bauten in Sotschi deswegen drei Mal so teuer, wie vergleichbare westliche Bauten waren, weil die Korruption in Russland entsprechend hoch ist. Manche russischen Bauunternehmer sind ja deswegen nach England geflohen. Staatslenkern wie Putin wäre es übrigens vollkommen egal, was Minister de Maizière will. Für Putin dient Sotschi zur Festigung seiner Herrschaft. Da das IOC die Stimmen aller Länder braucht, die dem IOC angehören, um die Wünsche unseres Innenministers umzusetzen, wird dies wohl noch ein Weilchen dauern, wenn er denn überhaupt Gehör findet.
jesse01 01.02.2014
4. löhne für arbeiter !
vor allen Dingen könnte de Maiziere einmal dafür sorgen, dass dieser Putin von diesen 50 Mille endlich die übrigen 90% der Arbeiter bezahlt !! Immer noch kein Lohn für die Arbeiter, die dafür schuften durften. Solange das nicht geschehen ist, sollte man die Spiele boykottieren ! Genauso ist die Haltung des IOC ein Skandal. Kein Wort wird darüber verloren ! Note 6, setzen Herr Bach !!!
venice66 01.02.2014
5. ganz einfach
Zitat von interessierter_mitbürgerWas gehen uns die Kosten an, wenn die Russen zahlen? Wenn ich das richtig mitgekriegt habe, dann gab es nach Sotschi z.B. nichtmal eine Bahnverbindung? In Vancouver war garantiert schon ein Großteil der Infrastruktur vorhanden. Wenn die Winterspiele also der Region auf lange Sicht nutzen, weil eben entsprechend investiert wird und die Infrastruktur erhalten bleibt, eventuell sogar eine Tourismusindustrie aufgebaut wird, die es vielleicht so vorher nicht gab, dann kann man die Kosten doch garnicht vergleichen... Wieviel wird/wurde denn in D für die Förderung von weniger entwickelten Regionen des Landes, Infrastrukturprojekte etc. ausgegeben?
Ist ganz einfach. Hier geht es um Russland, sie werden in der deutschen Presse nichts gutes über das Land lesen. Egal was die machen ist schlecht und menschenverachtend. Das versucht uns die deutsche Presse einzutrichtern. Siehe die endlosen Arktikel. Dummerweise hat die Presse nicht kapiert das die Masche schon lange nicht mehr zieht und eigentlich ist es unverantwortlich gegenüber dem Land, welches uns vom Naziregime befreit hat. Aber was will man von einer USA gestützten Regierung anderes erwarten als Engstirnigkeit und den Versuch den kalten Krieg neu zu erfinden. Brasilien gibt übrigens 40 Mrd aus für die Fussball WM. Hier schreibt die deutsche Presse, es eröffnet dem Land neue Möglichkeiten die Entwicklung des Schwellenlandes rasant zu beschleunigen. Im übrigen hat Rußland so gut wie keine Staatsschulden und kann sich diese Peanuts locker leisten. Brasilien baut wohl sehr umweltschonend, daher werden sie wohl nicht fertig ?
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