Tokio - Die japanische Regierung hat nicht lange gezögert, um ein Signal militärischer Stärke zu senden. Als am Donnerstag ein chinesisches Aufklärungsflugzeug der Marine in den Luftraum über einer zwischen Tokio und Peking umstrittenen Inselgruppe eingedrungen war, schickte das japanische Verteidigungsministerium acht Kampfflugzeuge vom Typ F-15 in die Luft.
Japan legte zudem auf diplomatischem Weg Protest ein. Der Kabinettssekretär Osamu Fujimura nannte es "extrem bedauerlich", dass ein chinesisches Flugzeug in "unseren Luftraum" eingedrungen sei. Zudem hätten sich "trotz wiederholter Warnungen" in den vergangenen drei Tagen chinesische Schiffe in japanischen Hoheitsgewässern bewegt.
Die Inselgruppe, die in Japan Senkaku und in China Diaoyu genannt wird, befindet sich etwa 200 Kilometer vor der Küste Taiwans und rund 400 Kilometer von der japanischen Insel Okinawa entfernt. Sie steht unter japanischer Verwaltung, nachdem Tokio beschlossen hatte, mehrere der Inseln aus japanischem Privatbesitz zu kaufen.
"Seit historischen Zeiten Chinas rechtmäßiges Territorium"
Die Inseln liegen strategisch günstig in fischreichen Gewässern, zudem werden in der Umgebung größere Erdöl- und Erdgas-Vorkommen vermutet. Der Streit entwickelte sich in den vergangenen Monaten zu einer diplomatischen Krise.
"Das ist die erste Verletzung unseres Luftraums durch eine chinesische Maschine, so weit wir zurückdenken können", sagte ein ranghoher Beamter des japanischen Verteidigungsministeriums. Die Maschine verließ den Angaben zufolge später wieder die Region. China verteidigte die Aktion. "Das Überfliegen der Diaoyu-Inseln mit einem chinesischen Aufklärungsflugzeug der Marine ist völlig normal", erklärte ein Sprecher des Außenministeriums in Peking, Hong Lei. Die Inseln seien "seit historischen Zeiten Chinas rechtmäßiges Territorium". Japan forderte er auf, seine "illegalen Aktivitäten in den Gewässern und im Luftraum der Diaoyu-Inseln einzustellen".
In Japan könnte sich der neuerliche Zwischenfall auch auf die anstehende Parlamentswahl auswirken. Der frühere Regierungschef Shinzo Abe, dessen Partei nach Umfragen gute Wahlchancen hat, hat eine harte Gangart in dem Streit angekündigt. Abe hatte zudem höhere Verteidigungsausgaben in Aussicht gestellt. Besonders seit dem im September aufgeflammten Konflikt über die Inselgruppe im Ostchinesischen Meer verfangen sich nationalistische Töne bei vielen Japanern. Der Konflikt führte in China zu antijapanischen Protesten und Boykotten japanischer Waren.
China hatte zuletzt auch mit neuen Reisepässen für Spannungen mit seinen Nachbarn gesorgt: Eine aufgedruckte Karte, die umstrittene Inseln und Grenzgebiete als chinesisches Territorium markiert, hatte Empörung ausgelöst. Die Karte gibt den größten Teil des Südchinesischen Meeres und strittige Inseln, die ganz oder in Teilen von Vietnam, den Philippinen, Malaysia, Brunei und Taiwan beansprucht werden, als chinesisches Hoheitsgebiet aus. Chinas Außenministerium hatte versucht, die Gemüter zu besänftigen: "Die Bilder in den Pässen sollten nicht überbewertet werden", hatte ein Ministeriumssprecher gesagt
Doch Chinas Staatsmedien bekräftigen weiter die Hoheitsansprüche. Viele chinesische Nachbarn fühlen sich von dem Expansionsdrang Pekings massiv bedroht. Experten sehen Asien deshalb inzwischen als politisches Pulverfass.
hen/AFP/Reuters/dpa
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