Integrationspläne Bundesregierung fordert mehr Flüchtlinge auf dem Land

Zur Integration lieber aufs Dorf als in anonyme Städte: Die Bundesregierung drängt laut einem Zeitungsbericht darauf, mehr Flüchtlinge in ländlichen Regionen unterzubringen.

Junge Flüchtlinge und Zugewanderte in einer Fördereinrichtung in Hessen
DPA

Junge Flüchtlinge und Zugewanderte in einer Fördereinrichtung in Hessen


Die Bundesregierung arbeitet an Plänen, auf welche ländlichen Regionen künftig Flüchtlinge verteilt werden sollen. "Vor allem zielen wir zunächst auf den mittleren Bereich, mittlere Städte", sagte Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) der "Frankfurter Allgemeine Zeitung". Das wolle er mit den Ländern besprechen und beschließen.

Doch auch strukturschwache Gegenden mit hohen Arbeitslosenquoten sollten bei der Verteilung nicht ausgenommen werden, stellt der Minister klar: "Ich meine, dort, wo Wohnraum zur Verfügung steht und günstig ist, sollte man den auch nutzen." Grundschulen könnten in diesen Regionen vor der Schließung bewahrt werden durch den Zuzug von Flüchtlingsfamilien. Er sehe gute Chancen, dass viele der Flüchtlinge dann langfristig dort wohnen blieben. So seien die Spätaussiedler, die in den Neunziger jahren in ländlichen Regionen angesiedelt worden seien, nach Wegfall des Wohnortzwangs oftmals dort geblieben.

Die Eingliederung der Flüchtlinge sei eine "gesamtgesellschaftliche Aufgabe", bei der man keinen "Bogen um den ländlichen Raum schlagen" dürfe. Im Zuge der beschlossenen Residenzpflicht im Asylverfahren kämen vor allem mittlelgroße Städte wie etwa Fulda in den Fokus, sagte Schmidt. Er sehe die Flüchtlings-Ansiedlung als eine Chance für solche Städte und auch für den ländlichen Raum, sagte Schmidt.

       Bundesminister        Christian Schmuidt
DPA

Bundesminister Christian Schmuidt

Grundschulen könnten in diesen Regionen vor der Schließung bewahrt werden durch den Zuzug von Flüchtlingsfamilien. Er sehe gute Chancen, dass viele der Flüchtlinge dann langfristig dort wohnen blieben. So seien die Spätaussiedler, die in den Neunziger jahren in ländlichen Regionen angesiedelt worden seien, nach Wegfall des Wohnortzwangs oftmals dort geblieben.

Ihm sei bewusst, dass man in Regionen, in denen Arbeit rar ist, "sensibler rangehen muss", sagte Schmidt. Doch wolle er keine Ausnahmen machen etwa für Gegenden in Sachsen-Anhalt, in denen die AfD bei den vergangenen Landtagswahlen schon mehr als 25 Prozent der Wählerstimmen bekommen hat. Er sei optimistisch, dass Integration auch dort gelingen werde: "Sachsen-Anhalt ist ja nun kein Land, das von Flüchtlingen überschwemmt worden ist." Dort müsse man "Integration behutsam entwickeln".

Als Arbeiter in der Landwirtschaft sieht der CSU-Politiker die Flüchtlinge jedenfalls nicht. Die Arbeit als Erntehelfer, etwa für Spargel und Erdbeeren, machten seit Jahrzehnten dafür spezialisierte Gastarbeiter. Flüchtlinge könnten mit ihnen nicht mithalten. "Wir wollen auch keine Reservebrigaden für die Erntehelfer aufbauen", sagte Schmidt der Zeitung.

EU angeblich vor Einigung über Verteilung von Flüchtlingen

Die EU-Innenminister beraten heute in Luxemburg über das weitere Vorgehen in der Flüchtlingskrise. Dabei geht es auch um die Umsetzung des Abkommens mit der Türkei zur Rücknahme von Flüchtlingen aus Griechenland. Die Vorbereitungen für die geregelte Aufnahme von Syrien-Flüchtlingen aus der Türkei stehen angeblich vor dem Abschluss. Nach dpa-Informationen wollen sich die EU-Staaten auf einen konkreten Verteilungsschlüssel für zunächst vier Monate einigen . Deutschland würde demnach monatlich 100 Syrien-Flüchtlinge aufnehmen, die derzeit in der Türkei leben. Insgesamt könnten aus dem Land pro Monat rund 1100 Menschen in die EU umgesiedelt werden.


als/dpa

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.