Verharmlosung von Zensur: Nobelpreisträger Mo empört Chinas Künstler

Literaturnobelpreisträger Mo Yan bringt seine Kollegen gegen sich auf. Mit der Relativierung der Zensur sorgt er für Entrüstung bei chinesischen Künstlern und Schriftstellern. Ai Weiwei nannte ihn einen "Wächter des diktatorischen Systems".

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Literaturnobelpreisträger Mo Yan: Zensur "notwendiges Übel"

Peking - Diese Worte von Mo Yan sorgen für Zündstoff: Zensur sei ebenso ein notwendiges Übel wie lästige Sicherheitskontrollen am Flughafen. Mit diesem Statement erzürnt der diesjährige Literaturnobelpreisträger Mo Yan viele Intellektuelle in seinem Heimatland China. "Er sollte sich schämen", sagte Künstler Ai Weiwei.

Der Regimekritiker verwies darauf, dass in China Künstler und Schriftsteller verhaftet oder bedroht würden. Mos Äußerungen vom Donnerstag seien eine mit der Regierung abgestimmte Erklärung. "Er ist ein Wächter des diktatorischen Systems und zugleich sein Nutznießer", sagte Ai. Schon nachdem bekannt wurde, dass der Preis an Mo verliehen werden soll, hatte Ai Weiwei diesen scharf kritisiert.

Der im Exil in den USA lebende chinesische Autor Yu Jie nannte Mo Yan einen "Lakaien des Systems". "Er verteidigt öffentlich die Zensur der Kommunistischen Partei - das ist wie einst das Loblied deutscher Schriftsteller auf Adolf Hitler und Joseph Goebbels", sagte der Intellektuelle.

"Mo Yans blinder Glaube an die Staatsgewalt und seine Ignoranz gegenüber persönlichen Rechten verwundert die Menschen", twitterte Ran Yunfei, ein Autor aus dem südwestchinesischen Chengdu. Mo Yan betrachte die Regierung als "den obersten Richter der Wahrheit".

Auch, dass Mo einen offenen Brief an den neuen chinesischen Parteichef Xi Jinping nicht unterschrieben hatte, sorgte für Empörung. 134 Nobelpreisträger fordern in dem Schriftstück die Freilassung des inhaftierten Friedensnobelpreisträgers Liu Xiaobo. Mo verweigerte seine Signatur.

Auf einer Pressekonferenz am Donnerstag in Stockholm wich der Autor Fragen über seinen inhaftierten Kollegen aus und bat die Journalisten, nicht weiter auf Antworten zu drängen. In der Vergangenheit hatte Mo einmal gesagt, er hoffe auf die schnelle Freilassung Lius.

Patrick Poon, Direktor des Hongkonger PEN-Zentrums unabhängiger chinesischer Schriftsteller, zweifelte daran, dass ein Unterstützer der Zensur als Literaturnobelpreisträger akzeptiert werden könne. "Wir alle sollten uns fragen, ob ein solcher Schriftsteller den höchsten Literaturpreis verdient hat", sagte Poon.

Mo Yan verbringt einige Tage in Stockholm, bevor er am Montag in Oslo den Nobelpreis für Literatur entgegennimmt.

rit/dpa/AP

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