Interaktive Grafik Hier ist die Homo-Ehe erlaubt

"Ja, ich will!" In Irland ist die gleichgeschlechtliche Ehe jetzt beschlossene Sache. Wie sieht es im Rest Europas aus? Der Überblick.

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Hochzeitskuchen mit lesbischem Brautpaar: Nicht in allen europäischen Ländern erlaubt
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Hochzeitskuchen mit lesbischem Brautpaar: Nicht in allen europäischen Ländern erlaubt


Die Iren haben ihr Ja-Wort gegeben: Rund 62 Prozent der Bevölkerung stimmten für eine gesetzliche Gleichberechtigung homosexueller Ehepaare. Doch nicht alle europäischen Staaten begegnen der Homo-Ehe mit so viel Offenheit. In Nordirland zum Beispiel dürfen gleichgeschlechtliche Paare auch weiterhin nicht heiraten, obwohl es im restlichen Großbritannien längst möglich ist. Die Gesetzeslagen unterscheiden sich stark.

Homo-Ehe in Europa
Wodurch unterscheidet sich die Homo-Ehe von der Ehe zwischen Mann und Frau?

Durch nichts. Mit Irland erlauben nun zwölf EU-Länder die gleichgeschlechtliche Ehe und stellen sie damit rechtlich gesehen auf eine Stufe mit der Ehe von heterosexuellen Paaren: Die Ehepartner haben die gleichen Rechte und Pflichten, gleichgeschlechtliche Partnerschaften werden vom Staat voll anerkannt. Nur auf eine kirchliche Trauung müssen sie verzichten - Segnungen sind in manchen Kirchen und Regionen allerdings möglich.

Was ist eine "eingetragene Lebenspartnerschaft"?

In vielen Ländern können homosexuelle Paare zwar nicht heiraten, aber ihre Beziehungen als eingetragene Lebenspartnerschaft rechtlich absichern lassen. Manche Staaten garantieren ihnen damit die gleichen Rechte wie heterosexuellen Ehepaaren. Andere Staaten gewähren homosexuellen Paaren nur eingeschränkte Rechte. In den einzelnen Ländern gibt es große Unterschiede - vor allem im Adoptions- oder Steuerrecht.

In Deutschland ist die rechtliche Grundlage im Lebenspartnerschaftsgesetz geregelt. 2013 beschloss der Bundestag nach einem Urteil des Bundesverfassungsgerichts die steuerliche Gleichstellung: Das Ehegattensplitting gilt seitdem auch für eingetragene Partnerschaften. Jetzt folgen weitere kleine Schritte - die Bundesregierung will im Wortlaut zahlreicher Gesetze die Vorgaben für Eheleute auch auf Lebensgemeinschaften schwuler und lesbischer Paare ausdehnen. Das Kabinett brachte dazu am Mittwoch einen Gesetzentwurf auf den Weg. Im Wesentlichen geht es um redaktionelle Änderungen von Vorschriften: So soll in diversen Gesetzespassagen beispielsweise neben dem Wort "Ehegatte" auch der Begriff "Lebenspartner" eingefügt werden.

In Frankreich, Belgien und Luxemburg haben homosexuelle wie auch heterosexuelle Paare sogar die Wahl zwischen einer Ehe und einer rechtlich abgespeckten eingetragenen Partnerschaft.

Dürfen Schwule und Lesben Kinder adoptieren?

Ja, sie dürfen - zumindest in den meisten Ländern, in denen sie auch heiraten dürfen. Portugal ist eine Ausnahme: Gleichgeschlechtliche Ehepaare dürfen dort zwar standesamtlich heiraten, jedoch keine Kinder adoptieren - auch nicht, wenn einer der Partner ein leibliches Kind mit in die Ehe bringt. Diese sogenannte Stiefkindadoption ist in den meisten Ländern erlaubt, in denen homosexuelle Paare ihre Lebenspartnerschaft eintragen können. Auch in Deutschland kann der gleichgeschlechtliche Partner das Kind der oder des Liebsten adoptieren, ein fremdes Adoptivkind können die schwulen oder lesbischen Paare jedoch nicht annehmen.

Wie ist die Lage in den Ländern, die gleichgeschlechtliche Partnerschaften bisher nicht anerkennen?

In einigen Ländern ist eine Eheschließung per Gesetz ganz klar nur zwischen Mann und Frau definiert. Eine Homo-Ehe ist dort also nicht möglich. In Kroatien etwa wurde erst 2013 in einer Volksabstimmung beschlossen, eine entsprechende Passage in die Verfassung aufzunehmen. Dennoch ist eine eingetragene Lebenspartnerschaft möglich.

Andere Länder haben keine rechtliche Grundlage für gleichgeschlechtliche Partnerschaften. In Albanien, Griechenland sowie in der Türkeiwerden eingetragene Lebensgemeinschaften deshalb nicht anerkannt. Künftig könnte sich die Situation für Homosexuelle in einigen Ländern jedoch ändern: In Estland, Finnland und Slowenien etwa sollen 2016 rechtliche Grundlagen für die Gleichstellung homosexueller Paare in Kraft treten. Die Karte stellt die aktuell gültige Gesetzeslage dar.

Was passiert, wenn homosexuelle Ehepaare in ein anderes Land ziehen?

Die europäische Freizügigkeit erlaubt es EU-Bürgern, in allen Mitgliedstaaten zu arbeiten und zu leben. Nicht selten folgt die ganze Familie, wenn einer der Ehepartner in ein anderes Land zieht. Kompliziert wird es, wenn schwule oder lesbische Paare in einem Land heiraten, in dem die Homo-Ehe erlaubt ist, und dann umziehen. In diesem Fall sollten sie ihre Ehe beim Konsulat ihres Heimatlandes eintragen lassen. Wenn einer der Partner zum Arbeiten in ein anderes EU-Land zieht, dürfen Ehemann oder Ehefrau mitkommen - die Eheleute werden jedoch nicht immer als verheiratetes Paar anerkannt.



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