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Pressestimmen zur Griechenwahl: "Jetzt liegt es an Merkel"

Was bedeutet der Wahlausgang in Athen für Europa? In den Leitartikeln internationaler Zeitungen überwiegt die Sorge um den Euro. In einem sind sich viele Blätter einig: Die Zukunft Griechenlands wird nicht in Athen, sondern in Berlin entschieden.

Wahlsieger Samaras in Athen: Europas Zeitungen nehmen nun Berlin in die Pflicht Zur Großansicht
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Wahlsieger Samaras in Athen: Europas Zeitungen nehmen nun Berlin in die Pflicht

Hamburg - Der Sieg der Konservativen bei der Wahl in Athen lässt Europa aufatmen: Es wird damit gerechnet, dass die Nea Dimokratia zusammen mit der sozialistischen Pasok eine proeuropäische Regierung formt. Doch in den Leitartikeln der europäischen Zeitungen überwiegt die Sorge vor der unklaren Zukunft Griechenlands. Viele Kommentatoren wollen die Bundesregierung stärker in die Pflicht nehmen.

  • Die konservative britische Zeitung "The Times" schreibt zur Wahl in Athen:

"In Griechenland ist wohl eine Blockade vermieden worden. Doch wir wissen immer noch nicht, ob die Zukunft des Landes in der Euro-Zone langfristig tragbar sein wird. Die Wahl hat zwar in Griechenland stattgefunden, doch in Wirklichkeit wird Deutschland über die Zukunft Griechenlands entscheiden. Doch die Unsicherheit über die Absichten Berlins belasten die Wirtschaft Europas, auch die deutsche. Das von Mrs. Merkel konzipierte EU-weite Sparprogramm hat die Lage nicht verbessert und häufig verschlimmert. Deutschland klärt nur sehr langsam seine Vorstellungen für die Weiterentwicklung der Gemeinschaftswährung. Die Griechen haben nun abgestimmt. Jetzt liegt es an Mrs. Merkel, den Ausgang der Wahl mitzugestalten."

  • Auch die linksliberale römische Tageszeitung "La Repubblica" sieht jetzt Berlin in der Pflicht:

"Nur schwerlich wird Deutschland weiterhin immer nur Nein sagen können. Die einzige wirkliche Gefahr nach der Antwort der Griechen an den Wahlurnen ist, dass Berlin sich nun der falschen Hoffnung hingibt, den x-ten Notstand überwunden zu haben, und glaubt, sich noch Zeit lassen zu können. Die Zeit ist überfällig, das haben am Sonntag die griechischen Wähler erklärt. Und das werden jetzt auch die Regierungschefs der G-20-Länder klarmachen, allen voran die Amerikaner. Beim nächsten EU-Gipfel am 28. Juni wird es dann an Draghi, Monti und Hollande sein, es der Kanzlerin begreiflich zu machen. Das wird nicht einfach sein, ein Scheitern kann man sich aber nicht erlauben."

  • Die "Neue Zürcher Zeitung" sieht Griechenland als ein tief zerrissenes Land:

"Auch eine Regierung mit den Konservativen an der Spitze ist noch keine Gewähr dafür, dass Griechenland in der Euro-Zone verbleiben kann. Der Chef der Nea Dimokratia, Antonis Samaras, verlangt ebenso wie die Pasok eine Aufweichung des von den Geldgebern verordneten strengen Sparkurses, der Griechenland zerstöre. Er fordert neue Verhandlungen. Die entscheidende Frage wird sein, wie groß der Spielraum wirklich ist. Das allerdings wird nicht in Athen entschieden. Wie immer die neue Regierung aussehen wird - grundlegende Strukturreformen sind unerlässlich für einen wirtschaftlichen Aufschwung. Für eine grundlegende Erneuerung des Staates müsste ein Ruck durch die ganze Nation gehen. Doch ist das Land heute zerrissener denn je."

  • Der belgische "De Standaard" kommentiert:

"Es ist deutlich geworden, dass Griechenland kein Druckmittel mehr für Neuverhandlungen hat. Es kann nur noch auf Gnade hoffen. Die Griechen müssen unter das Joch. Sich weiter widerspenstig zu geben, hätte den Zahlmeistern einen Vorwand geliefert, eine neue Euro-Zone ohne Griechenland zu schaffen. Das ist es, was die Euro-Krise mit Ländern und Völkern macht: sie haben nur noch die Wahl zwischen Unterwerfung oder finanziellem Untergang. Der Schaden ist größer als die verbrannten Milliarden. Die Idee der Einigung Europas ist fatal untergraben. Die Schicksalsverbundenheit, die wir Schritt für Schritt aufgebaut hatten, scheint nur noch eine Fassade zu sein. Die Unterschiede in den Ansichten zu Politik und Wirtschaft, ja zum Leben selbst, sind nicht bloß Nuancen, sondern unüberbrückbare Widersprüche."

  • Die sozialdemokratische schwedische Tageszeitung "Aftonbladet" schreibt:

"Für die Griechen stand die Euro-Zusammenarbeit auf dem Spiel. Sowohl die konservative Nea Dimokratia wie die Sozialdemokraten (als künftige Regierungsparteien) stehen hinter der bisherigen Sparpolitik. Das Problem ist, dass sie nicht funktioniert. (...) Deshalb liegt es im Interesse von ganz Europa, dass die Bedingungen für Kredithilfen neu verhandelt werden. (...) Die künftige Regierung hat nur begrenzten Spielraum im Parlament und ein schwaches Mandat. So lange Europa und vor allem Angela Merkel an ihrem bisherigen Kurs festhalten, kann die Regierung ihre Aufgabe fast nicht lösen."

fab/dpa

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1. Der belgische
GSYBE 18.06.2012
"Die Unterschiede in den Ansichten zu Politik und Wirtschaft, ja zum Leben selbst, sind nicht bloß Nuancen, sondern unüberbrückbare Widersprüche." Besser kann man es nicht ausdrücken. Deutschland steht mit seinem Modell des wirtschaftlichen Gulags isoliert in Europa. Die anderen Völker wollen dieses Modell nicht. Woher die - von Zeit zu Zeit in Umfragen veröffentlichte - angebliche Zufriedenheit der deutschen Bevölkerung kommen soll, bleibt schleierhaft. Spricht man privat mit Deutschen, sagt mindestens jeder Zweite, dass er die Nase voll hat und lieber heute als morgen abhauen würde. Das Merkel-Deutchland von heute: polierte Fassade, morsches Gebälk und jede Menge subtile Propaganda.
2. Raus aus dem Euro
heldenmut 18.06.2012
Den Griechen ist auch mit mehr Geld aus Deutschland nicht zu helfen. Sie müssen sich aus Euroland veranschoeden, die Drachme wieder einführen, eine eklatant hohe Abwertung in Kauf nehmen und Löhne und Preise um mehr als 30% senken, um ihre Wirtschaft anzukurbeln bzw. ihre intern. Wettbewerbsfähigkeit herzustellen. Ihre Schulden können die Griechen niemals mehr bedienen, das Geld ist verbrannt und verkonsumiert. Bei neuen Geldforderungen bedenke man, werfe nie gutes Geld schlechtem hinterher.
3.
KuGen 18.06.2012
Zitat von GSYBE"Die Unterschiede in den Ansichten zu Politik und Wirtschaft, ja zum Leben selbst, sind nicht bloß Nuancen, sondern unüberbrückbare Widersprüche." Besser kann man es nicht ausdrücken. Deutschland steht mit seinem Modell des wirtschaftlichen Gulags isoliert in Europa. Die anderen Völker wollen dieses Modell nicht. Woher die - von Zeit zu Zeit in Umfragen veröffentlichte - angebliche Zufriedenheit der deutschen Bevölkerung kommen soll, bleibt schleierhaft. Spricht man privat mit Deutschen, sagt mindestens jeder Zweite, dass er die Nase voll hat und lieber heute als morgen abhauen würde. Das Merkel-Deutchland von heute: polierte Fassade, morsches Gebälk und jede Menge subtile Propaganda.
Sicherlich .... ich möchte auch lieber auf einer Wolke leben. Doch wie komme ich dorthin ? Und wie erreichen mich dort die Transferzahlungen ? Kann ich den Pool auch gut verankern ? Mir gefällt das Merkel-Deutschland auch nicht. Aber Illusionen helfen nicht weiter. Und vor allem nicht das Erzeugen einer Super-Bubble (Eurobonds), welche gegen die Auswirkungen der alten Bubbles helfen soll.
4. Die Times - echte Doppelmoral
localpatriot 18.06.2012
Zitat von sysopAFPWas bedeutet der Wahlausgang in Athen für Europa? In den Leitartikeln internationaler Zeitungen überwiegt die Sorge um den Euro. In einem sind sich viele Blätter einig: Die Zukunft Griechenlands wird nicht in Athen, sondern in Berlin entschieden. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,839449,00.html
Grossbritannien machte bisher keine Unze Anstrengung oder Beitrag Griechenland zu helfen. Ein Schoenwetterfreund in London der Berlin die Blamage anhaengen will. So lange die britische Presse nicht die eigene Regierung zu Hilfeleistung anleitet hat sie keinerlei Glaubwuerdigkeit. Mr Cameron, show the Greeks your money first.
5.
heldenmut 18.06.2012
Zitat von GSYBE"Die Unterschiede in den Ansichten zu Politik und Wirtschaft, ja zum Leben selbst, sind nicht bloß Nuancen, sondern unüberbrückbare Widersprüche." Besser kann man es nicht ausdrücken. Deutschland steht mit seinem Modell des wirtschaftlichen Gulags isoliert in Europa. Die anderen Völker wollen dieses Modell nicht. Woher die - von Zeit zu Zeit in Umfragen veröffentlichte - angebliche Zufriedenheit der deutschen Bevölkerung kommen soll, bleibt schleierhaft. Spricht man privat mit Deutschen, sagt mindestens jeder Zweite, dass er die Nase voll hat und lieber heute als morgen abhauen würde. Das Merkel-Deutchland von heute: polierte Fassade, morsches Gebälk und jede Menge subtile Propaganda.
Nase voll hBen, verstehe ich, liegt am regnerischen Wetter und das im Juni. Aber abhauen wohin, in welchem Lande erginge es mir besser als im wirtschaftlich prosperierenden Deutschland. Alle beneiden uns um unsere erfolgreiche Exportindustrie, das soziale Netz, unseren Wohlstand und unsere Finanzkraft mit der Folge der niedrigsten Zinssätze bei Staatsanleihen seit Menschengedenken. Ich bleibe hier, sollen die abhauen, die woanders Aufbauhilfe leisten wollen gegen Gottes Lohn versteht sich.
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Zitterwahl in Griechenland: Pro-Euro-Partei setzt sich durch

Die wichtigsten Parteien in Griechenland
Pasok - sozialdemokratisch
Die Panhellenische Sozialistische Bewegung (Pasok) schaffte bei der vergangenen Parlamentswahl 2009 mit 43,9 Prozent einen Erdrutschsieg - und wurde bei der Wahl am 6. Mai dieses Jahres brutal abgestraft (13,2). Die Partei um den Vorsitzenden Evangelos Venizelos hat vor allem wegen der harten Sparmaßnahmen der Regierung deutlich an Unterstützung verloren. Pasok ist für den Verbleib Griechenlands in der Euro-Zone. Dafür müsse das Sparprogramm konsequent befolgt werden, fordern sie. Auch bei der Neuauflage der Wahl wird der Partei ein schwaches Ergebnis vorhergesagt.
ND - liberal-konservativ
Die konservative Nea Dimokratia (ND) fordert vehement den Verbleib Griechenlands in der Euro-Zone. Vorsitzender ist der Ökonom Antonis Samaras, 60. Die Partei hatte Griechenland 1981 in die damalige Europäische Gemeinschaft geführt. Samaras hat den Gläubigern des Landes zugesichert, dass auch nach den Wahlen das Stabilisierungs- und Sparprogramm für Griechenland weiter umgesetzt werden. Dafür bekam seine Partei bei der Wahl am 6. Mai die Quittung: Auf 18,9 Prozent kam ND, 2009 waren es noch 33,5 Prozent gewesen. Wie Pasok dürfte auch Nea Dimokratia bei der Neuwahl schlecht abschneiden.
KKE - kommunistisch
Die Kommunistische Partei Griechenlands (KKE) fordert vehement den sofortigen "Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone und der EU". Kein Cent solle an die Gläubiger gezahlt werden. Die 1918 gegründete Partei vertritt marxistische und leninistische Thesen. Die Vorsitzende Aleka Papariga führt die Partei seit 1991. Sie konnte im Vergleich zu den großen Volksparteien bei der ersten Wahl 2012 um einen Prozentpunkt zulegen und kam auf 8,5. Die Chancen der Kommunisten stehen auch am 17. Juni gut.
Laos - rechtspopulistisch
Die Orthodoxe Volkszusammenkunft (Laos) ist eine rechtsorientierte Partei. Sie ist für den Verbleib Griechenlands in der Euro-Zone. Das Sparprogramm müsse aber neu ausgehandelt werden, fordern sie. Migranten sollten sofort das Land verlassen. Laos liegt in Umfragen bei etwa 4,5 Prozent. Vorsitzender ist Giorgos Karatzaferis, der aus der ND ausgeschlossen wurde. Mit 2,9 Prozent verfehlte die Partei bei der letzten Wahl den Einzug ins Parlament hauchdünn. Auch bei der Neuauflage muss die Partei zittern.
Syriza - linkes Wahlbündnis
Das Bündnis der Radikalen Linken (Syriza) könnte der große Gewinner der Krise werden. Die Partei lehnt das Sparprogramm der EU vehement ab. Zwar plädieren die Linken für den Verbleib Griechenlands in der EU und dem Euro-Land. Athen sollte aber einseitig erklären, es zahle seine Schulden nicht. Mit diesem radikalen Kurs holte die Partei am 6. Mai 16,8 Prozent der Stimmen (2009: 4,6 Prozent). Nun wird ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit der Nea Dimokratia prophezeit.
Chrysi Avgi - rechtsradikal
In der Krise feiern die radikalen Parteien Erfolge. So auch Chrysi Avi (Goldene Morgenröte, Abkürzung XA), eine rassistische, ausländerfeindliche und faschistische Partei. Sie spricht sich für die "Vertreibung" aller Migranten aus Griechenland aus. Viele ihrer Mitglieder sind gewaltbereit. Auf sieben Prozent brachten es die Neonazis bei der letzten Wahl (2009: 0,3 Prozent). Nun droht eine Wiederholung dieses spektakulären Resultats.
Unabhängige Griechen (Anel) - rechtslastig
Die Partei Unabhängige Griechen mit ihrem Vorsitzenden Panos Kammenos könnte ein weiterer Gewinner der Wahl werden. Aus dem Stand kamen die Rechten am 6. Mai auf 10,6 Prozent. Sie profitieren vom Hass auf die deutsche Regierung. "Die deutsche Führung versucht, das Gesicht Europas zu verändern", heizt Kammenos die Stimmung an. Das Land sei "besetzt" von den Geldgebern und müsse "befreit" werden. Athen sollte nichts an die Banken zurückzahlen. Die Partei ist ausländerfeindlich und fordert zudem deutsche Reparationszahlungen aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs.
Demokratische Linke (Dimar) - links
Die Dimar ist eine gemäßigte Abspaltung aus dem Bündnis der Linken. Die Partei setzt sich für den Verbleib im Euro-Land aus. Chef ist der Rechtsanwalt Fotis Kouvelis. 2009 war die Partei noch nicht angetreten, am 6. Mai 2012 brachte die es dann sofort auf 6,1 Prozent. Auch bei der Neuauflage der Wahl dürfte es für den Einzug in das Parlament locker reichen.
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