Weltfrauentag "Wir senken beschämt die Köpfe"

Vergewaltigungen, Gewalt, HIV: Frauen sind laut Internationalem Strafgerichtshof häufig Opfer von sexuellen Verbrechen und sterben im gebärfähigen Alter am häufigsten an Aids. Stimmen zum Internationalen Frauentag.

DPA

Den Haag/Neu-Delhi/Berlin - Der Internationale Strafgerichtshof verfolgt die schlimmsten Verbrechen wie Völkermord, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Zum Internationalen Frauentag teilte das Weltstrafgericht mit: In 70 Prozent der Prozesse werden die Angeklagten sexueller Verbrechen wie Vergewaltigung und sexueller Sklaverei beschuldigt.

Sexuelle Gewalt gegen Frauen werde in Konflikten weltweit häufig als Waffe eingesetzt, teilte der Strafgerichtshof mit und ermahnte die Staatengemeinschaft dazu, Gewalt gegen Frauen zu bekämpfen. "Es erfordert unsere kollektiven Bemühungen, die Kultur von Diskriminierung zu durchbrechen, die sexuelle und geschlechtsspezifische Verbrechen instand hält."

Anlässlich des Weltfrauentages hat auch Indiens Premierminister Narendra Modi öffentlich die Gewalt gegen Frauen in seinem Land verurteilt. "Wir senken beschämt die Köpfe, wenn wir von Verbrechen an Frauen hören", teilte er mit. Die Gruppenvergewaltigung einer Studentin in Neu-Delhi im Dezember 2012 hatte eine breite Debatte über Gewalt gegen Frauen in Indien ausgelöst.

Papst: "Frauen erspüren Dinge mit einem zärtlicheren Herz"

Die Regierung wolle Maßnahmen zum Schutz der Inderinnen ergreifen, teilte Modi nun mit. So sollten Hilfszentren errichtet werden, in denen sich weibliche Gewalt- oder Missbrauchsopfer rechtlich und psychologisch beraten lassen können. Der Politiker würdigte auch den "unerschütterlichen Mut und die grandiosen Leistungen von Frauen".

In Rom hat Papst Franziskus am Sonntag die "Wichtigkeit und Notwendigkeit der Präsenz von Frauen im Leben" hervorgehoben. "Eine Welt, in der die Frauen an den Rand gedrängt werden, ist steril, nicht nur weil die Frauen das Leben bringen, sondern weil sie uns dazu befähigen, weiterzusehen", sagte das Oberhaupt der katholischen Kirche nach dem Angelus-Gebet. Er würdigte all jene Frauen, "die jeden Tag versuchen, eine menschlichere und herzlichere Gesellschaft zu erschaffen". Der 78-Jährige betonte, Frauen ermöglichten es, "die Welt mit anderen Augen zu sehen, die Dinge mit einem Herz zu erspüren, das kreativer ist, geduldiger und zärtlicher".

In Deutschland bleibt HIV bei Frauen häufig lange unerkannt

Frauen und Mädchen hätten in vielen Regionen der Welt keine sexuelle Selbstbestimmung, mahnte am Sonntag das Aktionsbündnis gegen Aids - dies behindere auch den Schutz vor dem HIV-Virus.

In Deutschland warnte die Aids-Hilfe vor unerkannten Infektionen, besonders Frauen würden zu selten an HIV denken. Auch viele Ärzte legten Frauen demnach trotz deutlicher Symptome nicht häufig genug einen HIV-Test nahe, teilte die Organisation am Sonntag mit. Dadurch werde die Krankheit oft erst sehr spät erkannt. Manche litten daher bei der Diagnose schon unter dem Vollbild der Krankheit.

Aids ist weltweit die Haupttodesursache für Frauen im gebärfähigen Alter. Außerdem haben laut Aktionsbündnis etwa zwei Drittel der HIV-infizierten Schwangeren keinen Zugang zu Medikamenten, die das Risiko einer Übertragung von der Mutter auf das Kind fast vollständig verhindern können.

Dass Armut sexistisch ist, prangert auch ein Bericht der Entwicklungsorganisation One zum Weltfrauentag an. Demnach hätten Frauen in den ärmsten Ländern der Welt nicht den gleichen Zugang zu Gesundheitsversorgung, Bildung, zu landwirtschaftlichen Gerätschaften und zu Saatgut wie Männer. 35 prominente Frauen haben sich deshalb mit einem offenen Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel gewandt. Als Unterzeichner listet die entwicklungspolitische Organisation One auf ihrer Homepage auch Sängerin Lady Gaga, Oskar-Preisträgerin Meryl Streep und Facebook-Chefin Sheryl Sandberg auf.

In Deutschland wird derzeit vor allem über den Vorschlag von Familienministerin Manuela Schwesig, SPD, diskutiert: Sie fordert ein Gesetz zur gleichen Bezahlung von Männern und Frauen. Unionsfraktionschef Volker Kauder bremste das Vorhaben aus.

dpa/lgr



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insgesamt 4 Beiträge
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Hatch 08.03.2015
1.
Müssen wir am Weltfrauentag wirklich etwas vom Papst hören ? Wie lange und wie viele Bischöfinen gibt es denn heute ? Wer hat 2000 Jahre lang Frauen unterdrückt ? Und es ist Religion im Allgemeinen, mit der Mann Frauen unterdrückt hat. In manchen islamischen Ländern müssen sich Frauen immer noch in Kartoffelsäcken kleiden und haben ohnehin kaum Rechte. Katholiken haben etliche Jahrhunderte dazu beigetragen, dass Frauen eine geringere Stellung in der Gesellschaft hatten. Bevor wir nicht einen schwarzen Papst, einen schwulen Papst und eine Päpstin hatten, würde ich mich dezent zurück halten mit meiner Kritik an Missständen in der Welt. Achja, und solange man die Massenvergewaltigungen an Kindern nicht ernsthaft und ehrlich aufklärt und nicht aufhört Sexualverbrecher wissentlich in neue Gemeinden schickt, sollte man sich zu moralischen Themen auch besser ausschweigen. Liebe Frauen, kämpft für eure Rechte, ihr habt sie verdient, aber schaut euch bitte auch ehrlich an, wer euch diese Rechte jahrhundertelang verweigert hat
ohemmer69 08.03.2015
2. Das erfreuliche
an diesem Artikel ist, daß er, nur um des Themas Willen, die Stellung der Frau hierzulande nicht künstlich skandalisiert. Ich sehe zwar die Einführung einer Quotenregelung eher kritisch. Allerdings liefert dieser Bericht einen eindringlichen Beweis für den akuten Handlungsbedarf gegen die weltweite Unterdrückung vorzugehen und alle Bemühungen darum zu unterstützen. Ich gehe sogar soweit zu behaupten, dass darin der Schlüssel zur Lösung fast aller aktuellen Konflikte und humanitären Katastrophen liegt.
FairPlay 08.03.2015
3. Es wird höchste Zeit
dass sich auch der Vatikan zur Gleichberechtigung der Frau bekennt. Hatte sie doch selbst die Rolle der Frau ( z.B. Maria Magdalena ) 400 Jahre lang die Bibel ständig umgeschrieben bis die Rolle der Frau aus der Bibel verschwunden war. Hierzulande wünschte ich mir, dass Gewalt an Frauen vom Gesetzgeber konsequenter verfolgt und bestraft wird. In einem Sozialstaat wie dem unsrigen von dem Fr. Merkel öfter gern mal redet, gehört auch die Soziale Gleichberechtigung der Frau in unserer Gesellschaft. Gleiche Arbeit gleicher Lohn. Für Mann wie für Frau.
schattenrose 31.08.2015
4. Liebe Mitbürger!
Lasst euch nicht manipulieren! Mann und Frau sollen sich wertschätzen und nicht gegeneinander aufgehetzt werden. Es ist eine Illusion, dass Frauen von Männern unterdrückt werden. Nie wurden sie mehr unterdrückt als heute. Versuchen Sie doch mal sich als Hausfrau zu verwirklichen. viele haben eben keine Freiheit zu wählen, wie sie leben möchten. Es mangelt am Geld, dadurch werden wir vom Kinder kriegen abgehalten und in das Sich immer schneller drehende Wirtschaftliche Hamsterrad gesteckt!
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