Belgrad - Die Regierung in Belgrad hat Klage gegen den Nachbarstaat Kroatien erhoben. Dem Land wird darin Völkermord während einer Offensive im Jahr 1995 vorgeworfen, bei der Zehntausende Serben fliehen mussten. Im Mittelpunkt stehen außerdem Tötungen während des Zweiten Weltkriegs. Die Klage wurde am Montag bei dem Internationalen Gerichtshof in Den Haag eingereicht, teilte das serbische Außenministerium mit.
Kroatien sprach von einer Beleidigung. Das Land hat Serbien bereits 1999 wegen des Balkankrieges von 1991 bis 1995 vor dem Internationalen Gerichtshof verklagt und erklärt, die Tötung oder Vertreibung von mehreren tausend Kroaten komme einem Völkermord gleich. Die Regierung in Zagreb fordert deswegen eine Entschädigung. Das Gericht in Den Haag ließ die Klage im November 2008 zu.
Serbien hatte hingegen argumentiert, die Regierung sei damals im Zuge der Auflösung von Jugoslawien nicht Uno-Mitglied gewesen und habe auch die Konvention gegen Völkermord nicht unterzeichnet.
Im Fall einer ähnlichen Klage von Bosnien-Herzegowina gegen Serbien entschied der Internationale Gerichtshof im Februar 2007, dass die Regierung zwar keine direkte Verantwortung für den Völkermord in Bosnien habe. Zugleich befanden die Richter aber, dass Serbien vorzuwerfen sei, dass es das Massaker an 8000 bosnischen Muslimen in Srebrenica nicht verhindert habe.
Mutmaßlicher serbischer Kriegsverbrecher festgenommen
Der frühere politische Führer der bosnischen Serben, Radovan Karadzic, muss sich als Verantwortlicher für die schwersten Menschenrechtsverbrechen seit dem Zweiten Weltkrieg zurzeit vor dem Uno-Tribunal verantworten.
Serbien versucht, zahlreiche Kriegsverbrecher zu fassen und zu verurteilen, die bisher unbehelligt im Land leben konnten. Damit soll die Voraussetzung für eine schnelle Annäherung des Landes an die EU geschaffen werden. Am Sonntag wurde der bisher flüchtige mutmaßliche serbische Kriegsverbrecher Darko Jankovic festgenommen. Er wird für schwerste Verbrechen im ostbosnischen Zvornik verantwortlich gemacht. Wenigstens 19 Menschen sollen direkt von Jankovic ermordet worden sein.
kgp/AFP/APD
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