Interview in US-Fernsehen Assad schiebt Schuld an Gräueltaten auf Opposition

Tausende Menschen sind in Syriens Bürgerkrieg gestorben - doch Präsident Assad weist jede Verantwortung von sich. Im Interview mit dem US-Sender ABC behauptet er, die Gewalt gehe von den Regierungsgegnern aus. Russland schickt einen Flugzeugträger Richtung Syrien, angeblich für ein Manöver.

AFP/ SANA

Hamburg - Syriens Präsident Baschar al-Assad hat die Verantwortung für die anhaltende Gewalt in seinem Land zurückgewiesen. In einem Interview mit dem US-Sender ABC sagte Assad: "Es gab keinen Befehl zu töten oder brutal vorzugehen."

Es ist das erste Interview, das Assad einem US-Fernsehsender seit Beginn des blutigen Aufstands gegen sein Regime gewährt.

Assad distanzierte sich von der Gewaltanwendung der Sicherheitskräfte gegen die Opposition. Er sagte, er sei Präsident, aber nicht "Eigentümer" des Landes. Er führte die Gewalt auf "einige Fehler von bestimmten Verantwortlichen" zurück. Es seien nicht seine Sicherheitskräfte, fügte Assad hinzu.

Die meisten Toten seien Unterstützer seiner Regierung und nicht umgekehrt, sagte Assad. Die Vereinten Nationen gehen von 4000 Toten in dem Konflikt aus - laut Uno mehrheitlich Oppositionelle und nicht Assad-Anhänger.

"Ich habe mein Bestes getan"

Dennoch attestierte sich Assad ein reines Gewissen: "Ich habe mein Bestes getan, um das Volk zu beschützen, also kann ich mich nicht schuldig fühlen", sagte der Machthaber. Die Schuld an der Gewalt hätten Banden bewaffneter Krimineller.

Assad, der internationale Journalisten aus Syrien ausgeschlossen hat, sprach mit der US-Journalistin Barbara Walters. Die 82 Jahre alte Walters ist bekannt für ihre persönlich gefärbten Interviews, in denen sie Prominente nach Privatem befragt. Sie moderiert auf ABC auch die Morgensendung "The View".

Als Walters Assad auf die Verhaftung von Minderjährigen ansprach, sagte Assad: "Um ehrlich zu sein, Barbara, ich glaube Ihnen nicht."

Auch wenn Assad die persönliche Verantwortung zurückwies, meldet die Opposition immer neue Übergriffe durch Regierungskräfte. Erst in der Nacht zu Dienstag berichteten Menschenrechtler von einer Massenhinrichtung in der Protesthochburg Homs. Die 34 Getöteten seien von der Schabiha-Miliz gefangen genommen worden, die Assad unterstehen soll. Auch Berichte von "Amnesty International" dokumentieren schwere Menschenrechtsverletzungen wie Folter in Syrien.

Was internationale Strafmaßnahmen angeht, gab sich Assad unbekümmert: "Wir sind seit 30, 35 Jahren unter Sanktionen, es ist nichts Neues", sagte der Präsident.

Clinton trifft syrische Opposition

Der internationale Druck auf das Assad-Regime hatte sich in den vergangenen Wochen verschärft. Die Europäische Union verschärfte ihre Strafmaßnahmen, auch die Arabische Liga verhängte am Wochenende Sanktionen, unter anderem ein Reiseverbot gegen ranghohe Mitglieder der Regierung.

US-Außenministerin Hillary Clinton traf am Dienstag in Genf Vertreter der syrischen Opposition - und verlangte von ihnen ein Bekenntnis zu Freiheit und Menschenrechten. "Ein demokratischer Wandel bedeutet mehr als den Sturz des Assad-Regimes", sagte Clinton vor dem zweistündigen Treffen mit sieben Vertretern des oppositionellen Syrischen Nationalrates, der im Oktober gegründet wurde.

In einem Syrien nach Assad müssten die Rechte von Minderheiten und Frauen geschützt werden, fügte Clinton hinzu. Der Nationalrat gründete sich im Oktober und legte im November ein Programm vor, das nach dem Sturz Assads eine einjährige Übergangsphase bis zu Parlamentswahlen vorsieht.

Der US-Botschafter in Syrien, Robert Ford, kehrt nach Damaskus zurück, nachdem er aus Sicherheitsgründen Ende Oktober nach Washington zurückgerufen worden war. Anlass war seinerzeit nach US-Angaben eine Reihe von Drohungen und eine Hetzkampagne syrischer Staatsmedien gegen den Diplomaten. "Wir glauben, dass seine Anwesenheit in dem Land zu den wirksamsten Mitteln gehört, dem syrischen Volk die Botschaft zu vermitteln, dass die USA an seiner Seite stehen", sagte ein Sprecher des US-Außenministeriums.

Russland schickt Flugzeugträger

Russland hat seinen Flugzeugträger "Admiral Kusnezow" und weitere schwere Kriegsschiffe zu einer Übung Richtung Syrien in Gang gesetzt. Die Schiffe sollen im Mittelmeer an einem internationalen Manöver teilnehmen und auch in die russische Militärbasis Tartus in Syrien einlaufen.

Russische Medien hatten berichtet, Moskau wolle damit im Syrien-Konflikt eine Drohkulisse gegenüber der Nato aufbauen. Unter anderem hätten auch ein U-Boot-Zerstörer und mehrere Versorgungsschiffe ihren Hafen verlassen, hieß es. Ein Marinesprecher sagte, die Fahrt sei schon vor langer Zeit geplant und habe keinerlei Verbindung zum Aufstand in Syrien.

Russland hatte sich in der Vergangenheit vehement dagegen ausgesprochen, Sanktionen gegen Syrien zu verhängen. Die Regierung von Präsident Assad ist ein wichtiger Abnehmer russischer Waffen.

fab/dapd/AFP

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insgesamt 57 Beiträge
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kellitom 07.12.2011
1. Abtreten, Herr Assad
Wer hat denn mit der Gewalt gegen das eigene Volk begonnen. Das war doch Assad. Jetzt braucht er sich nicht zu wundern, wenn sich das Volk wehrt. Assad sollte zurücktreten, nur so läßt sich der Bürgerkrieg in Syrien beenden.
rst2010 07.12.2011
2.
Zitat von sysopSyriens Präsident wäscht seine Hände in Unschuld, trotz des Bürgerkriegs mit Tausenden Toten. Im Interview mit einem*US-Sender behauptete Assad,*die meisten Toten seien unter seinen Unterstützern zu beklagen. Sanktionen des Westens machten keinen Eindruck auf ihn. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,802231,00.html
die art von unschuld, bei der nach dem waschen die hände bluttriefend sind.
rst2010 07.12.2011
3. unschuld
Zitat von sysopSyriens Präsident wäscht seine Hände in Unschuld, trotz des Bürgerkriegs mit Tausenden Toten. Im Interview mit einem*US-Sender behauptete Assad,*die meisten Toten seien unter seinen Unterstützern zu beklagen. Sanktionen des Westens machten keinen Eindruck auf ihn. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,802231,00.html
die art von unschuld, bei der nach dem waschen die hände bluttriefend sind.
LinkesBazillchen 07.12.2011
4. Wir hören sonst nur eine Seite
Zitat von kellitomWer hat denn mit der Gewalt gegen das eigene Volk begonnen. Das war doch Assad. Jetzt braucht er sich nicht zu wundern, wenn sich das Volk wehrt. Assad sollte zurücktreten, nur so läßt sich der Bürgerkrieg in Syrien beenden.
Wer ist das Volk, das da aufbegehrt? Wem nützt das Ganze? Siehe Ägypten und in Libyen wird es auch kommen, nicht die Demokraten werden siegen, sondern die Mulimparteien werden die Macht ergreifen. Und die sind so lupenreine Demokraten wie Putin. Und wir werden mit Nachrichten gefüttert um da noch Hurra zu schreien.
kirsberrydk 07.12.2011
5. ist schon mal jemandem ...
... die frappierende Ähnlichkeit bezogen auf die Optik des Herrn Assad mit dem (ebenfalls ein Massenmörder) selbsternannten "GröFaZ" aufgefallen? Das Bärtchen unter der Nase, die tief in den Augenhöhlen liegenden Augen, ... Hoffen wir nur, dass der Depot Assad schneller keinen Zugang zur Macht mehr hat, als damals diese braune Witzblattfigur aka Massenmörder.
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