Putsch in Mali: Afrikanische Union will Junta zur Aufgabe zwingen

Meuternde Soldaten haben in Mali den Staatschef gestürzt - wenige Wochen vor der Wahl. Die Afrikanische Union will nun gegen die Putschisten vorgehen, erklärt ihr Vorsitzender Nassirou Bako-Arifari im Interview. Wenn die Junta nicht einlenke, werde man ein militärisches Eingreifen erwägen.

Putschistenanführer Amadou Sanogo (M.): "Sie glauben, sie haben die dickeren Muskeln" Zur Großansicht
AFP

Putschistenanführer Amadou Sanogo (M.): "Sie glauben, sie haben die dickeren Muskeln"

SPIEGEL: In Bamako hat vergangene Woche ein Trupp Soldaten Präsident Amadou Toumani Touré gestürzt und die Verfassung außer Kraft gesetzt. Wird die AU das hinnehmen?

Bako-Arifari: In Mali herrschten Demokratie und Rechtsstaat, das Land war eine Hoffnung für den Rest des Kontinents. Diesen Angriff darf Afrika nicht tolerieren. Solange die Junta an der Macht ist, wird automatisch die Mitgliedschaft Malis in der AU und in der westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft suspendiert.

SPIEGEL: Damit wollen Sie die Junta zur Aufgabe bewegen?

Bako-Arifari: Zuerst schicken wir eine Delegation, die den Putschisten klar macht, dass wir sie nicht akzeptieren werden. Wenn sie das nicht verstehen und sich nicht zurückziehen, werden wir härter vorgehen.

SPIEGEL: Mit Wirtschaftssanktionen?

Bako-Arifari: Die würden zu langsam greifen. Diese Leute sind Soldaten, die meisten wohl niedere Dienstgrade, Unteroffiziere. Sie glauben, sie haben die dickeren Muskeln. Wir werden erst politischen Druck ausüben, aber notfalls auch militärisch eingreifen.

SPIEGEL: Die bisher eher als zahnlos geltende AU will eine Truppe nach Mali schicken?

Bako-Arifari: Ja, das schließe ich nicht aus. Unterschätzen Sie unsere Entschlossenheit nicht.

Das Interview führte Jan Puhl

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1. Klasse !
hbblum 29.03.2012
Da wollen die dicken Diktatoren den anderen dicken Diktator verjagen? Aber bleibt doch locker Jungs, mit Geld lässt sich doch alles regeln....
2. ...
billy pilgrim 29.03.2012
Zitat von hbblumDa wollen die dicken Diktatoren den anderen dicken Diktator verjagen? Aber bleibt doch locker Jungs, mit Geld lässt sich doch alles regeln....
nein, genau das ist der richtige Weg. Um zu beweisen, dass die AU sich nicht nur routinemäßig über die Interventionen außerafrikanischer Mächte (zuletzt in Libyen, davor in Côte d`Ivoire etc) aufregen, sondern selbst auch eine sicherheitspolitische Hauptrolle auf ihrem Kontinent spielen kann, sollte sie in Zukunft selbst das Zepter in die Hand nehmen. Es gibt genug demokratische und stabile Staaten in Afrika, die hierbei eine führende Rolle spielen können. Alles andere ist genau die gleiche Unglaubwürdigkeit, mit der sich die AU um eine eigene Haltung zu Libyen gedrückt hat. Ich wünsche den großartigen, friedliebenden Menschen in Mali ein möglichst schnelles und unblutiges Ende dieser sinnlosen Aktion. Die Rebellen bewirken mit ihrem Putsch das genaue Gegenteil, von dem, was sie offiziell als Motivation angeben. Es werden nun noch weniger Touristen ins Land kommen, die Wirtschaft wird noch stärker leiden und die Ressentiments gegenüber dem Norden bzw. den Touareg werden noch größer werden.
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Zur Person
Nassirou Bako-Arifari, 49, ist Außenminister der Republik Benin, die im Januar 2012 turnusgemäß den Vorsitz der Afrikanischen Union übernommen hat. Bako-Arifari hat mehrere Jahre in Deutschland gelebt und an den Universitäten von Mainz und Bayreuth wissenschaftlich gearbeitet.

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