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Erste US-Vorwahlen: Das war Iowa - und jetzt?

Von , Des Moines, Iowa

Trump-Unterstützerin In Iowa: Caucus gelaufen - jetzt geht's nach New Hampshire Zur Großansicht
DPA

Trump-Unterstützerin In Iowa: Caucus gelaufen - jetzt geht's nach New Hampshire

Donald Trump schrumpft, Hillary Clinton kann ihren Traum vom schnellen Sieg vergessen: Die Abstimmung in Iowa hat den US-Wahlkampf auf den Kopf gestellt. Fünf Lehren für den nächsten Durchgang in New Hampshire.

Der Anfang ist gemacht: Mit Iowa ist das erste Ergebnis des US-Vorwahlmarathons eingebucht. Es gab Überraschungen: Ted Cruz schlägt Donald Trump, Bernie Sanders stoppt Hillary Clinton.

War das schon eine Vorentscheidung? Können die Gewinner davon langfristig profitieren, was müssen die Verlierer anders machen?

Am Ende bleiben fünf Lehren, die die Vorwahl-Saison prägen dürften.

1. Donald Trump ist nicht mehr unverwundbar

Es war ein Novum für Donald Trump: Der Milliardär, dessen gesamter Wahlkampf, ja, dessen Existenz auf dem Konzept "Sieg" beruht, verlor in Iowa. Er kam nur auf den zweiten Platz und landete nur knapp vor dem Drittplatzierten, dem jungen Senator Marco Rubio. Der Mann, der schwor, sich mit einem solchen Ergebnis nie zufrieden geben zu können, lernt die bittere Lehre jedes Politikers: Erfolg besteht nicht allein aus Ego, Protz und Prahlerei.

Offen bleibt, wie Trump diese Lektion verdaut. Seine Abschiedsrede in Iowa war erstaunlich demütig. Wird er nun umgänglicher? Zweifel sind berechtigt: In New Hampshire, wo am 9. Februar die nächsten Vorwahlen anstehen, liegt er weit vorne. Doch alle wissen jetzt: Trump ist nicht mehr unverwundbar, er ist zu schlagen. Medienhype und Celebrity sorgen für Quoten. Wählerstimmen sind eine andere Sache.


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Donald Trump in Iowa: Ausgetrumpt
2. New Hampshire wird spannender denn je

New Hampshire rühmte sich immer schon, der wahre frühe Entscheidungsstaat zu sein. Zu verzerrt, zu unrepräsentativ ist Iowa, zu kryptisch das Caucus-Verfahren. Diesmal könnte sich wirklich viel entscheiden in dem Neuenglandstaat, Motto: "Live free or die."

Bei den Republikanern wird sich zeigen, ob Ted Cruz eine Eintagsfliege ist, ob Marco Rubio Durchhaltevermögen hat - und ob das Phänomen Trump in sich zusammenfällt wie ein Soufflee. Bei den Demokraten wird das Duell zwischen Hillary Clinton und Bernie Sanders, zwischen Pragmatismus und Idealismus, eskalieren. Zieht Sanders erneut gleich oder hängt er Clinton sogar ab, wird es noch eine lange Vorwahlsaison.

Ergebnisse der US-Vorwahlen
3. Meinungsumfragen sind teure Zeitverschwendung

Mehr denn je lagen die Umfragen in Iowa daneben. Vor allem bei den Republikanern, wo die Demoskopen einen Sieg Trumps prophezeit hatten. Die Ursachen sind nicht neu: Viele Wähler in Iowa entscheiden sich offenbar erst in letzter Minute. Hinzu kommen unzuverlässige Umfragemethoden, die von Natur aus schwer abschätzbare und letztlich hohe Wahlbeteiligung - und ein Wintersturm, der am Caucus-Abend nicht eintraf. Das kam Cruz und Rubio zugute, die es schafften, viele Erstwähler aus dem Haus zu locken. Dem Trump-Team dagegen fehlte ein solches "ground game".

Trotzdem werden die TV-Sender auch bei den nächsten Vorwahlen weiter auf die Umfragen starren, sie sezieren, debattieren, analysieren. Statt auf Inhalte konzentrieren sie sich sowieso lieber auf das "horse race" - wer liegt vorne, wer liegt hinten? Und stimmen die Umfragen erneut nicht, kann man auch das wieder endlos diskutieren.

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Erster US-Caucus: So lief die Wahl in Iowa
4. Die Wut der Wähler ist wahr

Die vielzitierte Wut der amerikanischen Wähler ist wahr - und ernstzunehmen. Es ist eine Wut aufs Establishment, auf den Status Quo, auf Washington. Sie befeuert den Aufstieg von Ted Cruz, der sie besser formulierte als der Lustpöbler Trump, obwohl der Senator selbst längst auch ein Produkt Washingtons ist. Und sie befeuert Bernie Sanders, der nicht nur der Wall Street den Krieg erklärt hat, sondern auch der politischen Mauschelei und Lethargie seiner Partei.

Es ist die Wut der weißen, schwindenden US-Mittelklasse: Wut auf den wirtschaftlichen und demografischen Wandel, der sie zurücklässt; Wut auf ein System, das gegen sie arbeitet. Hinter dieser Wut wiederum steckt eine existenzielle Angst vor Irrelevanz. Kein Wunder, dass die Sieger der Nacht aus den extremen Polen des Spektrums kommen.

5. Iowa? War da was?

In wenigen Stunden schon wird keiner mehr zurückblicken nach Iowa. Die meisten Kandidaten sind längst nach New Hampshire weitergejettet. Andere machen ein paar Tage Pause - der Republikaner Ben Carson, der auf gerade mal 9,3 Prozent kam, ließ mitteilen, er müsse sich jetzt zu Hause "frische Wäsche" abholen. Wieder andere verabschiedeten sich ganz aus dem Rennen - Mike Huckabee bei den Republikanern, Martin O'Malley bei den Demokraten, weitere dürften folgen, Jeb Bush etwa. Übrig bleiben Zahlen für die Statistik - und ein schlechter Nachgeschmack: Wochenlang redeten alle über Iowa, dann war es nur ein Schluckauf. Wer gewann die Caucus 2012 noch mal?

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insgesamt 18 Beiträge
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1.
rayzar 02.02.2016
Meinen sie nicht den 09. Februar anstatt den 09. November zur Wahl in New Hampshire? - - - - Vielen Dank für den Hinweis, wir haben den Fehler korrigiert. K. Bonte/Redaktion
2.
demophon 02.02.2016
Der Wahlausgang in Iowa sagt überhaupt nichts über den Verlauf der weiteren Abstimmungen voraus. Kaum ein anderer Staat wird dermaßen von den Evangelikalen bestimmt wie Iowa. Eigentlich müsste es ein Makel sein, bei so einer Klientel zu gewinnen. Der reaktionärste Kandidat der Republikaner hat ja auch dort gewonnen. Sein Vater war evangelikanischer Prediger, Ted Cruz hat es ihm in seinen Ansichten gleichgetan. Ein "social liberal" wie Trump hatte da kaum eine Chance. Seine Berater hatten ihm sogar vorgeschlagen, Iowa ganz zu überspringen und Cruz zu überlassen. Auch fiskalisch ist Cruz ein Rechtsaußen, er will die Steuerbehörde IRS abschaffen und jeder, auch Firmen, soll eine fixe Steuerquote von nur 10% zahlen. Trump will hingegen die Hedgefunds viel stärker besteuern. Warum berichtet Pitzke über solche Fakten nicht?
3.
Proggy 02.02.2016
Cruz (m.M.n. extremer als Trump) und Trump vereinen über 52% auf sich und Clinton gewinnt lediglich durch (sehr demokratische) Münzwürfe in drei Bezirken. Die US-Wahl wird spannender und unberechenbarer, als geahnt. Fast alle europäischen Medien haben sich gegen Trump eingeschossen und dabei Cruz sträflich unterschätzt. Frau Clintons 'Spaziergang' ins Amt, wird sehr steinig.
4. Den 2008er
Lankoron 02.02.2016
Caucus der Demokraten gewann irgendwer unbedeutendes...so ein komischer Senator...der musste dann die folgenden 8 Jahre in so nem hässlichen alten Haus in Washington leben. Das Problem in den USA und auch in Deutschland zeigt doch eher, dass es politische Probleme gibt. Politiker bemühen sich nicht mehr um Werte und Überzeugungen, um Visionen einer Zukunft...Politiker bemühen sich um Beliebtheit. Das sorgt eben für eine universielle Mitte schon vor der Wahl, und überlässt viele Positionen den linken und rechten Aussenseitern. Doch Wähler wollen nun mal wissen, wofür ein Politiker einstehen würde, und nicht, was er bereit wäre, alles aufzugeben.
5. Ronald Reagan hat Iowa verloren
JANURBAN 02.02.2016
und war 8 Jahre Präsident! in NH wird Trump haushoch gewinnen. Go Trump go!
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