US-Medien zur Vorwahl "Trump ist schwer getroffen"

Wer ist der größte Verlierer bei den Iowa-Vorwahlen? Donald Trump, die demokratische Favoritin Hillary Clinton - oder die Umfrageinstitute? Amerikanische Medienreaktionen im Überblick.

Republikaner Trump: Der große Verlierer?
AFP

Republikaner Trump: Der große Verlierer?


Der Auftakt bei den US-Vorwahlen ist gemacht, Iowa hat abgestimmt. Auf dem Papier sieht es so aus: Bei den Republikanern konnte sich der evangelikale Hardliner Ted Cruz gegen Skandal-Milliardär Donald Trump durchsetzen. Bei den Demokraten liegen die Favoritin Hillary Clinton und der Linke Bernie Sanders nahezu gleichauf. Doch wer sind nun die wahren Gewinner? So beurteilen US-Medien die Wahlergebnisse:

  • "New York Times": "Wut trug Ted Cruz zum Sieg. Und sie hinderte Hillary Clinton daran, einen echten Erfolg zu verbuchen. Die Abstimmung hier in Iowa war das Abbild eines heiß gelaufenen Amerikas, das so unzufrieden ist, dass es sich einem um sich schlagenden evangelikalen Republikaner zuwendet, der die Zerstörung eines von Korruption durchzogenen Systems fordert. Und die Wähler schickten eine deutliche Botschaft an demokratische Führer, dass sie nicht bereit dazu sind, ihren Ärger über die Wall Street (...) beiseitezuschieben und mit Clinton ein langjähriges Parteimitglied zu krönen, das Millionen durch Vortragshonorare von den großen Banken angehäuft hat."

  • "Washington Post": "Die echten Gewinner sind Marco Rubio, der mit einem bemerkenswerten dritten Platz abschneidet, und Bernie Sanders mit seinem Quasi-Unentschieden. Auf kurze Sicht ist Donald Trump der größte Verlierer - das wäre bei jedem Spitzenreiter [in den Umfragen] so, noch mehr gilt es für einen Kandidaten, dessen Kampagne darauf setzt, dass er ein Gewinner ist. Langfristig aber, sollte das Ergebnis von Iowa Rubio zur Nominierung verhelfen, könnte Hillary Clinton die größte Verliererin sein."

  • "The Wall Street Journal": "Der größte Verlierer der Nacht ist Trump, der seine große Anhängerzahl und die Führung in den Umfragen letztlich nicht in genügend Caucus-Stimmen ummünzen konnte. Kein Zweifel, der New Yorker Geschäftsmann trug zu einer höheren Wahlbeteiligung bei, die frühere Caucus-Rekorde der Republikaner brach. Aber vielleicht (...) gibt es Grenzen für seine unkonventionelle, medienbeherrschende Politik."

  • CNN: "Wo uns das alles hinführt? Es ist nicht so einfach, wie Sie vielleicht denken. Ted Cruz macht einen großen Satz, aber der wird in den Schatten gestellt vom Mediengeplapper über Trumps Niederlage und den Aufstieg Rubios. Trump wird ganz offensichtlich nicht einfach verschwinden - er liegt in den Umfragen in New Hampshire nach wie vor ganz vorn. Aber er ist schwer getroffen. Trumps Attitüde war immer die des Gewinners. Er gewann, indem er versprach zu gewinnen. Jetzt, nach seiner Niederlage, verrutscht sein Heiligenschein aus güldenem Haar."

  • "Des Moines Register": "Ted Cruz ging mit einer altmodischen Kampagnen-Blitzaktion im ganzen Bundesstaat auf die Zielgerade. In der letzten Woche der Kampagne in Iowa besuchte er mehr als zwei Dutzend Städte, schüttelte Hände (...). Der Cruzin'-to-Caucus-Bus fuhr nach Maquoketa, Manchester, Independence, Osceola, Albia, Centerville, Bloomfield, Ottumwa, Fairfield, Keosauqua - und als er im Matsch stecken blieb, sprang Cruz in ein Auto und raste zum nächsten Stopp auf seiner Liste. Seine Strategie, alle 99 Countys in Iowa mindestens einmal zu besuchen, ist aufgegangen."

  • "Huffington Post": Warum hatten die Umfragen Unrecht? Ihr Versagen ist ein Schlag für die Befragenden - aber er kommt nicht völlig überraschend. Die Institute veröffentlichten ihre Vorhersagen stets mit Warnungen und verbalen Absicherungen. Ein Teil der Unsicherheit rührt daher, dass sich viele Wähler bei Vorwahlen in letzter Minute entscheiden. Die Unschärfe der Umfragen war so hoch, wie sie in einer großen US-Wahl nur sein kann, schrieb das Datenjournalismus-Portal FiveThirtyEight. Außerdem half Cruz seine überlegene Kampagnenplanung. Er holte ein Drittel der Wähler ab, die direkt in der Haustür angesprochen wurden, und damit mehr als jeder andere Kandidat."

Lesen Sie außerdem:

- Kommentar: Lehren aus der Iowa-Vorwahl

- Analyse I: Was jetzt auf die Demokraten zukommt

- Analyse II: Wie sich die Republikaner nun zerfleischen

Ergebnisse der US-Vorwahlen

kev/cht

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