Irak Al-Qaida bestätigt Tod von Sarkawi

Der meistgesuchte Terrorist im Irak ist tot: Bin Ladens Statthalter in Bagdad, Abu Mussab al-Sarkawi, ist bei einem Luftangriff auf ein Haus nördlich von Bagdad getötet worden. Er galt als Drahtzieher zahlreicher Hinrichtungen und Terroranschläge. Al-Qaida bestätigte inzwischen den Tod Sarkawis.


Bagdad - Den Tod Sarkawis gab der irakische Regierungschef Nuri al-Maliki heute im staatlichen irakischen Fernsehen bekannt. Sarkawi sei gestern Abend bei einem Luftangriff der US-Truppen nahe Bakuba in der Ortschaft Hibhib in einem isoliert gelegenen Haus getötet worden. Mit ihm seien sieben Komplizen gestorben. Die irakischen Sicherheitskräfte hätten bei der Vorbereitung des Angriffs Hilfe geleistet. Auch Jordanien hat eigenen Angaben zufolge zu der Aktion beigetragen. Die Regierung in Amman erklärte, ihr Geheimdienst habe beim Aufspüren Sarkawis geholfen.

Al-Sarkawi sei inzwischen anhand von Fingerabdrücken zweifelsfrei identifiziert worden, erklärte Al-Maliki. "Der Tod Al-Sarkawis ist zweifellos ein wichtiger Ansporn für alle, die den Terrorismus bekämpfen und auch für die Politiker und das irakische Volk", erklärte der Ministerpräsident. Al-Qaida bestätigte den Tod Sarkawis am Mittag auf einer Homepage. Der Dschihad höre aber nicht auf.

Der Kommandeur der US-Truppen im Irak, General George Casey, kündigte an, dass am Nachmittag Fotos veröffentlicht würden. Die Jagd auf den Terrorführer in der Region Bakuba habe vor zwei Wochen begonnen. Nähere Details sollen später bekannt gegeben werden. 

Der US-Botschafter im Irak, Zalmay Khalilzad, sprach von einem großen Erfolg. Doch er warnte, die Gewalt im Irak sei damit nicht vorbei. Khalilzad gratulierte Maliki zu dem Erfolg und rief alle Iraker auf, sich nun hinter ihrem Regierungschef zu einen.

Bakuba liegt 60 Kilometer nordöstlich von Bagdad. Die Stadt ist eine Hochburg der Aufständischen und Extremisten. In den vergangenen Tagen hatte die Polizei in Bakuba mehrere Menschenköpfe gefunden, die von Terroristen in Säcken auf der Straße abgelegt worden waren.

Abu Mussab al-Sarkawi war der Anführer der al-Qaida  im Irak, die sich zu Dutzenden Anschlägen und Entführungen bekannt hat. Seine Gruppierung hatte sich unter anderem auch zu den Anschlägen auf Hotels in der jordanischen Hauptstadt Amman im November bekannt, bei denen 60 Menschen getötet wurden. Die Attentate sollten zur Destabilisierung des von den USA und ihren Verbündeten nach der Invasion 2003 auf West- und Demokratiekurs gebrachten Landes dienen.

Sarkawis kämpfte nach eigenen Aussagen für die Errichtung eines Kalifatstaates. Seine Gruppe bedrohte auch all diejenigen, die sich im Irak an Wahlen beteiligen wollten mit Mord. Nach keinem anderen wurde im Irak so intensiv gefahndet. Obwohl seine Verfolger den Ring immer enger zogen, konnte der 39-jährige Sarkawi mehrfach in letzter Sekunde seinen Häschern entkommen.

  Sarkawi stammt aus Jordanien. Bürgerlich heißt er Ahmed Chaleileh und wurde als Sohn palästinensischer Flüchtlinge geboren. Seine Geburtsstadt Sarka fand später Eingang in den "Kampfnamen" al-Sarkawi. Seine Familie erklärte, sie habe den Tod erwartet. In seinem Heimatland ist er wegen Beteiligung an Anschlägen in Abwesenheit zum Tod verurteilt worden. Er stand auf der Fahndungsliste der USA ganz oben. Auf seine Ergreifung stand ein Kopfgeld von 25 Millionen Dollar.

Erst am vergangenen Feitag hatte sich Sarkawi mit einer neuen Audiobotschaft an seine Glaubensgenossen gewandt. In der Internetbotschaft rief er die Sunniten abermals zum Kampf gegen die schiitische Mehrheit auf. Die Sunniten sollten die Appelle zur nationalen Einheit ignorieren und sich für die Konfrontation mit den "schiitischen Schlangen" rüsten. Der Jordanier warf den Schiiten vor, schon immer in der irakischen Geschichte mit den Invasoren zusammengearbeitet zu haben. Sarkawi hatte sich davor zuletzt Ende April zu Wort gemeldet.

Vergangene Woche hatten irakische Soldaten zudem seinen engen Mitarbeiter, Kassim al-Ani, bei einer Razzia in Bagdad festgenommen. Von der Regierung in Bagdad wurde er als Nummer zwei des irakischen Flügels der Terrororganisation eingestuft.

Sarkawi machte sich vor allem durch seine Grausamkeit einen Namen. So soll er es gewesen sein, der vermummt auf einem Video vor zwei Jahren den entführten US-Bürger Nicholas Berg eigenhändig mit einem Messer enthauptete. Al-Qaida gab dem Machwerk den Titel "Abu Mussab al-Sarkawi schlachtet einen Amerikaner".

ler/AFP/dpa/AP/reuters



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