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Großoffensive: Irakische Armee startet Angriff auf IS-Hochburg Mossul

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AFP

Irakische Armee

Die irakische Armee will die IS-Hochburg Mossul mit einer Großoffensive zurückerobern. Die Operation habe im Morgengrauen begonnen, sagte ein Militärsprecher. Erste Dörfer in der Umgebung seien bereits eingenommen.

Die irakische Armee hat nach eigenen Angaben mit einer Großoffensive auf die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) zur Rückeroberung der Stadt Mossul begonnen.

Die Operation "Eroberung" sei im Morgengrauen gestartet, sagte ein Armeesprecher. Einige Dörfer im Osten der Stadt seien bereits eingenommen worden. Unterstützt wird die Offensive nach Angaben des Sprechers durch Luftschläge des US-Militärs.

Mossul ist seit Sommer 2014 in der Hand der Terrormiliz und gilt als IS-Hochburg im Irak. Im Kampf gegen den IS kommt der Stadt eine Schlüsselrolle zu. Nach offiziellen Angaben leben dort etwa zwei Millionen Menschen, unter ihnen rund 400 000 Flüchtlinge aus anderen Teilen des Landes.

Im Februar hatte der irakische Regierungschef Haider al-Abadi angekündigt, die Offensive zur Rückeroberung Mossuls stehe kurz bevor. "Wir planen, wahrscheinlich im nächsten Monat, eine volle militärische Operation zu starten, um die Stadt wieder einzunehmen", sagte Abadi.

Armeeangaben zufolge ist nun das erste Ziel, IS-Einrichtungen in der Stadt zu zerstören. Der irakische Oberbefehlshaber in der Region, Generalmajor Nedschm al-Dschaburi, berichtete der Nachrichtenagentur dpa von Dutzenden toten IS-Kämpfern, nannte aber keine Opferzahlen auf Seiten der Regimetruppen. Im vergangenen Jahr hatte das irakische Militär bereits die belagerte Stadt Ramadi in einer Großoffensive zurückerobert. Das habe gezeigt, dass die Extremisten den irakischen Sicherheitskräften nicht die Stirn bieten könnten. "Ihr Widerstand ist zusammengebrochen, obwohl sie sehr hart gekämpft haben", sagte Abadi. Das habe der Armee neues Selbstbewusstsein gegeben.

Zuletzt hatte die US-Armee gewarnt, dass der Mossul-Staudamm im Irak einsturzgefährdet ist. Sollte die Mauer brechen, droht eine gewaltige Flutwelle, die sich über das Tigris-Tal bis nach Bagdad ergießen könnte. Das Flusstal ist sehr dicht besiedelt. Unter anderem könnte die Millionenstadt Mossul bis zu 20 Meter hoch überflutet werden.

IS-Kämpfer hatten den Stausee im August 2014 erobert. Die Miliz konnte zwar wieder vertrieben werden, bei ihrem Rückzug sollen die Dschihadisten aber wichtige Werkzeuge und Ausrüstungsgegenstände mitgenommen haben. Außerdem sind zahlreiche Mitarbeiter des Wasserkraftwerks seither nicht mehr zur Arbeit erschienen. Darum habe sich der Zustand der Staumauer deutlich verschlechtert.

brk/dpa

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 28 Beiträge
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1. Welche Armee?
klugscheißer2011 24.03.2016
Von welcher irakischen Armee soll hier die Rede sein? Ist die Truppe gemeint, denen von US-Ausbildern beigebracht wurde, wie man, wenn der Feind sich nähert, die Waffen am weitesten wegwirft und dann am schnellsten davonrennt? Der Kampf gegen den IS ist allein mit Vasallentruppen nicht zu gewinnen. Warum? Weder die Iraker, noch die Syrer oder Kurden haben etwas, wofür es sich wirklich lohnt, zu kämpfen. Die Heimat ist schon längst dank westlicher Zerstörungstechnik in Schutt und Asche gebombt. Den Iraker erwartet, falls er den Kampf überlegt, ein Land, in dem Schiiten und Sunniten hoffnungslos zerstritten sind und in dem jeder, der mit dem Westen zusammen arbeitet, ohnehin als Verräter gilt, dank der völkerrechtswidrigen Agression des Westens im Jahr 2002 gegen den Irak, der damals weder Massenvernichtungswaffen besaß, noch Al Kaida unterstützte. Zweites hat sich nach der Elefant-im-Porzellan-Laden-Methode des Westens wohl inzwischen geändert. Gegenüber dem, was Iraker an Gewalt und Folter durch US-Truppen, Briten und anderen zu leiden hatten, kommen ihnen Al Kaida-Kämpfer wie Friedensengel vor. Nicht anders ist es bei den Syrern, für wen sollen sie kämpfen? Für Assad oder für die angeblich "gemäßigten" und vom Westen gekauften Rebellen? Von den Kurden brauchen wir gar nicht erst zu reden. Die haben ja noch nicht mal ein eigenes Land. Wenn am Ende ein selbstständiges souveränes Kurdisatan herauskäme, dann hätten wenigstens die Kurden etwas, wofür es sich zu kämpfen lohnte. Aber das wird wohl mit dem Nato-Partner Türkei nicht zu machen sein. Eher noch schaffen es die Russen, Assad für ein autonomes Kurdengebiet zu überzeugen. Denn im Gegensatz zu den Türken und Irakern hat Assad die Kurden bislang weitesgehend verschont. Wohl eher aus taktischem Kalkül, falls er sie gegen die Türken braucht, aber immerhin. Und selbst die Türkei würde von einem freien Kurdistan profitieren, könnte sogar seine Schutzmacht werden. Man stelle sich vor, die Türkei würde verkünden, dass sie ab sofort gegen den IS kämpft an der Seite der kurdischen Brüder, um Kurdistan mit ihnen zu befreien. Das wäre doch mal was. Aber zu so viel Großmut ist Erdogan nicht fähig.
2. Der
Cluedo 24.03.2016
... bröckelt. Militärisch hatt der IS keine Zukunft, wenn sich die Gegner einig sind. Die Anschläge in Paris und Brüssel sind kein Zeichen von "Stärke", sondern eher Verzweiflungstaten. Wenn man es schon zu großen "Siegen" erklären muss, wenn ein paar belgische Schwerverbrecher mit Migrationshintergrund sich auf einen belebten Platz schleichen, um unbewaffnete und friedliche Zivilisten umzubringen, dann ist es mit diesen "Siegen" wohl nicht weit her. Auch diese Phase wird sich totlaufen - wie zuvor die fernsehwirksamen Auftritte mit brutalen Enthauptungen oder die Zerstörung von Kulturgütern wie in Palmyra. Was zurückbleibt, ist nur Verachtung für die Geisteswelt von Islamisten.
3. Armee?
stinkfisch1000 24.03.2016
Armee ist wohl ein Euphemismus für diese bewaffneten Ansammlungen. Der Kampfwert dürfte überschaubar sein. Sodann prrügeln sich zerlumpte Gestalten mit Kalaschnikows mit zerlumpten Gestalten mit M16-Sturmgewehren um Schutthaufen. Gibts da noch was, was zu erober es lohnt, Blut zu giessen? Ein Schwachsinn das alles. Nur damit der Schutthaufen nicht mehr denen gehört, die das Ei am stumpfen Ende aufschlagen, sondern denen die das Ei am spitzen Ende aufschlagen - um im Bild von Gullivers Welt zu bleiben...
4. Ausblick
Faceoff 24.03.2016
Die irakische Armee, die vor noch nicht allzu langer Zeit eine ziemlich demotivierte Truppe war, hat in Ramadi das geschafft, was die syrischen Regierungstruppen bisher nirgendwo geschafft haben: Den IS aus einer großen und bedeutenden Stadt zu vertreiben. Was nicht weiter verwundert, denn der Eifer Assads (wie auch seiner Verbündeten einschl. Putin) bei der Bekämpfung des IS war bisher äußerst überschaubar bis nicht erkennbar. Deren Prioritäten lagen bislang ganz woanders, auch wenn jetzt Palmyra in´s Visier gerät. Nun schickt sich die irakische Armee also an, den IS aus Mossul zu vertreiben. Es könnte sein, dass der IS somit in einigen Wochen / wenigen Monaten ein Problem ist, das weitgehend in Syrien beheimatet ist.
5.
mwroer 24.03.2016
Zitat von Cluedo... bröckelt. Militärisch hatt der IS keine Zukunft, wenn sich die Gegner einig sind. Die Anschläge in Paris und Brüssel sind kein Zeichen von "Stärke", sondern eher Verzweiflungstaten. Wenn man es schon zu großen "Siegen" erklären muss, wenn ein paar belgische Schwerverbrecher mit Migrationshintergrund sich auf einen belebten Platz schleichen, um unbewaffnete und friedliche Zivilisten umzubringen, dann ist es mit diesen "Siegen" wohl nicht weit her. Auch diese Phase wird sich totlaufen - wie zuvor die fernsehwirksamen Auftritte mit brutalen Enthauptungen oder die Zerstörung von Kulturgütern wie in Palmyra. Was zurückbleibt, ist nur Verachtung für die Geisteswelt von Islamisten.
Abgesehen davon dass wir uns in unserer Verachtung des IS durchaus einig sind sollten Sie sich vielleicht überlegen welche Möglichkeiten der IS sonst hat den Krieg in's Land des Feindes zu tragen. Keine. 1943 hat England es zu großen Siegen erklärt hunderttausendfach unbewaffnete Zivilisten umzubringen. Flächenbombardements wurden erstmalig in der Form eingesetzt. Sehen Sie da irgendwas tapferes? Ich nicht. Der IS wähnt sich im Krieg gegen den Westen. Einen Krieg übrigens von dem man nicht ganz zu Unrecht sagen kann dass der Westen ihn wenn nicht begonnen so auf jeden Fall forciert hat. Die Einmischung in alle möglichen Konflikte in dieser Gegend der Welt war dumm, unnötig und diente letztlich nur diesen ominösen geostrategischen Interessen von USA und NATO. Jetzt zahlen wir die Rechnung und unser Feind - und das ist der IS - bedient sich der Mittel die er hat. Selbstmordattentäter. Wir bedienen uns der Mittel die wir haben - Drohnen. Da sitzen dann unsere tapferen Streitkräfte im mittleren Westen der USA und steuern unbemannte Drohnen, mit weitaus mehr zivilen Verlusten wie der Terror sie bis jetzt in Europa verursacht hat. Tapfer? Siege? Sollte man vielleicht mal drüber nachdenken wenn man auch nur den Hauch Interesse hat zu verstehen warum gerade passiert was passiert. Dieser Krieg wird von beiden Seiten zunehmend asymetrisch geführt.
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