Mossul Auswärtiges Amt bestätigt zweite Deutsche in irakischer Haft

In Mossul sitzt eine zweite Deutsche, die sich dem IS angeschlossen hat, in Haft - das hat das Auswärtige Amt jetzt bestätigt. Den Mädchen könnte im Irak der Prozess gemacht werden.

Mann mit IS-Flagge in Mossul
REUTERS

Mann mit IS-Flagge in Mossul


Erst am Sonntag meldete sich die deutsche Schülerin Linda aus der Haft im Irak, nun hat das Auswärtige Amt einen zweiten Fall bestätigt. Laut einer Sprecherin der Behörden waren am 20. Juli zwei Frauen deutscher Staatsangehörigkeit von Angehörigen der Botschaft in Bagdad besucht worden.

Zwei weitere inhaftierte Frauen, möglicherweise ebenfalls Deutsche, sollten noch im Laufe des Montags besucht und ihre Staatsangehörigkeit geklärt werden. Irakische Sicherheitskräfte hatten angegeben, bei einem Einsatz in Mossul 20 ausländische Dschihadistinnen festgenommen zu haben.

Der Fall der 16-jährigen Linda aus Sachsen hatte vergangene Woche für Schlagzeilen gesorgt. Sie hatte sich nach eigenen Angaben der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) angeschlossen. Das Mädchen sagte in einem Interview von NDR, WDR und "Süddeutscher Zeitung", sie werde kooperieren und bereue ihren Entschluss, sich den IS-Extremisten angeschlossen zu haben. Auch in Deutschland wird gegen sie ermittelt.

Tweet der jesidischen Abgeordneten Vian Dakhil mit mutmaßlichem Bild von Linda W.
Twitter/ Vian Dakhil

Tweet der jesidischen Abgeordneten Vian Dakhil mit mutmaßlichem Bild von Linda W.

Nach Informationen des SPIEGEL sitzen in Bagdad vier deutsche Frauen in Haft, die sich in den vergangenen Jahren dem IS angeschlossen haben sollen. Sie seien in den Tagen nach der Befreiung Mossuls gefangen genommen worden.

Zur Frage einer möglichen Auslieferung der Inhaftierten nach Deutschland sagte die Sprecherin des Justizministeriums, mit den irakischen Behörden werde "über Möglichkeiten der Zusammenarbeit" gesprochen. Ein Auslieferungsabkommen mit dem Irak gebe es aber nicht.

Inzwischen wurde Linda im Irak identifiziert. Nach SPIEGEL-Informationen konnten deutsche Diplomaten sie in einem Gefängnis der irakischen Spezialeinheiten direkt am Flughafen von Bagdad besuchen, dorthin war sie nach der Festnahme in Mossul gebracht worden.

Die Staatsanwaltschaft in Dresden hatte gegen Linda wegen Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat ermittelt, die Ermittlungen wegen Abwesenheit des Mädchens aber eingestellt. Sollte sie wieder auftauchen, werden sie wieder aufgenommen.

vks/dpa-afxp



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