Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Irak: Britische Firma verkaufte unbrauchbare Sprengstoffdetektoren

Ein Skandal um mangelhafte Sprengstoffdetektoren erschüttert Großbritannien: Geräte zum Stückpreis von 40.000 Dollar wurden in den Irak und nach Afghanistan ausgeliefert - und könnten Ursache dafür sein, dass zahlreiche blutige Anschläge nicht verhindert werden konnten.

Ein irakischer Soldat mit Sprengstoffdetektor: Ausgaben in Höhe von 85 Millionen Dollar Zur Großansicht
AFP

Ein irakischer Soldat mit Sprengstoffdetektor: Ausgaben in Höhe von 85 Millionen Dollar

Hamburg - Die Herstellerfirma ATSC soll die Geräte in 20 Länder ausgeliefert haben, berichtete der Sender BBC. Der Chef des Unternehmens, Jim McCormick, 53, wurde vorübergehend wegen Betrugsverdachts festgenommen, befindet sich nach einer Kautionszahlung aber wieder auf freiem Fuß.

Den Export der Geräte in den Irak und nach Afghanistan hat die britische Regierung bereits untersagt, das Verbot tritt am Montag in Kraft.

Firmenchef McCormick wird vorgeworfen, falsche Angaben zum Detektor ADE-651 gemacht zu haben. Das handliche Gerät, das ohne Batterie arbeitet und seine Energie stattdessen aus statischer Elektrizität bezieht, wurde zum Stückpreis von 40.000 Dollar in den Irak verkauft. Es ist allerdings - anders als von der Firma ATSC ausgewiesen - gar nicht für das Aufspüren von Bomben geeignet. Das hätten Tests ergeben, teilte das britische Wirtschaftsministerium in London mit.

In die Geräte wurden spezielle Elektro-Karten gesteckt, mittels derer laut Firmenangabe Sprengstoff aufgespürt werden könne. Die Recherche von Journalisten der Sendung "BBC Newsnight" ergab jedoch, dass es sich lediglich um gewöhnliche Karten zur Diebstahlsicherung handelt, wie sie von vielen Geschäften benutzt werden.

Die irakische Armee setzte das Gerät bei Sicherheitskontrollen ein. Laut BBC wird befürchtet, dass Hunderte Menschen bei Anschlägen ums Leben kamen, die durch funktionierende Sprengstoffdetektoren vielleicht hätten verhindert werden können.

Insgesamt habe die irakische Regierung bereits Detektoren im Wert von 85 Millionen Dollar, umgerechnet 60,1 Millionen Euro, angeschafft, berichtete die BBC. An den meisten Kontrollpunkten in Bagdad seine die Handgeräte ADE-651 im Einsatz.

Die Geräte waren offiziell nicht als Militärtechnologie eingestuft, die Firma brauchte daher keine Lizenz zum Verkauf ins Ausland. Deshalb ist das britische Exportverbot der schadhaften Detektoren auf den Irak und Afghanistan beschränkt - die Regierung kann Verbot verhängen, um britische oder verbündete Soldaten zu schützen.

Der irakische Ministerpräsident Ministerpräsidenten Nuri al-Maliki hat eine Untersuchung des Falles angekündigt.

pad/AFP/dpa

Diesen Artikel...
Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 16 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Unbrauchbar, nicht defekt!
Müller Karl 23.01.2010
Das bestraft mal wieder den naiven Glauben mit Technik allein analytische feld-Probleme lösen zu wollen. Das ist nicht der erste Fall dieser Natur und wird nicht der Letzte sein! Auch ist dem Anbieter nur eine Teilschuld zuzurechnen, denn wer solche Geräte erwirbt, muß auch für jedes Gerät auf einem individuellen Prüfprotokoll mit Realsubstanzen bestehen! Wer das nicht macht, ist entweder für die Aufgabe nicht qualifiziert oder begeht einen tätige Unterlassung zugunsten Dritter! Im auf die Beschaffung folgenden Regelbetrieb ist regelmäßig die tatsächliche Funktion mit Realsubstanzen zu prüfen und das Ergebnis zu dokumentieren; wie sonst kann eine wirksame Materialerhaltung und Einsatzbereitschaft sichergestellt werden? Wer glaubt ein Detektor funktioniert nur weil dieser, wie in MUC geschehen, etwas anzeigt, ist eine Gefahr für die Innere Sicherheit! MfG Karl Müller
2. Endlich mal ein zeitnahes und konsequentes Handeln...
Flari 23.01.2010
Zitat von sysopEin Skandal um unbrauchbare Sprengstoffdetektoren ist in Großbritannien aufgedeckt worden. Die Geräte zum Stückpreis von 40.000 Dollar wurden in den Irak und nach Afghanistan ausgeliefert - und könnten Ursache sein, dass zahlreiche blutige Anschläge nicht verhindert werden konnten. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,673630,00.html
Diesen Bericht find ich viel besser, als den von SPON: http://www.sicherheitsblog.info/blog/index.php?/archives/262-2009-11-06.html
3. Vielleicht sollte man ganz klar sagen...
verspiegelung 23.01.2010
... dass dieses Gerät nichts weiter ist als eine aufgebrezelte Wünschelrute. Wenn die Hand zittert, wackelt die Antenne. Der Rest ist Blendwerk für den ahnungslosen Investor, und das gilt auch für die hirnzermartende Beschreibung der "Technik". Besser als Zufall arbeitet das Gerät jedenfalls nicht. Ich empfehle dazu auch die Berichterstattung der BBC und der Times. Traurig genug, dass man darauf überhaupt noch hinweisen muss...
4. Thema verfehlt
Slackenerny 23.01.2010
Zitat von verspiegelung... dass dieses Gerät nichts weiter ist als eine aufgebrezelte Wünschelrute. Wenn die Hand zittert, wackelt die Antenne. Der Rest ist Blendwerk für den ahnungslosen Investor, und das gilt auch für die hirnzermartende Beschreibung der "Technik". Besser als Zufall arbeitet das Gerät jedenfalls nicht. Ich empfehle dazu auch die Berichterstattung der BBC und der Times. Traurig genug, dass man darauf überhaupt noch hinweisen muss...
Eben! Nicht nur das SPON hier verdammt spaet dran ist (war schon vor weihnachten ausgiebig ueberall zu lesen), dass Hauptproblem wird nichtmal angeschnitten: Die Dinger taugen nicht nur nicht fuer die Suche nach Sprengstoff, sondern auch fuer sonst nichts! (ausser vieleicht wenn man seinen Radio empfang verbessern moechte...)
5. Und es fällt keinem auf?
DerBene 23.01.2010
der irak hat mehrere tausend dieser geräte und es fällt keinem auf dass sie nicht funktionieren??? erscheint mir sehr seltsam... stinkt nach korruption
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH




Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: