Irak "Chemie-Ali" zum Tode verurteilt

Er war einer der grausamsten Helfer Saddam Husseins: Ali Hassan al-Madschid, genannt "Chemie-Ali". Jetzt wurde der Cousin des früheren irakischen Machthabers wegen des Massenmordes an Kurden zusammen mit vier weiteren Angeklagten zum Tode verurteilt.


Bagdad - Gegen Madschid, genannt "Chemie-Ali", sahen die Richter den Vorwurf des Völkermords als erwiesen an. Der Saddam-Cousin hatte Giftgasangriffe gegen nordirakische Kurden angeordnet. Am 16. März 1988 unternahm Madschid seinen berüchtigten Überfall auf die kurdische Stadt Halabdscha. Er setzte verschiedene chemische Kampfstoffe ein und tötete mindestens 5000 kurdische Zivilisten. 1989, am Ende seines Feldzugs, waren etwa 200.000 Kurden tot und ungefähr 1,5 Millionen vertrieben. Ganze Landstriche Kurdistans waren durch den Einsatz chemischer Waffen verwüstet, rund 4000 Gemeinden zerstört.

Ali Hassan al-Madschid, bekannt als "Chemie-Ali": Todesstrafe wegen Völkermords
DPA

Ali Hassan al-Madschid, bekannt als "Chemie-Ali": Todesstrafe wegen Völkermords

Belastet wurde Madschid durch ein Tonband, das 1991 nach dem Abzug der irakischen Truppen im kurdischen Suleimanija aufgefunden wurde. Darauf sind Worte festgehalten, die an Heinrich Himmlers berüchtigte Vernichtungsreden von Posen 1943 erinnern: "Ich werde sie alle mit chemischen Waffen umbringen. Wer soll etwas dagegen sagen? Die internationale Gemeinschaft? Ich scheiß auf die internationale Gemeinschaft, und die, die auf sie hören. Ich werde sie nicht bloß einen Tag lang mit dem Chemie-Zeug attackieren, ich werde 15 Tage lang damit fortfahren."

Die Richter verhängten heute auch die Höchststrafe gegen Ex-Verteidigungsminister Sultan Haschim Ahmed wegen Verbrechens gegen die Menschlichkeit. Nach Angaben des arabischen Fernsehsender Al-Dschasira wurden zwei weitere Angeklagte zu lebenslanger Haft verurteilt, der frühere Gouverneur von Mosul, Taher al-Ani, wurde mangels Beweisen freigesprochen.

Die Urteile sind noch nicht rechtskräftig und müssen noch von einer Berufungskammer bestätigt werden.

Die Staatsanwaltschaft hatte für alle fünf Verurteilten die Todesstrafe gefordert. Madschid und die Mitangeklagten - allesamt ehemals führende Vertreter der Baath-Partei - standen wegen der Operation "Anfal" im Jahr 1988 vor Gericht.

Die "Anfal"-Vorwürfe waren ursprünglich auch gegen Saddam erhoben worden. Allerdings wurde die Anklage nach dessen Hinrichtung im Dezember gegenstandslos. Der frühere irakische Präsident war im ersten Prozess des Sondertribunals wegen eines Massakers an Schiiten Anfang der achtziger Jahre zum Tode verurteilt worden. Viele Kurden kritisierten, dass der 2003 gestürzte Diktator damit nicht für die Verbrechen an ihrem Volk belangt werden konnte.

mik/AFP/Reuters



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