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Krieg im Irak: IS-Extremisten feuern mit US-Haubitzen

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Die Extremisten der Miliz "Islamischer Staat" haben viele Waffen der irakischen Armee erbeutet. Nun führen sie das moderne Gerät in Propagandavideos vor.

Ein Mann mit dichtem Vollbart und Tarnhosen zieht die Reißleine der Haubitze. Mit lautem Knall spuckt sie ein Projektil in den Himmel. Ein Kameramann hält die Szene fest. Die Radikalen wollen mit ihrer modernen Kanone angeben.

Die Miliz "Islamischer Staat" (IS) hat bei ihren Eroberungszügen Militärstützpunkte der irakischen Armee geplündert. Dabei sind den Radikalen modernste amerikanische Waffen in die Hände gefallen. Mit manchem Gerät, wie den US-Kampfhubschraubern können sie nichts anfangen: zu kompliziert. Doch die Bedienung der Haubitze scheinen die Radikalen inzwischen halbwegs zu beherrschen.

Bei der gefilmten Waffe soll es sich um die M198 handeln mit einem Kaliber von 155 Millimetern. Ihre Geschosse können mehr als 20 Kilometer weit fliegen und töten am Aufschlagsort innerhalb eines Radius von 50 Metern. Pro Minute können zwei Schüsse abgegeben werden. Die Waffe ist eine halbe Million Dollar wert.

Die M198 abzufeuern, ist verhältnismäßig einfach. Ihre präzise Ausrichtung per GPS dagegen erfordert einiges Know-how, das die Fähigkeiten der Miliz bisher übersteigt. Dennoch dürfte auch ein grobes Anvisieren ausreichen, um Städte unter Beschuss zu nehmen.

Wie viele Haubitzen die Extremisten erbeuten konnten, ist nicht ganz sicher. Von bis zu 52 war im Juli die Rede. Seitdem sollen durch die US-Luftschläge jedoch etliche zerstört worden sein.

Zudem sollen den Radikalen mehrere Tausend PK-Maschinengewehre in die Hände gefallen sein, die als einfach aber zuverlässig gelten - genau richtig für die Schlachten zwischen Syrien und Irak. Damit lassen sich über 600 Schuss pro Minute abfeuern auf eine Entfernung von mehr als einem Kilometer.

Wo der Videodreh mit der Kanone stattfand, ist unklar. Es könnte sich um Übungen in der Wüste gehandelt haben, gefilmt in Top-Qualität für die Propagandaschlacht im Internet.

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Gebietsverteilung im Irak (Stand: 13. August)

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 53 Beiträge
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1. Demnächst mit Milan
derandereblick 29.08.2014
Na die werden dann bald auch mit den Milan-Panzerabwehrraketen schießen, die wir dorthin liefern.
2. Einzelfall...
Der linke Spiegeljakob 29.08.2014
Der Schuss war nur ein Einzelfall. Wir müssen uns also keine Sorgen machen. Ebenso wie die tausenden Toten jedes Jahr im Namen des Islam - Einzelfälle (TM)
3. Waffen mit Selbstzerstörungmechanismus
Butenkieler 29.08.2014
wenn ein offensichtlicher Feind sie bedient, sollte sie exolodieren.
4.
ruediger 29.08.2014
Genau deshalb sollten wir in diese Region gar keine Waffen mehr liefern und und weltweit für eine Ächtung dieser einsetzen. Wir wissen nie, wer sie bald gegen wen einsetzen wird. Vor nicht allzu langer Zeit wurde in Deutschland darüber diskutiert die Aufständischen in Syrien (die IS gehörte damals auch schon dazu) mit Waffen auszustatten. Hätte nicht Putin damals die Giftgasvernichtung vermittelt, hätte Deutschland es wohl auch getan.
5. Moderne Geräte bedienen.
Ausfriedenau 29.08.2014
Moderne Waffen bedienen zu können, ist nur eine Frage der Zeit. Die viel wichtigere Frage ist, woher die Milizen diese komplizierten Waffen tatsächlich haben? Wann, wo, und in welchem Umfang haben die Milizen diese Waffen erbeutet? War die irakische Armee überhaupt mit derartigen amerikanischen Waffen ausgerüstet? In welchem Umfang und wann hat die USA Waffen an ihren Feind Assad in den Irak geliefert? Dieser Bericht ist unglaubwürdig und oberflächlich. Ist es nicht eher so, dass die Milizen die Waffen von wohlgesinnten arabischen Herrschern bekommen, denen die Waffen von den USA verkauft worden sind. Es ist doch absurd, dass nun die Amerikaner ihre eigenen Waffen vernichten müssen, um Völkermorde zu verhindern!!! Das tatsächliche Problem ist der unkontrollierte Waffenexport westlicher Industrien!
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Religiöse Gruppen und ethnische Minderheiten im Irak
Sunniten
Mit über 85 Prozent der Muslime weltweit bilden die Sunniten die größte Gruppe im Islam. Der Name der Glaubensrichtung leitet sich vom arabischen Wort "Sunna" ab, das im religiösen Zusammenhang die "Handlungsweisen des Propheten Mohammed" bedeutet. Zusätzlich zum Koran orientieren sich Sunniten anders als die Schiiten an der Sunna als einer zweiten Quelle des islamischen Rechts. Die Rebellen im Irak gehören der Glaubensrichtung der Sunniten an.
Schiiten
In den Augen der Schiiten haben nur Ali, der Vetter und Schwiegersohn des Propheten Mohammed, und dessen Nachkommen ein Anrecht auf die politische Führung aller Muslime. Zwar unterscheiden sich die Schiiten in der religiösen Praxis kaum von den Sunniten. Doch durch die historische Entwicklung beider Glaubensrichtungen trennen heute tiefe politische Gräben das sunnitische und das schiitische Lager. Im Irak sowie in Iran und dem Libanon stellen die Schiiten die größte Konfessionsgruppe. Auch der irakische Ministerpräsident Nuri al-Maliki ist Schiit.
Alawiten
Alawiten sehen ihre Glaubensgemeinschaft als Abspaltung des schiitischen Islam. Auch sie verehren Ali, den Vetter des Propheten, und seine Nachfolger. Im Unterschied zu den Schiiten hat Ali bei Alawiten aber sogar einen gottähnlichen Status. Anhänger der alawitischen Glaubensrichtung leben vor allem in Syrien. Der syrische Diktator Assad ist Alawit. Es gibt auch Alawiten im Südosten der Türkei und im Libanon.
Kurden
Die Volksgruppe der Kurden stammt aus einem Siedlungsgebiet in Vorderasien, das sich auf die Gebiete der Türkei, des Irak, Irans und Syriens verteilt. Jahrhundertelang war die Region Teil des Osmanischen Reiches. Nicht alle Kurden gehören derselben Glaubensrichtung an. Viele sind Sunniten. Manche sind Aleviten, deren islamische Glaubensrichtung derjenigen der Alawiten ähnelt. Eine kurdische Einheitssprache gibt es nicht, dagegen viele unterschiedliche Dialekte. Im Nordirak hat sich seit dem letzten Golfkrieg ein Kurdenstaat gebildet, der seine Unabhängigkeit fordert.
Jesiden
Die Jesiden leben vor allem in der Gegend um die nordirakische Stadt Mossul. Schätzungsweise gibt es zwischen 300.000 und 1,2 Millionen Anhänger, von denen viele wegen Verfolgung und Diskriminierung ins Ausland geflohen sind. Ihre monotheistische Religion enthält Elemente des Christentums, des Islam und des Zoroastrismus. Neben Gott verehren sie sieben Engel. Der wichtigste heißt Malak Taus, der "Pfauenengel". Die Jesiden verneinen die Existenz des Teufels. Ihnen ist es verboten, außerhalb der Gemeinschaft zu heiraten oder einen anderen Glauben anzunehmen. Ihre wichtigste Pilgerstätte liegt in Lalisch, einem abgelegenen Tal im Norden des Irak. Dort befindet sich das Grab von Scheich Adi, der im 12. Jahrhundert starb und den die Jesiden als Heiligen verehren.

Fläche: 434.128 km²

Bevölkerung: 37,548 Mio.

Hauptstadt: Bagdad

Staatsoberhaupt: Fuad Masum

Regierungschef: Haidar al-Abadi

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