Bagdad Deutscher IS-Terrorist im Irak zum Tode verurteilt

Ein Deutscher ist nach SPIEGEL-Informationen im Irak zum Tode verurteilt worden. Die Behörden sehen es als erwiesen an, dass Levent Ö. aus Gladbeck für die Terrorgruppe IS an Kampfhandlungen teilgenommen hatte.

Kämpfer des "Islamischen Staats" in Rakka
AP

Kämpfer des "Islamischen Staats" in Rakka

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Ein deutsches Mitglied der Terrorgruppe "Islamischer Staat" (IS) ist im Irak zum Tode verurteilt worden. Nach SPIEGEL-Informationen verurteilte ein Strafgericht in Bagdad den 33-jährigen Levent Ö. bereits Mitte der Woche wegen der aktiven Teilnahme an Kampfhandlungen zum Tode.

Die irakischen Behörden sind zudem überzeugt, dass der Deutsche in der früheren IS-Hochburg Rakka als Ausbilder der Terrorgruppe tätig war. In deutschen Sicherheitskreisen hieß es, der aus Gladbeck stammende Islamist sei in der Hierarchie des IS weit aufgestiegen.

Levent Ö. war nach dem Fall des IS im November 2017 im irakisch-syrischen Grenzgebiet von kurdischen Kämpfern festgenommen worden, danach wurde er an die Amerikaner übergeben, die ihn schließlich im April 2018 an die irakische Justiz überstellten.

Die deutsche Botschaft hatte dem Mann einen Anwalt für das Verfahren in Bagdad gestellt. Die Botschaft will ihm auch helfen, das erstinstanzliche Urteil anzufechten. Da Deutschland die Todesstrafe grundsätzlich ablehnt, wird man versuchen, das Urteil in eine lange Haftstrafe umzuwandeln.

Das Auswärtige Amt in Berlin wollte auf SPIEGEL-Nachfrage am Freitagnachmittag lediglich bestätigen, dass man einen deutschen Staatsbürger in einem Terrorverfahren konsularisch betreue. Ö., der 1985 in Deutschland geboren wurde, hat neben der deutschen auch die türkische Staatsangehörigkeit.

In dem Verfahren in Bagdad bestritt Levent Ö. die gegen ihn erhobenen Vorwürfe. Stattdessen behauptete er, mit Folter zu mehreren Geständnissen gezwungen worden zu sein. Ein von der Botschaft engagierter Arzt konnte allerdings nicht bestätigen, dass Ö. körperlich gefoltert worden sei.

Vielmehr gehen die deutschen Behörden davon aus, dass die Vorwürfe gegen den Deutschen berechtigt sind. Auch in Deutschland wird gegen den 33-Jährigen wegen seiner Nähe zu Terrorgruppen ermittelt.

Ö. fiel schon 2012 bei Observierungen von islamistischen Gruppen in Neuss auf, dort besuchte er ein Seminar von radikalen Predigern zur "Lage in Syrien". Mit dabei war damals der Prediger Abu Walaa, ihm wird in Celle als mutmaßliches IS-Mitglied der Prozess gemacht.

Zudem soll Ö. zur sogenannten Lohberger Brigade, einer anderen Gruppe von deutschen Islamisten, Kontakte gehabt haben. Im Jahr 2013 dann reiste er mit seiner Ehefrau Filiz ins Bürgerkriegsgebiet, wegen seiner Radikalität stufte ihn die Polizei in Gelsenkirchen 2014 als islamistischen Gefährder ein.

Im Irak sind bereits mehrere Deutsche zu teils langen Haftstrafen wegen der Mitgliedschaft beim IS verurteilt worden. Besondere Aufmerksamkeit erregte der Fall von jungen Frauen, die als Ehefrauen mit Islamisten ins Kampfgebiet gezogen waren. Eine Frau aus Mannheim war zunächst ebenfalls zum Tode verurteilt worden, die Strafe wurde aber im Frühjahr in eine lebenslange Haft umgewandelt.

Video: In Kurdenhaft - IS-Kämpfer der Lohberger Brigade im Interview

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