Gewalt im Irak Dutzende Tote bei Anschlägen auf schiitische Pilger

Mehrere Dutzend Menschen starben bei einer Anschlagserie im Irak. In Sadija hatte sich ein Attentäter offenbar unter Schiiten gemischt, die das Aschura-Fest feierten, und einen Sprengstoffgürtel gezündet. Auch in Hafrijah, Kut und Bakuba kamen Gläubige ums Leben.

Ausgebranntes Auto in Kirkuk: Anschlagserie erschüttert den Irak
AFP

Ausgebranntes Auto in Kirkuk: Anschlagserie erschüttert den Irak


Bagdad - "Ich war in der Nähe einer Gruppe von Pilgern und plötzlich habe ich eine laute Explosion gehört", sagte ein 47-jähriger Taxifahrer. "Staub und Rauch breiteten sich aus und dann fand ich mich wieder umgeben von Leichen und Verletzten", beschreibt er den Selbstmordanschlag auf schiitische Pilger in der irakischen Stadt Sadija. Dabei sind am Donnerstag mehr als 30 Menschen getötet und mehr als 70 verletzt worden.

Genaue Opferzahlen gibt es noch nicht, die Nachrichtenagenturen machen unterschiedliche Angaben. Der Attentäter hatte sich während des Aschura-Festes in der östlichen Stadt Sadija unter die Gläubigen gemischt und dann einen Sprengstoffgürtel gezündet. Dabei trug der Attentäter offenbar eine Polizeiuniform, wie lokale Medien berichten.

Die Anschlagserie ersteckte sich über das ganze Land: Ein Angriff in Hafrijah traf Gläubige, die sich in einem Zelt versammelt hatten. In der Stadt Kirkuk im Norden Landes wurden bei einem Doppelanschlag fünf Menschen verletzt. In der Stadt Bakuba kamen laut Polizei bei drei Anschlägen mindestens 15 schiitische Muslime ums Leben, 67 wurden verletzt.

In der Stadt Kut, 170 Kilometer südöstlich von Bagdad, wurden nach Behördenangaben bei der Explosion dreier Bomben bei einer Trauerfeier der Schiiten neun Menschen getötet und 28 weitere verletzt. Südlich der Hauptstadt kamen in Suweira vier Menschen bei Bombenanschlägen ums Leben.

Bisher bekannte sich niemand zu Bluttaten

Schiitische Pilger gedenken zum Aschura-Fest des Todes von Imam Hussein. Der Imam ist eine religiöse Schlüsselfigur ihrer Glaubensrichtung. Die Prozessionen an dem Feiertag bieten eine Zielscheibe für Attentäter

Bisher hat sich niemand zu den Bluttaten vom Donnerstag bekannt. Insgesamt werden vornehmlich radikale Sunniten für die zunehmende Gewalt im Irak verantwortlich gemacht, die mit al-Qaida sympathisieren oder ihr angehören. Die von Schiiten geführte Regierung wirft ihnen vor, das Land destabilisieren zu wollen. Unter dem 2003 gestürzten Machthaber Saddam Hussein hielten die Sunniten Schlüsselstellungen im Staat, die meisten Iraker sind aber Schiiten.

vek/dpa/Reuters

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insgesamt 5 Beiträge
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Seite 1
Yörük 14.11.2013
1. .
So langsam reicht es, dass sich der Westen ständig militärisch einmischt. Lasst die Leute doch ihren Glauben ausüben! Eure Behauptungen es wären irgendwelche "Extremisten" sind alle eine Lüge! Muslime würden einander niemals töten da der Islam ist eine Religion des Friedens ist! Nur Ungläubige dürfen bestraft werden sofern sie nicht konvertieren.
derandersdenkende 14.11.2013
2. Was soll man da sagen?
Zitat von sysopAFPMehrere Dutzend Menschen starben bei einer Anschlagserie im Irak. In Sadija hatte sich ein Attentäter offenbar unter Schiiten gemischt, die das Aschura-Fest feierten, und einen Sprengstoffgürtel gezündet. Auch in Hafrijah, Kut und Bakuba kamen Gläubige ums Leben. Irak: Dutzende Tote bei Anschlägen auf schiitische Pilger - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/irak-dutzende-tote-bei-anschlaegen-auf-schiitische-pilger-a-933651.html)
Die Demokratie "made in USA" scheint im Irak immer mehr Fuß zu fassen. Man wünscht sich, daß einheimische Ideen irgendwann das Land aus dem Schlammassel führen, aber dazu scheinen die fremderrichteten Fronten zu verhärtet zu sein.
lschulz 14.11.2013
3. Anschlag Sadija
Der Islam ist eine terroristische Vereinigung. Solange die Imame nicht eine Fatwa ausprechen und jede Gewalt (und dazu noch gegen eigene Mitbürger) ausspechen, solange kann man für diese Religion nur Verachtung haben. Wer so menschenverachtend Dauermordet sollte von der ganzen Welt geächtet werden.
jochen1978 14.11.2013
4. Aschura-Fest
erinnert die Schiiten an die Schlacht von Kerbela von 680. Das ist eine Art innerislamischer Bürgerkrieg. Die USA haben 2003 naiv und leichtsinnig in ein Wespennest gestochen.
rtjou 15.11.2013
5.
Natürlich ist der Islam an allem schuld, wenn ich das wieder lese merke ich wie die Panikmache der Medien und der Regierung erfolgreich waren. Diese Extremisten sind alles andere als Islam konform, jedoch ist wohl eine differenzierte Ansicht zu Islam und Islamismus für manche geistig eingeschränkte Personen nicht möglich. Im Irak haben Menschen aller Konfessionen friedlich miteinander gelebt, egal ob sunnit schiit oder Christ, auch vor der der macht Übernahme Saddam. Da aber neuerdings der Extremismus durch Saudi Arabien oder Qatar gefördert wird werden die beiden Glaubensrichtungen gegeneinander aufgehetzt. Und solange das Chaos im nahen Osten herrscht und es keine stabile Lage gibt freut sich die USA. Hinzu kommt das Extremisten("Rebellen") aus dem Nachbarland Syrien in den Irak gehen um Attentate zu verüben.
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