Sunniten gegen Schiiten Dutzende Tote bei Anschlagsserie im Irak 

Anschlagsserie im Irak: Insgesamt neun Autobomben explodierten in zwei Städten, Dutzende Menschen kamen ums Leben. Seit Jahresbeginn nimmt der politisch-religiös motivierte Terror zu. Jetzt will Regierungschef Nuri al-Maliki handeln.

Ein Autowrack in Basra: Dutzende Menschen starben bei der Detonation
AP

Ein Autowrack in Basra: Dutzende Menschen starben bei der Detonation


Bagdad - Die Detonationen rissen mehr als 90 Menschen in den Tod: Eine Anschlagsserie hat Bagdad und Basra erschüttert. Insgesamt explodierten dort neun Autobomben. Die Opfer kamen nach Polizeiangaben vor allem aus schiitischen Wohngebieten. Hunderte seien verletzt worden.

Als Reaktion auf die Anschlagsserie hat Regierungschef Nuri al-Maliki nun eine neue Sicherheitsstrategie angekündigt. Am Dienstag werde das Kabinett entsprechende Entscheidungen treffen, um die Welle der Gewalt zwischen den Religionsgemeinschaften im Land zu stoppen, sagte Maliki. Zudem würden einige ranghohe Verantwortliche für die Sicherheit ausgetauscht.

Durch den Konflikt zwischen den sunnitischen Parteien und dem schiitischen Regierungschef Maliki hat die Gewalt gegen Zivilisten in den vergangenen Monaten dramatisch zugenommen. Erst am Freitag waren bei politisch-religiös motiviertem Terror landesweit 79 Menschen ums Leben gekommen. Der schiitische Regierungschef Maliki und der sunnitische Parlamentspräsident Osama al-Nudschaifi heizten die Spannungen mit abfälligen Bemerkungen über das jeweils andere politische Lager an.

Angehörige der sunnitischen Minderheit fühlen sich von Al-Maliki und Teilen der Sicherheitskräfte diskriminiert. Sie fordern, dass ein Gesetz gelockert wird, mit dem man nach dem Sturz von Präsident Saddam Hussein 2003 ehemalige Funktionäre und hochrangige Offiziere kaltgestellt hatte. Anschlägen auf sunnitische oder schiitische Ziele fielen jeden Monat mehr als 200 Menschen zum Opfer. Allein im Mai sind im Irak mehr als 350 Menschen getötet worden.

Maliki rief die Parlamentarier auf, nicht an einer Parlamentssitzung teilzunehmen, zu der Nudschaifi für Dienstag eingeladen hat. Er sagte, das Ziel dieser außerordentlichen Sitzung sei "eine weitere Eskalation". Nudschaifi erklärte während eines Treffens mit einem britischen Diplomaten: "Die internationale Gemeinschaft muss eine klare Position zu dem, was im Moment vor sich geht, einnehmen."

In der Wüste der westlichen Provinz al-Anbar fand die Polizei unterdessen die Leichen von 14 Entführungsopfern. Bei den Getöteten handele es sich um Angehörige der Sicherheitskräfte und Reisende, die von Geiselnehmern in den vergangenen Tagen in der vorwiegend von Sunniten bewohnten Provinz verschleppt worden seien.

cbu/vks/AFP/dpa/Reuters

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