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Attacken im Irak: IS bekennt sich zu Anschlägen in Bagdad mit Dutzenden Toten

Auf der Straße ist noch Blut: Bei dem Anschlag in Bagdad starben auch Kinder Zur Großansicht
REUTERS

Auf der Straße ist noch Blut: Bei dem Anschlag in Bagdad starben auch Kinder

Bei mehreren Attentaten in und um Bagdad hat es viele Opfer gegeben - darunter auch Kinder. Einige Angreifer kamen bei einem Bombenanschlag selbst um, andere töteten Zivilisten mit Maschinengewehren.

Bei einem schweren Selbstmordanschlag im Osten der irakischen Hauptstadt Bagdad sind viele Menschen getötet worden. Wie die Nachrichtenseite "Al Sumaria" unter Verweis auf die Polizei berichtete, starben mindestens 28 Menschen, andere Quellen berichten von 31 Toten. 62 Menschen sollen verletzt worden sein. Auch Kinder seien unter den Opfern.

Dem Bericht zufolge war der Attentäter mit einem Motorrad unterwegs und sprengte sich nahe einer Gruppe von Menschen an einem Laden für Mobiltelefone in die Luft. In angegriffenen Stadtteil leben vor allem Schiiten.

Weitere Anschläge gab es im Westen der Hauptstadt. Dabei gab es laut Regierung mindestens zwölf Tote, alles Angehörige der Sicherheitskräfte. 25 Kilometer westlich des Zentrums von Bagdad, nahe dem internationalen Flughafen, wurden demnach am Sonntag Posten der Armee und der Polizei angegriffen.

Versteck im Silo

Polizei- und Militärkreisen zufolge sind Dutzende Extremisten mit Maschinengewehren bewaffnet aus den Gegenden Garma und Falluja gekommen. Sie sollen sich in einem Getreidesilo und auf einem Friedhof versteckt haben. Von da aus hätten die Angreifer das Feuer im Morgengrauen eröffnet. Die Schießerei soll bis in den Abend gedauert haben.

Den Sicherheitsbehörden zufolge sind die Angreifer dem sogenannten "Islamischen Staat" (IS) zuzurechnen, der Teile des Landes kontrolliert und mit brutaler Gewalt gegen Andersgläubige vorgeht. Eine Nachrichtenagentur, die den Extremisten nahesteht schrieb ebenfalls von einer Attacke der Dschihadisten.

Zu früheren Anschlägen in Bagdad und anderen Städten hatte sich die Terrormiliz regelmäßig bekannt.

Die Angriffe könnten eine Reaktion auf jüngste Erfolge der irakischen Armee im Kampf gegen den IS sein. Mit Luftunterstützung der von den USA angeführten Koalition konnten die irakischen Kräfte den IS in der Provinz Anbar zurückdrängen.

Gebiete unter Kontrolle in Syrien und im Irak Zur Großansicht
DER SPIEGEL

Gebiete unter Kontrolle in Syrien und im Irak

ler/dpa/Reuters

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Fläche: 434.128 km²

Bevölkerung: 37,548 Mio.

Hauptstadt: Bagdad

Staatsoberhaupt: Fuad Masum

Regierungschef: Haidar al-Abadi

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Religiöse Gruppen und ethnische Minderheiten im Irak
Sunniten
Mit über 85 Prozent der Muslime weltweit bilden die Sunniten die größte Gruppe im Islam. Der Name der Glaubensrichtung leitet sich vom arabischen Wort "Sunna" ab, das im religiösen Zusammenhang die "Handlungsweisen des Propheten Mohammed" bedeutet. Zusätzlich zum Koran orientieren sich Sunniten anders als die Schiiten an der Sunna als einer zweiten Quelle des islamischen Rechts. Die Rebellen im Irak gehören der Glaubensrichtung der Sunniten an.
Schiiten
In den Augen der Schiiten haben nur Ali, der Vetter und Schwiegersohn des Propheten Mohammed, und dessen Nachkommen ein Anrecht auf die politische Führung aller Muslime. Zwar unterscheiden sich die Schiiten in der religiösen Praxis kaum von den Sunniten. Doch durch die historische Entwicklung beider Glaubensrichtungen trennen heute tiefe politische Gräben das sunnitische und das schiitische Lager. Im Irak sowie in Iran und dem Libanon stellen die Schiiten die größte Konfessionsgruppe. Auch der irakische Ministerpräsident Nuri al-Maliki ist Schiit.
Alawiten
Alawiten sehen ihre Glaubensgemeinschaft als Abspaltung des schiitischen Islam. Auch sie verehren Ali, den Vetter des Propheten, und seine Nachfolger. Im Unterschied zu den Schiiten hat Ali bei Alawiten aber sogar einen gottähnlichen Status. Anhänger der alawitischen Glaubensrichtung leben vor allem in Syrien. Der syrische Diktator Assad ist Alawit. Es gibt auch Alawiten im Südosten der Türkei und im Libanon.
Kurden
Die Volksgruppe der Kurden stammt aus einem Siedlungsgebiet in Vorderasien, das sich auf die Gebiete der Türkei, des Irak, Irans und Syriens verteilt. Jahrhundertelang war die Region Teil des Osmanischen Reiches. Nicht alle Kurden gehören derselben Glaubensrichtung an. Viele sind Sunniten. Manche sind Aleviten, deren islamische Glaubensrichtung derjenigen der Alawiten ähnelt. Eine kurdische Einheitssprache gibt es nicht, dagegen viele unterschiedliche Dialekte. Im Nordirak hat sich seit dem letzten Golfkrieg ein Kurdenstaat gebildet, der seine Unabhängigkeit fordert.
Jesiden
Die Jesiden leben vor allem in der Gegend um die nordirakische Stadt Mossul. Schätzungsweise gibt es zwischen 300.000 und 1,2 Millionen Anhänger, von denen viele wegen Verfolgung und Diskriminierung ins Ausland geflohen sind. Ihre monotheistische Religion enthält Elemente des Christentums, des Islam und des Zoroastrismus. Neben Gott verehren sie sieben Engel. Der wichtigste heißt Malak Taus, der "Pfauenengel". Die Jesiden verneinen die Existenz des Teufels. Ihnen ist es verboten, außerhalb der Gemeinschaft zu heiraten oder einen anderen Glauben anzunehmen. Ihre wichtigste Pilgerstätte liegt in Lalisch, einem abgelegenen Tal im Norden des Irak. Dort befindet sich das Grab von Scheich Adi, der im 12. Jahrhundert starb und den die Jesiden als Heiligen verehren.
Kurden
Kurdische Ethnie
Weltweit gibt es etwa 30 Millionen Kurden. Ihr Hauptsiedlungsgebiet, das in der Türkei, im Irak, in Syrien und in Iran liegt, bezeichnen sie als Kurdistan. Einen eigenen Staat haben sie nicht. Kurden bilden eine Ethnie. Die meisten von ihnen sind sunnitische Muslime, es gibt aber auch Schiiten, Aleviten, Jesiden, Christen und Juden unter den Kurden.
Kurden in Deutschland
Allein in Deutschland leben etwa eine Million Kurden. Wegen ihrer Staatenlosigkeit werden sie hier meist als Türken, Iraker, Syrer oder Iraner wahrgenommen. Dabei bilden sie die drittgrößte Migrantengruppe in der Bundesrepublik.
Sprachen
Es gibt mehrere kurdische Sprachen, die wiederum jeweils ein Dutzend Dialekte haben. Am weitesten verbreitet ist die Sprache Kurmandschi. Interessanterweise sind es also weder Sprache noch Religion, die die Kurden als Volk zusammenhält, sondern "ihr Miteinander, verwurzelt in einer gemeinsamen Vergangenheit, die mehr oder weniger mythisch ist", wie die Ethnologen Jean-Loup Amselle und Guy Nicolas schreiben.
Autonome kurdische Region
Bis in das 20. Jahrhundert hinein lebten Kurden in Stammesgesellschaften. Heute leben sie in sehr unterschiedlichen Umfeldern. Die autonome kurdische Region im Irak gilt als die stabilste und sicherste im Land. Durch Zugang zu Erdöl ist sie wohlhabend.
Kurden in der Türkei
Kurden in der Türkei sind in allen Gesellschaftsschichten zu finden. Überproportional viele sind jedoch arm, weil ihnen Bildung erschwert wurde. Unterricht auf Kurdisch war jahrzehntelang verboten. Viele Kurden kamen erstmals mit ihrer Einschulung mit Türkisch in Berührung.
Kurden im Irak
Das kurdische Autonomiegebiet liegt im Nordirak und wird von den Kurden Südkurdistan genannt. Im Irak wurden die Kurden lange Zeit verfolgt. Tragischer Höhepunkt war der Giftgasangriff des sunnitischen Diktators Saddam Hussein am 16. März 1988 auf den kurdischen Ort Halabdscha, bei dem etwa 5000 Männer, Frauen und Kinder getötet wurden.


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