Mossul Ex-Guantanamo-Häftling begeht Anschlag im Irak

Für seine Haftzeit in Guantanamo erhielt er von der britischen Regierung eine hohe Entschädigungssumme, weil man ihm die Opferrolle abnahm. Jetzt hat sich Jamal al-Harith für den "Islamischen Staat" im Irak in die Luft gesprengt.

Jamal al-Harith alias Abu Zakariya al-Britani, geborener Ronald Fiddler aus Manchester
AP/ IS-Propagandavideo

Jamal al-Harith alias Abu Zakariya al-Britani, geborener Ronald Fiddler aus Manchester


Das Leben des britischen Konvertiten Jamal al-Harith endete am Montag bei einer Explosion: Der 50-jährige Dschihadist lenkte ein mit Sprengstoff beladenes Auto vor einen irakischen Militärstützpunkt südwestlich von Mossul und zündete die Ladung.

Über Opfer und Schäden der Attacke im Kampf um die zweitgrößte Stadt des Irak ist noch nichts bekannt. Die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) verbreitete allerdings ein Foto Hariths und reklamierte die Tat für sich - denn der Islamist war nicht irgendwer.

Geboren wurde der Attentäter als Ronald Fiddler, 1966 in Manchester als Sohn jamaikanischer Einwanderer. Mit etwa Mitte 20 konvertierte er zum Islam. Nach seinem Religionswechsel ließ er seinen Namen offiziell in Jamal al-Harith ändern.

Wie der "Guardian" berichtete, geriet Harith zunächst 2001 bei den radikalislamischen Taliban auf einer Rucksackreise in Pakistan in Verdacht, ein britischer Spion zu sein und wurde festgenommen. Einige Zeit später machten US-Spezialkräfte ihn demnach in einem verlassenen Taliban-Gefängnis ausfindig, in dem er auf Rat des Roten Kreuzes geblieben sein soll.

Die Soldaten brachten den Briten in das US-Militärgefängnis Camp X-Ray auf dem kubanischen Stützpunkt Guantanamo. Von ihm versprachen sie sich Erkenntnisse über die Taliban. Nach zwei Jahren, 2004, kam er wieder frei.

Nach der Rückkehr in die britische Heimat soll Harith eine hohe finanzielle Entschädigung von der Regierung erhalten haben. Britische Boulevardmedien berichten von bis zu einer Million Pfund. Unter anderem in Paris wurde er zu seinen Erlebnissen in amerikanischer Lagerhaft befragt. Harith sagte aus, er habe verdorbenes Essen bekommen, sei an Händen und Füßen gefesselt gewesen und gefoltert worden. Mit Terror habe er nie etwas zu tun gehabt.

Heimkehrer Harith, 2004, in Paris
AP

Heimkehrer Harith, 2004, in Paris

2014 - zehn Jahre nach seiner Heimkehr - ging der ehemalige Guantanamo-Häftling nach Syrien, um sich dem IS anzuschließen. Die BBC berichtet, Mitarbeiter des Senders hätten Registrierungspapiere des IS eingesehen, wonach sich Harith im April 2014 in Syrien als Kämpfer gemeldet und sich den Kampfnamen Abu-Zakariya al-Britani zugelegt haben soll. Die britischen Behörden bemerkten davon nichts.

Eine Sprecherin der britischen Premierministerin Theresa May wies darauf hin, dass die Identität des Mannes, der sich in Mossul in die Luft sprengte, nicht unabhängig bestätigt sei. Ehemalige ranghohe Mitarbeiter von Sicherheitsdiensten sowie Dschihadismus-Experten sind sich aber sicher, dass es sich beim Attentäter um al-Harith handelt.

Die Frage, die nun Großbritannien beschäftigt: Wie konnte ein Guantanamo-Rückkehrer zum Attentäter in Syrien werden? Afzal Ashraf, ein früherer Anti-Terror-Berater der USA im Irak, sagte der BBC, er sehe die Schuld bei jenen, die Harith seine Opferrolle nach der Heimkehr geglaubt hätten. Einige der Gruppen, die sich für ihn eingesetzt hatten, müssten sich jetzt Fragen gefallen lassen. Sie seien "zu eng verbunden mit dieser radikalen Ideologie", so Ashraf zur BBC.

Arthur Snell, Stratege des britischen Anti-Terror-Programms Prevent, sieht hingegen eine Mitschuld bei den britischen Sicherheitsbehörden. "Es ist offensichtlich, dass alle Behörden - und ich trage da ganz klar eine Mitschuld - sich nicht darüber bewusst waren, was Fiddler vorhatte", sagte Snell dem "Guardian". Es sei unmöglich zu sagen, was in den zehn Jahren passiert ist. "Aber es gab ein Problem, und es wurde nicht sachgerecht damit verfahren."

cht



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