Mossul Irak fordert sofortigen Abzug türkischer Truppen

Mehr als hundert türkische Soldaten sind offenbar in die nordirakische Region Mossul verlegt worden. Die Regierung in Bagdad fordert ihren sofortigen Abzug. Die Aktion verletze internationales Recht.

Zerstörte Stadt Mossul (Archivbild): Kampf gegen den IS
DPA

Zerstörte Stadt Mossul (Archivbild): Kampf gegen den IS


Zwischen der türkischen und der irakischen Regierung wachsen die Spannungen. Mehr als hundert türkische Soldaten sind türkischen Sicherheitskreisen zufolge in die nordirakische Region Mossul verlegt worden, um dort kurdische Peschmerga-Kämpfer auszubilden. Die Soldaten würden von 20 bis 25 Panzern begleitet, berichtete die Nachrichtenagentur Anadolu.

Die Regierung in Bagdad forderte den sofortigen Abzug der türkischen Truppen. Die Entsendung der Einsatzkräfte sei ohne Zustimmung der irakischen Regierung erfolgt, hieß es am Samstag in einer Erklärung von Ministerpräsident Haider al-Abadi. Präsident Fouad Massoum sagte, die Aktion verletzte internationales Recht.

Mossul liegt gut 200 Kilometer Luftlinie von der irakisch-türkischen Grenze entfernt. Die Millionenstadt befindet sich seit 2014 unter der Kontrolle des "Islamischen Staates" (IS).

Die Türkei kann die Aufregung offenbar nicht nachvollziehen. Die Soldaten hätten sich bereits zuvor im kurdischen Teil des Irak aufgehalten, hieß es am Freitagabend in türkischen Kreisen. Ihre Entsendung sei Routine. Die Mitgliedstaaten der Anti-IS-Koalition seien über den Schritt informiert worden.

In US-Regierungskreisen hieß es allerdings, die Truppenbewegung erfolge nicht im Rahmen der US-geführten Koalition.

Türkische Soldaten sind seit zweieinhalb Jahren in der autonomen Kurdenregion im Nordirak stationiert. Die Türkei, die lange unter dem Verdacht stand, radikale Rebellengruppen im Kampf gegen den syrischen Machthaber Baschar al-Assad zu unterstützen, hatte sich unter dem Druck ihrer Verbündeten im Juli der internationalen Anti-IS-Koalition angeschlossen.

Der IS hält Teile des Irak und Syriens besetzt und hat dort ein Kalifat ausgerufen. Zahlreiche Länder versuchen, mit Luftangriffen den IS zurückzudrängen.

ssu/AFP/Reuters



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insgesamt 173 Beiträge
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dr._sheldor 05.12.2015
1. Herr Barsani und seine Regierung
haben noch nicht verstanden, dass man den Irak nicht mehr um Zustimmung fragen muss, um ins Land mit Soldaten einzumarschieren^^. Das geht gar nicht. Erdogan und das türkische Militär verhandeln sich wie Aasgeier, die sich auf ein verletztes Tier stürzen! Möge jemand dem senilen Knacker des Osmanischen Reiches 2.0 mal bitte in ein Sanatorium einweisen! Wenn man ihn weiter gewähren lässt wird sich die NATO bald in einem großen Konflikt mit diversen Staaten und nicht nur mit Terrordebilen wieder finden!
2stein1 05.12.2015
2. Skuriles Doppelspiel ....
... wenn auch durchaus typisch für die Taktiken im Orient. Was macht also Erdogan da ? Sieht er sich als NATO-Partner nur gezwungen was zu tun - oder mixt er diese Präsenz mit dem eigentlichen Wunsch einen späteren unabhängigen kurdischen Staat verhindern zu können ? Wohl eher letzteres !
hwdtrier 05.12.2015
3. Erdogan zündelt weiter
Nicht den IS sondern die Kurden will er vernichten.
Spiegelleserin57 05.12.2015
4. unerwünscht heißt unerwünscht!
man kann nicht fremdes Territorium bestzen ohne die Zustimmung des jeweiligen Landes. Die Truppen müssen abgezogen werden wenn die dortige Regierung das wünscht. Sie hat ein hoheitliches Recht.
roby 05.12.2015
5. Türkein bilden Kurden aus?????
Die nächste Märchenstunde von Erdogan!! Es wird immer deutlicher dass Erdogan sein ganz eigenen Spiel treibt und glaubt, er können alle an der Naser herumführen....
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