Irak-Geisel Peter Moore Eltern entführter Briten werfen London Lüge vor

Nach jahrelanger Geiselhaft im Irak kehrt die Brite Peter Moore wieder nach Hause zurück. Seine Mutter und der Vater eines ebenfalls entführten Bodyguards werfen der Regierung in London nun Lüge und Verschleierung in dem Kidnappingfall vor. Widersprüchliche Angaben gibt es zur Rolle Irans in der Affäre.

Reuters

London - In der britischen Botschaft in Bagdad hat sich Peter Moore am Donnerstag einem weiteren medizinischen Test unterzogen und mit Angehörigen gesprochen. Und er hat sich erstmals auch zu Spekulationen geäußert, wonach seine Entführung im Irak vor zweieinhalb Jahren durch iranische Revolutionsgarden organisiert und er gar nach Iran verschleppt worden sein soll. So hatten es britische Medien in den vergangenen Tagen berichtet.

Moore, so heißt es in der Tageszeitung "Times" vom Freitag, habe den britischen Behörden zwei Orte im Irak genannt, an denen er festgehalten worden sei. Seine Begleiter - vier Bodyguards, von denen drei getötet wurden - habe er zuletzt vor 18 Monaten gesehen. Die Äußerungen Moores, der heute in seine Heimat zurückfliegen soll, würde die Sichtweise des britischen Außenministeriums stützen, wonach es keine Hinweise gebe, dass Iran in die Geiselnahme des 36-Jährigen Computerspezialisten involviert gewesen sei, heißt es in der "Times".

Diese Interpretation widerspricht anderen Meldungen. Ein nicht genanntes Mitglied der Revolutionären Garden Irans hatte in der Zeitung "Guardian" behauptet, Moore und die Bodyguards seien innerhalb eines Tages nach ihrer Entführung in Lager in Iran verbracht worden. Die für die externe Aktionen der Revolutionären Garden zuständige Einheit, die Kuds-Brigade, habe die Aktion durchgeführt, so die anonyme Quelle weiter.

Das iranische Außenministerium hatte den Bericht zurückgewiesen. "Die Behauptungen sind grundlos und wurden nur deshalb gemacht, weil die Briten ärgerlich sind, dass Millionen von Iranern bei den Demonstrationen (am Mittwoch) Großbritannien wegen dessen Einmischung in die internen Angelegenheiten Irans verurteilt hatten", sagte der Sprecher des Außenministeriums, Ramin Mehmanparast, dem Nachrichtensender al-Alam bereits am Donnerstag.

Drei Leichen wurden bereits zurückgegeben

Nach zweieinhalbjähriger Geiselhaft im Irak war der Brite Peter Moore am Mittwoch von seinen Peinigern freigelassen worden. Der IT-Spezialist war laut "Guardian" Ziel der Entführer, weil seine Arbeit aufgedeckt hätte, dass große Summen der internationalen Irak-Hilfe Milizen zugeflossen seien, die von Iran unterstützt wurden. Als Polizisten verkleidete Kidnapper hatten Moore zusammen mit vier britischen Sicherheitskräften aus dem Finanzministerium in Bagdad entführt.

Moore hatte in der irakischen Hauptstadt für die US-Beratungsfirma BearingPoint gearbeitet, seine Bodyguards waren bei der kanadischen Sicherheitsfirma GardaWorld angestellt. Drei der vier Bodyguards waren in der Zwischenzeit von den Entführern getötet worden, die Leichen von Alec MacLachlan, Jason Swindlehurst und Jason Creswell wurden im vergangenen Jahr den britischen Behörden übergeben.

Auch für den vierten Mann - Alan McMenemy - besteht nach Einschätzung des britischen Außenministeriums keine Hoffnung mehr. Die Überführung seiner Leiche, so heißt es in britischen Medien, würde das Ende einer der längsten Entführungen britischer Staatsbürger in mehr als 20 Jahren bedeuten.

Indes hoffen die Familienangehörigen McMenemeys noch immer auf ein Zeichen ihres Sohnes. Vater Denis McMenemy warf dem Außenministerium laut "Guardian" vor, im Falle einer möglichen Iran-Verbindungen bei der Entführung seines Sohnes und der übrigen vier Geiseln zu "täuschen, lügen und zu verdecken". Auch die Mutter von Peter Moore, Avril Sweeny, hielt der Regierung nun vor, "niemals die Wahrheit" gesagt zu haben. Sie widersprach der Äußerung des britischen Außenministeriums, es habe bei der Freilassung ihres Sohnes keinen Deal gegeben.

Spekulationen um die Entführung

Über die Umstände von Moores Geiselhaft und die seiner Personenschützer gibt es weiter viele Unklarheiten. Er habe eine "harte Zeit" gehabt, sei aber in den letzten sechs Monaten besser behandelt worden und habe Zugang zu einem Fernseher und einer Playstation gehabt, zitiert ihn der "Guardian".

Derweil blühen Spekulationen, ob die Behörden Hinweise auf eine Verstrickung Irans hatten. Die "Times" berichtet, kurze Zeit nach dem Kidnapping habe die britische Botschaft in Bagdad Hinweise darauf erhalten, die Geiseln sollten nach Iran verschleppt werden. "Es war immer eine Möglichkeit, aber es gab nie einen Beweis", zitiert das Blatt eine nicht genannte britische Quelle in Bagdad.

Hingegen scheint der frühere US-Kommandeur im Irak, General David Petraeus, anderer Ansicht zu sein. Die BBC zitierte den Offizier mit der Bemerkung, er sei sich "zu 90 Prozent" sicher, dass die Geiseln wenigstens zeitweise in Iran gewesen seien. Ein Sprecher des britischen Außenministerium hingegen erklärte laut "Times": "Wir haben keine Hinweise, dass die britischen Geiseln, unter ihnen Peter Moore, in Iran festgehalten wurden. Wir sind nicht in der Lage, mit Gewissheit zu sagen, wo sie während jeden Tages ihrer zweieinhalbjährigen Haft festgehalten wurden."

sev/dpa



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Emil Peisker 29.06.2009
1.
Zitat von sysopDie letzten US-Truppen verlassen die Städte im Irak. Wie sehen Sie die Zukunft des Landes?
Sie sind ja noch im Irak. Und bei größeren Verwerfungen dürfen sie auch eingreifen, wenn die Iraker sie bitten. Wenn Sie das land komplett verlassen haben, wird sichtbar, ob die neue irakische Armee das Heft in der Hand hat. Hoffentlich, kann ich da nur sagen.
nahal, 29.06.2009
2.
Zitat von sysopDie letzten US-Truppen verlassen die Städte im Irak. Wie sehen Sie die Zukunft des Landes?
hoffnungsvoll. eine hoffnung, die vor 6 jahren nicht vorhanden war. es liegt jetzt am irakischen volk und nicht mehr an einen despoten. und von innen wäre diese änderung, leider, nicht gekommen.
elandy 29.06.2009
3.
Zitat von nahalhoffnungsvoll. eine hoffnung, die vor 6 jahren nicht vorhanden war. es liegt jetzt am irakischen volk und nicht mehr an einen despoten. und von innen wäre diese änderung, leider, nicht gekommen.
aha und woher wollen sie das wissen? oder ist das nur eine plumpe Rechtfertigung für den US-Angriff?
atzlan 29.06.2009
4.
Zitat von nahalhoffnungsvoll. eine hoffnung, die vor 6 jahren nicht vorhanden war. es liegt jetzt am irakischen volk und nicht mehr an einen despoten. und von innen wäre diese änderung, leider, nicht gekommen.
Wirklich interessant, worauf Sie hoffen: "Wenn das so weitergeht, haben die Amerikaner es immerhin geschafft, im Mittleren Osten eine islamische Militärdiktatur zu etablieren." http://www.zeit.de/2008/52/Irak-Reportage?page=1 (S.3)
SaT 29.06.2009
5.
Zitat von nahalhoffnungsvoll. eine hoffnung, die vor 6 jahren nicht vorhanden war. es liegt jetzt am irakischen volk und nicht mehr an einen despoten. und von innen wäre diese änderung, leider, nicht gekommen.
Wenn es denn so wäre – wäre dies in Ihren Augen Hunderttausende von Toten wert? Auch dann wenn es sich bei diesen Toten um Ihre Angehörigen handeln würde? Im Iran tut sich gerade etwas von innen. Einmischung von außen würde dort nur schaden. Übrigens tat sich auch in Mittel und Osteuropa vor 20 Jahren etwas von innen genauso wie in Spanien in den 70’er.
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