Angriff auf Universität Dschihadisten nehmen Hunderte Geiseln

Sie stürmten die Universität, töteten Wachleute, sprengten die Brücke am Haupteingang in die Luft: Dschihadisten haben in der irakischen Stadt Ramadi Hunderte Studenten und Professoren als Geiseln genommen. Der Angriff wurde gewaltsam beendet.

Flucht vor Geiselnehmern: Studenten retten sich von dem Gelände der Al Anbar-Universität in Ramadi
DPA

Flucht vor Geiselnehmern: Studenten retten sich von dem Gelände der Al Anbar-Universität in Ramadi


Ramadi - Radikalislamische Kämpfer haben die Universität in der zentralirakischen Stadt Ramadi überfallen und stundenlang Hunderte Studenten und Professoren festgehalten. Die bewaffneten Anhänger der militanten Gruppierung Islamischer Staat im Irak und der Levante (ISIL) drangen nach Angaben der Polizei am Samstagmorgen in die Al Anbar-Hochschule ein, töteten Wachleute und sprengten eine Brücke, die zum Haupteingang des Gebäudes führte. Nach Informationen des irakischen Staatsfernsehens waren 25 Dschihadisten an dem Angriff beteiligt, einige von ihnen sollen Sprengstoffgürtel getragen haben.

Sondereinsatztruppen und Soldaten rückten an und stürmten die Universität. Nach Angaben des Staatsfernsehens wurden alle Geiseln gewaltsam befreit. Wie viele Menschen bei der Aktion getötet wurden und wie viele Geiseln genommen worden waren, war zunächst nicht bekannt. Angaben von Polizisten, wonach die Dschihadisten bis zu 2500 Menschen in ihrer Gewalt hatten, ließen sich zunächst nicht überprüfen. Rund tausend Studenten und Lehrkräfte konnten jedoch zu Beginn des Angriffs flüchten.

Eine Studentin berichtete über ihr Handy der Nachrichtenagentur AFP, wie sie von dem Anführer der Dschihadisten bedroht wurden: "Wir werden euch eine Lektion erteilen, die ihr nie mehr vergessen werdet", sagte er demnach. Nach ihren Angaben beschimpfte er die Universität als "Bordell", in dem Frauen Make-up trügen, Musik hörten und mit Männern Umgang hätten. Sie fürchtete, dass die Angst vor weiteren Angriffen nun viele Studenten davon abhalten könnte, ihr Studium fortzusetzen.

Nach der Befreiung aller Geiseln gingen die Kämpfe vor Ort weiter. Offenbar hielten sich ISIL-Kämpfer auch danach noch auf dem Campus verschanzt. In Ramadi kämpfen die Sicherheitskräfte seit Monaten gegen die Gruppierung. Mehrere Viertel der etwa hundert Kilometer westlich der Hauptstadt Bagdad gelegenen Stadt sind unter Kontrolle der Extremisten von ISIL.

Auch die Bürger in den anderen Regionen des Iraks leiden seit Monaten unter einer Welle von Anschlägen und Angriffen, die an den blutigen Konflikt zwischen sunnitischen und schiitischen Muslimen in den Jahren 2006 und 2007 erinnern. Seit Januar gab es nach Angaben der Nachrichtenagentur AFP mehr als 4300 Tote.

Allein in der Gegend um die Hauptstadt Bagdad starben am Samstag mindestens 60 Menschen bei einer Serie von Bombenanschlägen. Die Attentäter zündeten mindestens sechs Autobomben, ein weiterer Sprengsatz explodierte am Straßenrand. Betroffen waren vor allem Gegenden, die von Schiiten bewohnt werden, sagte ein Vertreter der Sicherheitsbehörde.

Auch in der nördlichen Stadt Mossul wurden am Samstag bei Kämpfen zwischen Polizei und Aufständischen mindestens 59 Menschen getötet.

jbe/AFP/dpa



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